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Peinliche Einkäufe nicht aufschieben

"Der Übergang zur sozialen Phobie ist fließend"

Göttingen (ddp). Der eine mag kein Klopapier einkaufen. Ein anderer scheut sich, für seine Freundin Tampons mitzubringen. "Alle Menschen haben eine gewisse Hemmung, wenn es um Dinge des Intimbereichs geht", sagt Borwin Bandelow, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Göttingen. Problematisch wird es aber, wenn Menschen mit solchen Situationen gar nicht klarkommen. Sich also zum Beispiel lieber mit ungeeigneten Hilfsmitteln plagen, als sich in der Apotheke Inkontinenzeinlagen zu besorgen.

"Bei diesem Thema ist der Übergang zur sozialen Phobie fließend", sagt der Autor von "Das Buch für Schüchterne". Dann nehmen etwa Befürchtungen überhand, was der Verkäufer oder andere Kunden über einen denken könnten. Letztlich stünden dabei zwei Systeme im Widerstreit: Das Vernunftgehirn wisse, dass die Sorgen übertrieben seien, könne das soziale Angstsystem mit Worten aber nicht überzeugen. Denn dies vermöchten allein Taten.

"Schüchternen hilft nur, sich in die schwierige Situation zu begeben und in Kauf zu nehmen, dass sie vielleicht aufgeregt sind oder rot werden", sagt Bandelow. Keinesfalls sollten sie sich vorher ein Sicherheitsverhalten überlegen. Nach dem Motto "Augen auf und durch" sollten sie in den erstbesten Laden gehen und genau darauf achten, was passiert. Dann merkten sie, dass ihre Aufregung von anderen gar nicht wahrgenommen werde. Auch seien Verkäufer und Kunden oft vor allem mit ihren eigenen Aufgaben und Anliegen beschäftigt.

"Wenn man das drei- bis viermal gemacht hat, lässt die Aufregung meistens nach", berichtet der Experte. Damit sich die emotionale Hürde nicht wieder aufbaue, sollte man zwischen den Einkäufen nicht zu lange Pausen einlegen. Bandelow rät sogar dazu, sich mit seiner Angst zu "überfluten". Dafür könne man zum Beispiel den peinlichen Einkauf an einem Tag mehrfach erledigen. Dann habe man vielleicht einen etwas größeren Vorrat an Inkontinenzeinlagen, müsse sich aber vor zukünftigen Einkäufen nicht mehr fürchten.

ddp

 
erschienen am 03.09.2010
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