Sachsens Hochschulen fehlen Professoren
Berufungsverfahren langwierig - Verdienst kann im Bundesvergleich nicht mithalten
Sachsens Hochschulen fehlen Professoren. 146 Stellen sind laut Wissenschaftsministerium aktuell nicht besetzt. 52Professoren werden allein an den Medizinischen Fakultäten in Leipzig und Dresden händeringend gesucht.
Dresden. Volle Hörsäle, aber keine Professoren, die dem Nachwuchs wissenschaftliche Erkenntnisse auf höchstem Niveau vermitteln. So schlimm ist es in Sachsen noch nicht, doch allein 52 Professuren an den medizinischen Fakultäten in Leipzig und Dresden sind unbesetzt. Knapp dreimal so viele Professoren werden im gesamten Freistaat gesucht, geht aus einer aktuellen Statistik des Wissenschaftsministeriums hervor.
"Damit sind 6,4 Prozent der Professorenstellen an sächsischen Hochschulen vakant, ohne dass eine entsprechende Vertretung beschäftigt wird", kennzeichnet Andreas Schmalfuß die Lage. Der hochschulpolitische Sprecher der FDP im Landtag hatte die Zahlen im Ministerium abgefragt. Hinzu komme, dass offene Stellen, für die eine Vertretung beschäftigt werde, in der Statistik nicht vorkämen. "Ein Lehrstück bürokratischer Kreativität", schimpft Schmalfuß.
Trotzdem sieht man im Wissenschaftsministerium die Lage nicht so dramatisch. "Nach dem jetzigen Stand der Berufungsverfahren ist davon auszugehen, dass mit der Besetzung der derzeit vakanten Stellen Anfang 2008 zu rechnen ist", teilt das Ministerium der FDP schriftlich mit. 100 neue Professorenstellen seien in diesem Jahr bereits besetzt worden.
Das bestätigt auch der Chemnitzer TU-Sprecher Mario Steinebach. Von den 13 offenen Professuren der Technischen Uni seien drei Stellen bereits so gut wie besetzt. Für die anderen laufe die Ausschreibung. An der medizinischen Fakultät in Dresden versucht man beispielsweise seit sechs Semestern, die 33 Professorenstellen zu besetzen. Für 16Positionen laufen laut Ministerium die Berufungsverfahren.
Das Verfahren, bis Professoren berufen werden, ist lang (siehe Stichwort). Deshalb verlangen die Freien Demokraten, der Staat dürfe bei den Berufungen nicht mehr mitreden. Das müsse allein Sache der Hochschulen sein.
Doch nicht nur das lange Berufungsverfahren führt offenbar zu den vakanten Positionen. Finanzielle Gründe gibt das Wissenschaftsministerium ebenfalls an, weshalb gerade Professuren im Hochschulmedizinbereich nur verzögert besetzt würden. "Wir wissen, dass wir mit der Besoldung bundesweit im hinteren Bereich liegen", sagt Eileen Mägel, Sprecherin des Wissenschaftsministeriums. Schon vor zwei Jahren forderten die Universitäten in Dresden, Freiberg und Chemnitz einen höheren Verdienst für Professoren. Nach Angaben des Deutschen Hochschulverbandes erhält ein "neuer" Professor im Osten zwischen 3600 und 4400 Euro brutto im Monat plus Leistungszuschläge, die die Hochschule zahlen kann.
Stichwort Berufungsverfahren
Professoren sind an Hochschulen für Forschung und Lehre verantwortlich. Sie werden in Sachsen vom Wissenschaftsminister berufen. Zunächst wird die Stelle ausgeschrieben. Dann muss die Hochschule eine so genannte Berufungskommission bilden und mindestens drei Bewerber pro Professur vorschlagen. Jetzt muss die jeweilige Fakultät den Kandidaten zustimmen. Erst dann geht die Auswahl ans Ministerium.