Das Arbeitsleben von Piloten wurde jetzt wissenschaftlich untersucht. Pendler können davon lernen.
Foto: Marcito/Fotolia
Was Pendler von Piloten lernen können
Soziologe Norbert Huchler zeigt wie Menschen mit sich wandelnden Arbeitsbedingungen umgehen
Chemnitz. Heute Paris, morgen Helsinki - Piloten sind ständig unterwegs. Die "Entgrenzung der mobilen Lebensführung von Piloten" untersuchte Soziologe Norbert Huchler in seiner Dissertation an der Technischen Universität Chemnitz. Seine Ergebnisse sind nun unter dem Titel "Wir Piloten. Navigation durch die fluide Arbeitswelt" im Verlag edition sigma erschienen.
Welche Strategien wenden Piloten an, um mit den Mobilitätsanforderungen umzugehen? Norbert Huchler unterscheidet vier Konzepte der Lebensführung: Erstens die "traditionelle Lebensführung". Diese basiert auf einem traditionellen Rollenverständnis der Geschlechter im Privatleben und einer klaren hierarchischen Arbeitsteilung. Zweitens die "strategische Lebensführung", bei der vieles dem beruflichen Fortkommen untergeordnet wird. Drittens die "gemeinschaftliche Lebensführung". "Diese Menschen ziehen Kraft aus einer Art sozialer Stimmigkeit - im Privatleben und im Beruf. Die soziale Abstimmung mit anderen ist jedoch oft auch mit persönlichen Einschnitten verbunden, zum Beispiel mit langjährigem Pendeln", erklärt Norbert Huchler. Als viertes benennt er die "situative Lebensführung", die auf dem "Leben im Moment" basiere. Große Freiheit und Flexibilität gehen dabei einher mit reduzierter Bindungsfähigkeit und oft auch materiellen Einschnitten.
Seine Forschungsergebnisse aus der Luftfahrt würden sich auch auf andere Berufsgruppen übertragen lassen. Denn immer mehr Menschen sind gezwungen, ein mobiles Leben zu führen. Untersuchungen zu Arbeitsbedingungen und Belastungen müssten neben den konkreten Kriterien vor Ort viel stärker die jeweilige Gesamtsituation der Beschäftigten in Arbeit und Leben in den Blick nehmen, schätzt der Soziologe ein. "Dabei muss im Fokus stehen, wie sie mit den Bedingungen individuell umgehen. Denn die Art des Umgangs ist von zentraler Bedeutung, ob bestimmte Bedingungen belastend wirken oder gegebene Chancen genutzt werden", so Norbert Huchler. Verschiedene Lebensführungsformen - und nicht nur eine - zu ermöglichen und zu unterstützen, sei die eine notwendige Seite. Sich der eigenen Lebensführung bewusst zu werden, die andere. (cw)