Zöpfe flechten und Fesseln frisieren

37-Jährige stylt Pferde - Haarverlängerungen für Turniere oder Zuchtschauen - Nachfrage steigt

Verden. Drei Jahre brauchte Anja Hinken, um in ihrem Job perfekt zu werden. Dabei gibt es ihren Beruf offiziell nicht einmal. Die 37-Jährige aus Verden bei Bremen ist Pferdestylistin und war nach eigenen Angaben die Erste in Deutschland, die sich professionell um die Haarpracht von Pferden kümmerte. Inzwischen gebe es allerdings noch eine zweite Pferdestylistin in Deutschland, sagt sie. Hinken wird von Pferdebesitzern aus der ganzen Republik zum Verschönern der Tiere bestellt. Und auch in Dubai nehmen Ölscheichs schon mal ihre Dienste in Anspruch.

Gefragt ist die Expertin meist vor Dressur-Turnieren oder Zuchtschauen. Dann flechtet sie Zöpfe, rasiert überstehende Haare an den Fesseln weg oder verschönert den Schweif und die Mähne der Pferde mit einem Toupet oder Haarverlängerungen. Es zähle "einfach das Gesamterscheinungsbild", sagt sie. Bei Zuchtschauen etwa bringe das auch schon mal Bares. "Wenn ein Zuchtpferd gut aussieht, wird auch mehr gezahlt", sagt Hinken.

Das Anbringen von Haarverlängerungen ist die am häufigsten nachgefragte Verschönerung. "Bei vielen Pferden ist der Schweif einfach zu dünn. Pferde haben eben auch unterschiedliche Haare - wie beim Menschen", sagt Hinken. Und wie beim Menschen geht die 37-Jährige dann auch vor: Sie setzt Extensions (Verlängerungen) ein - nur eben statt mit menschlichem Haar mit echtem Pferdehaar.

Dazu hat die Verdenerin eine Sammlung aus verschiedenfarbigem Pferdehaar. Fragt man sie, woher sie das bekommt, senkt sie ihre Stimme: "Na, ja. Das bekomme ich eben", sagt sie und fügt leise hinzu: "Von Metzgern und so." Die Pferdehaare fügt sie zu einzelnen Strähnen zusammen, die sie dann mit speziellen Metallringen und einer Zange am echten Schweifhaar oder der Mähne anbringt.

750 Euro kostet eine solche Haarverlängerung, die rund acht bis neun Stunden dauert. Damit ihr Rücken bei der langen Arbeit nicht zu sehr schmerzt, hat Hinken sich dafür einen speziellen Hocker anfertigen lassen. "Aber es lohnt sich. Der Vorher-Nachher-Effekt ist verblüffend", sagt sie.

Kunden der 37-Jährigen sind inzwischen zahlreiche Grand-Prix-Pferde in ganz Deutschland. Hin und wieder muss sie auch in Notfällen einspringen, wenn etwa bei Turnieren aus Neid der Schweif eines Pferdes abgeschnitten wird. "Das kommt leider sehr häufig vor", sagt sie. Vor einigen Monaten kontaktierte sie ein Ölscheich aus Dubai, da er den Schweif seines Pferdes verschönert haben wollte. Mit einem Dolmetscher reiste Hinken in die Emirate und kümmerte sich um das Lieblingspferd des Scheichs. "Er war danach begeistert", berichtet Hinken. Sie würde sich freuen, wenn Pferdebesitzer mutiger würden. Nur einmal hat sie einem Pferd bisher rote Haare verpasst, weil die rothaarige Besitzerin sich das wünschte.

www.pferdestylist.de

 
erschienen am 21.12.2009 ( Von Julia Spurzem )
 
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