Nico Graubner wird bei der Chemnitzer Firma Teschauer Laser zum Mechatroniker für Anlagenbau ausgebildet. Das Besondere: Graubner absolviert gleichzeitig ein Studium an der Hochschule Mittweida.
Foto: Wolfgang Schmidt
Studium oder Lehre? Aus zwei mach eins
Nico Graubner ist gleichzeitig Student und Auszubildender
Chemnitz. Wer ein Studium und eine Berufsausbildung gleichzeitig angeht, der muss wissen was er tut. Hört sich dieses Vorhaben doch nach reichlich Stress an. Nico Graubner jedoch macht einen entspannten Eindruck, wenn er über seinen Bildungsweg spricht. "Ich habe etwas gesucht, bei dem ich Praxiserfahrungen sammeln und eine gute Ausbildung genießen kann", sagt der 20-Jährige.
Nico Graubner absolviert gerade ein kooperatives Studium. Ein spezieller Bildungsweg, der seit 2009 in Sachsen angeboten wird. "Seitdem mache ich dieses Mechatronik-Studium. Ich studiere an der Hochschule Mittweida, werde in der Chemnitzer Bildungswerkstatt ausgebildet und lerne und arbeite bei der Firma Teschauer Laser in Chemnitz", erzählt Graubner.
Projektleiter des kooperativen Studiums in Chemnitz ist Reinhard Beyer von der Bildungswerkstatt. "Was wir den jungen Menschen anbieten, ist ein Hochschulstudium, verknüpft mit einer regulären Ausbildung, Auslandaufenthalten und Zusatzqualifikationen. Zudem erhalten die Studenten von ihren Betrieben eine Ausbildungsvergütung und später eventuell ein Studienförderung bezahlt", erklärt Beyer.
Die Ausbildung ist straff organisiert. Innerhalb der insgesamt neun Semester wechseln sich Aufenthalte an der Hochschule Mittweida, der Bildungswerkstatt und im Unternehmen ab. Nach sechs Semestern steht die IHK-Prüfung an, im neunten Semester eine Bachelor-Arbeit. "Es ist zwar ein straffes Programm, aber es ist zu schaffen", sagt Nico Graubner. "Ich war die ersten beiden Semester komplett an der Uni. Nur als die Studenten Ferien hatten, habe ich eben im Betrieb gearbeitet."
Diese Verzahnung zwischen Theorie und Praxis ist es, die den Kern eines kooperativen Studiums ausmacht und dieses Modell auch für Unternehmer interessant werden lässt. So zum Beispiel für Gert Teschauer, Chef von Teschauer Laser. "Wir erhoffen von dieser Art der Ausbildung einen Absolventen mit umfassenden praktischen Erfahrungen, welche in der Ausbildungszeit auch bei uns im Unternehmen vermittelt werden. Wir haben bisher gute Erfahrungen gemacht."
Eine Besonderheit des Chemnitzer Modells für Mechatroniker ist das Auswahlverfahren. Denn die Bewerber wenden sich direkt an die Bildungswerkstatt und nicht an die Unternehmen. Die Werkstatt sichtet die Unterlagen, lädt die Jugendlichen zu Gesprächen ein und bewertet sie. Anschließend werden deren Unterlagen an die Firmen, die bei dem Projekt mitmachen, weitergegeben. Jeder Student muss aus einem Pool der Firmen fünf auswählen. Die Unternehmen entscheiden dann, mit wem sie einen Ausbildungsvertrag abschließen wollen.
Im vergangenen Jahr erhielten so acht Studenten einen Vertrag. Zu den Firmen, die diesmal im Pool, liegen gehören unter anderem die Chemnitzer Union Werkzeugmaschinen GmbH, die Karl Mayer Malimo Textilmaschinenfabrik sowie Ligmatech Automationssysteme.
Nico Graubner jedenfalls möchte sein Studium nicht missen: "Die Mischung macht's. Nur in der Theorie funktioniert nicht viel. Doch so lerne ich gleich die Praxis kennen."
Info-Tag
An der Hochschule in Mittweida wird das Modell des kooperativen Studiums am Dienstag, 10. Mai, vorgestellt. Von 13 bis 16.30 Uhr können Interessenten dort mit Firmen und Ausbildern in Kontakt treten und ihre Bewerbungsunterlagen einreichen.