Professorinnen im Hörsaal eine Seltenheit
Frauenanteil unter den Professoren kann mit dem unter den Studierenden nicht mithalten - Fast alle Einrichtungen empfehlen sich für Karriere
Chemnitz. 39.800 Professoren und Professorinnen forschten Ende 2009 an deutschen Hochschulen, das waren rund 1200 mehr als im Vorjahr. Im selben Zeitraum erhöhte sich der Frauenanteil innerhalb der Professorenschaft stetig: Er nahm zwischen 1999 und 2009 von knapp 10 Prozent auf mehr als 18 Prozent zu. Die Zahl der Professorinnen hat sich in diesem Zeitraum fast verdoppelt und erreichte 2009 mit rund 7300 einen neuen Höchststand. Mit einem Frauenanteil von rund 16 Prozent liegt Sachsen knapp unter dem deutschen Durchschnitt.
Auch in Südwestsachsen liegen, von der Westsächsischen Hochschule Zwickau einmal abgesehen, alle unter dem deutschen Durchschnitt. Schlusslicht ist die TU Bergakademie Freiberg, die nur auf einen Frauenanteil von 3,6 Prozent kommt. Immerhin bekommen die drei Professorinnen, die mit 81 männlichen Kollegen lehren und forschen, am 1. September eine neue Kollegin. Der Frauenanteil steigt dann auf 4,6 Prozent. Die meisten Professorinnen verzeichnen die Freiberger an der Fakultät Maschinenbau, Verfahren- und Energietechnik.
An der Mittweidaer Hochschule hat dagegen die Fakultät Soziale Arbeit mit sieben Professorinnen den höchsten Frauenanteil. Die Zahl der Professorinnenstellen hat sich dabei an dieser Fakultät ausgehend von drei im Jahr 2000 mehr als verdoppelt. In den kommenden Jahren sei die Hochschule bemüht, altersbedingte Abgänge auszugleichen, so Kanzlerin Sylvia Bäßler. Wie jeder Arbeitgeber müsse sich auch die Hochschule Mittweida dabei dem freien Arbeitsmarkt stellen. "Dass diese als kleinere Hochschule dabei nicht in allen Bereichen wie zum Beispiel bei der Vergütung mit größeren Einrichtungen und auch der Privatwirtschaft konkurrieren kann, ist nicht auszuschließen", erklärt die Kanzlerin. Dennoch stellten die Alleinstellungsmerkmale der Hochschule einen erheblichen Anreiz bei der Wahl des Beschäftigungsortes durch Hochschullehrer und wissenschaftlichem Fachpersonal dar. "Auf diesem Fundament bestehen derzeit keine erheblichen Befürchtungen, perspektivisch nicht ausreichend Personal rekrutieren zu können", so Sylvia Bäßler weiter. In ihren Augen ist eine wissenschaftliche Karriere an der Mittweidaer Hochschule nach wie vor lohnenswert.
Für Michael Eckardt, Pressesprecher der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ), stellt sich die Frage nach einer wissenschaftlichen Karriere an der WHZ dagegen nicht, "da wir keine wissenschaftliche Hochschule sind, sondern für die Praxis ausbilden". Mit einem Frauenanteil von 23 Prozent ist seine Hochschule in Südwestsachsen Spitzenreiter. An einigen Fakultäten wie den Gesundheits- und Pflegewissenschaften und den Sprachen liegt der Frauenanteil zwischen 50 und 72 Prozent. Die Gesundheits- und Pflegewissenschaften können beim wissenschaftlichen Personal und den Mitarbeitern für lehrbezogene Aufgaben sogar einen Frauenanteil von 100 Prozent aufweisen.
Die TU Chemnitz will ihren Frauenanteil von derzeit 12 Prozent künftig steigern. Und selbstverständlich würde sich auch in Zukunft eine wissenschaftliche Karriere an dieser Uni lohnen. Dabei will sich die Uni auf ausgewählte Forschungsschwerpunkte wie zum Beispiel die energieeffiziente Produktion oder den Faktor Mensch in der Technik konzentrieren und ein entsprechendes qualitatives Lehrprogramm anbieten. "Dazu sind die erforderlichen Stellen für Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter zu besetzen", sagt Katharina Thehos von der Pressestelle der TU. In diesem Zusammenhang verweist sie auch auf die Drittmitteleinnahmen, die in den vergangenen Jahren stetig gestiegen sind: "2009 haben die Wissenschaftler etwa 41,1 Millionen Euro dieses Geldes eingeworben, wodurch so viele Mitarbeiterstellen finanziert werden konnten, wie nie zuvor. Diesen Trend fortzusetzen, ist erklärtes Ziel der TU."
Ganz offensichtlich beeinflusst die Anzahl der Professorinnen junge Frauen nicht bei der Studienplatzwahl. Mit einem Frauenanteil von 45 Prozent unter den Studierenden ist die Technische Universität Chemnitz der Spitzenreiter in Südwestsachsen. Schlusslicht mit einem Anteil von 32 Prozent ist die TU Bergakademie Freiberg. Die Hochschule Mittweida (34 Prozent) und die Westsächsische Hochschule Zwickau (39 Prozent) teilen sich das Mittelfeld.