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Bulldogge Lilli und Husky-Mischling Lulu gehören zur Buchhandlung einfach dazu.

Foto: Jörg Carstensen

Zum Kopierer und dann Gassi: «Kollege Hund» im Büro

erschienen am 26.06.2014

Berlin (dpa) - Bello, Waldi und Co. waren am Donnerstag (26. Juni) in Deutschlands Büros zu Gast. In Autohäusern, Anwaltskanzleien und selbst im Amtsgericht tummelte sich «Kollege Hund» und futterte Leckerlis unterm Schreibtisch seiner Besitzer.

Lilli und Lulu gehören quasi zur Ausstattung der Berliner Buchhandlung: Seit Jahr und Tag begleiten die französische Bulldogge und der Husky-Mischling ihre Besitzer auf die Arbeit und fühlen sich dabei pudelwohl. «Die Hunde sind ein gutes Team. Wir kommen alle wunderbar miteinander zurecht», sagt Sophie Westermann, die zusammen mit ihrem Vater und mehreren Angestellten die Schulbuchhandlung betreibt.

Viel Laufkundschaft gibt es wegen des Bestellgeschäfts dort nicht. «Das ist auch gut so. Es wäre für die Hunde zu stressig», sagt Westermann. Umgekehrt bauen die Tiere einigen Job-Stress ab. «Wenn's hier mal heftig zugeht, dann sind sie sehr beruhigend». Ein Streicheln, Schwanzwedeln, notfalls ein kurzer Gang zur Grünfläche um die Ecke, und die Situation hat sich entspannt.

Auch für Reiner Felsberg, Geschäftsführer der Ärztegewerkschaft Marburger Bund in Berlin, ist ein Hund im Büro normal. So normal, dass Kessy, ein Schäferhund-Mischling, auch ein Foto auf der Homepage hat. Fachbereich: Soziale Kompetenz und Klimaschutz. Das ist mehr als ein Witz. Wegen Kessy hätten alle Mitarbeiter beschlossen, im Büro nicht mehr zu rauchen, erzählt Felsberg. Außerdem sei das Tier, das einer Kollegin gehört, ein «Gute-Laune-Verbesserer».

Gespräche über den Hund hätten das Betriebsklima eindeutig verbessert, die Atmosphäre sei privater und schöner geworden. «Kessy wird von allen geliebt - und immer dicker», ergänzt Felsberg. Sogar beim Jahresempfang für die Berliner Medizin- und Politprominenz ist der Vierbeiner immer dabei. Kessy (2) ist schon der zweite Bürohund - Vorgängerin «Frieda» wurde 13. Ohne Hund wollte danach kein Kollege mehr sein.

Genau diesen positiven Effekt beschwört auch der Deutsche Tierschutzbund mit der Aktion « Kollege Hund». Zum siebten Mal veranstaltete er am Donnerstag (26. Juni) den bundesweiten Tag, bei dem erneut über 1000 Unternehmen mitmachen - von Anwaltskanzlei über Reisebüro und Autohaus bis zum Dortmunder Amtsgericht, wo sogar elf Gasthunde vorgeladen waren. «Das Feedback ist gut. Die Teilnehmerzahlen sind seit Jahren in diesem Bereich. Da immer auch neue Unternehmen mitmachen, gehen wir davon aus, dass die Zahl der Bürohunde in Deutschland stetig steigt», sagt Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund.

Positives Betriebsklima, gesündere - weil Gassi-geh-trainierte und mental ausgeglichene - Arbeitnehmer und nicht zuletzt Tierschutz sind auch für den Hundetrainer Markus Beyer Pluspunkte der Mensch-Hund-Job-Synthese. Er gründete deshalb just den Bundesverband Bürohund, e.V. und gemeinnützig, der die Idee vorantreiben soll. «Ich bin darauf gekommen, weil mich immer wieder Leute fragten: Können Sie meinem Hund mal beibringen, neun Stunden alleine zu sein? Aber Hunde sind Gruppentiere, sie wollen bei ihren Besitzern sein», sagt Beyer und verweist auf diverse Studien zu seelischer Gesundheit und Burnout-Schutz durch Bürohunde.

Allerdings, so betont auch der Tierschutzbund, müssen dafür die Voraussetzungen stimmen: Der Bürohund darf nicht aggressiv sein, muss eine Rückzugsmöglichkeit haben und gut gehorchen. «Ein Hunde-Knigge wäre eine prima Sache», sagt Tünte. Außerdem sollte das Projekt mit Kollegen besprochen und vor allem vom Arbeitgeber abgesegnet sein.

Und wenn die Kollegen nun partout keine Hundeliebhaber sind und nach Regen müffelnde Vierbeiner nicht schätzen? Dann hilft - wie in mancher Partnerschaft - nur die räumliche Trennung, sagen die Tierschützer. Unbegründet sei auch die Furcht: Heute ein Hund, und morgen dann ein Zebra? «Fürs Büro sind eigentlich nur Hunde geeignet», sagte Tünte. Auch in Richtung passionierter Katzenfreunde.

Deutscher Tierschutzbund Kollege Hund

Bundesverband Bürohund

Marburger Bund Berlin mit Kessy

Mitarbeiter müssen ihren Chef um Erlaubnis bitten, wenn sie ihren Hund mit ins Büro bringen wollen. «Der Arbeitgeber hat das Hausrecht und kann das verbieten», sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Köln. Hat der alte Chef den Hund erlaubt und der neue verbietet ihn, müssen Arbeitnehmer das ebenfalls hinnehmen. Es gibt kein Gewohnheitsrecht, das dem Tier sein Plätzchen im Büro erhält.

Kommt ein neuer Kollege dazu, der eine Hundeallergie hat, ist es wahrscheinlich, dass das Tier nicht mehr mit dem Herrchen zur Arbeit gehen kann. «Der Arbeitgeber hat seinen Mitarbeitern gegenüber eine Fürsorgepflicht», erläutert Oberthür. Er muss versuchen, gesundheitliche Beeinträchtigungen von den Angestellten abzuwehren. In dem Fall würde er den Hund in der Regel verbieten müssen.

 
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