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Jede Jeck is anders

Ein Streifzug durch den deutschen Karneval

Köln/München/Basel (dapd). "Herr P-P-Präsident de Woosch!" So klingt es dieser Tage im Kölner "Hänneschen-Theater", wenn statt eines Karnevalordens stolz ein Kringel Blutwurst präsentiert wird. Das Puppenspiel am Eisenmarkt im Zentrum der Domstadt führt jedes Jahr seine eigene Karnevalssitzungen auf - wochenlang. Und wie immer sind alle Vorstellungen innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Auch für entsprechende Veranstaltungen in der Oper und selbst in der bis zu 20.000 Besucher fassenden "Kölnarena" reichen mehr als ein Dutzend Termine häufig nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen.

Köln lebt sein Motto "Jede Jeck is anders" wahrlich aus: Da gibt es natürlich international bekannte Attraktionen wie den Rosenmontagszug, einen Lindwurm von über sechs Kilometern Länge mit Tausenden von Teilnehmern und Hunderttausenden von Zuschauern. Und selbstverständlich werden die Schwerpunkte des Straßenkarnevals am "Wieverfastelovend", dem Karnevalsdonnerstag, wieder völlig überfüllt sein. Da tobt es in der Altstadt genauso wie im Studentenviertel rund um die Zülpicher Straße, im südlichen "Vringsveedel", am Friesenplatz oder in Ehrenfeld. Manchem ist es in den letzten Jahren etwas zu heftig und alkohollastig geworden - weshalb dem Nicht-Kölner empfohlen sei, sich einem ortskundigen Bekannten oder Freund anzuschließen.

Daneben gibt es eine Reihe von ganz unterschiedlichen Möglichkeiten, am Kölner Karneval teilzunehmen: Der professionelle Männergesangverein "Cäcilia Wolkenburg" hat beispielsweise über Wochen die Oper fest im Griff und führt ein karnevalistisches Singspiel in kölscher Sprache auf. In der "Kölnarena" finden sich allabendlich Zigtausende zusammen, um den musikalischen Stars des Karnevals einen Abend lang zuzuhören. Wobei "zuhören" eigentlich das falsche Wort ist, weil sie die Texte ohnehin alle kennen, mitsingen, die Lieder zelebrieren - ein wogendes Meer schunkelnder Menschen. Natürlich gibt es seit den 80ern den alternativen Karneval mit seinen "Stunksitzungen". Der sogenannte Geisterzug am Karnevalssamstag fällt dieses Jahr wegen zu hoher Auflagen leider aus - offiziell zumindest.

Weil ihnen all diese Veranstaltungen fehlen, haben in München vor elf Jahren einige Exil-Kölner den "Köln Münchner Karnevalsverein" (KMKV) gegründet. Im Jahr ihres närrischen Jubiläums feiern sie mit wahrscheinlich 1.200 Besuchern die "größte original kölsche Karnevalsparty außerhalb des Rheinlands". Ein weiterer Botschafter des Rheinlandes in München ist der "Kölner Abend" im "Max & Moritz" am Maximiliansplatz 5. Dort tobt am 7. und 21. Februar der Bär.

Ansonsten bietet die bayerische Hauptstadt natürlich auch ihren eigenen Fasching, der sich häufig in feinerem Rahmen in Ballsälen abspielt. Bekannte Bälle gibt es unter anderem im "Bayerischen Hof" oder im "Deutschen Theater". Auch der Bayerische Rundfunk veranstaltet eine ganze Reihe von Partys und Bällen. Eine lange Tradition haben in München die "Weißen Feste" in der Max Emanuel Brauerei, von denen es in diesem Jahr zwölf gibt. Ebenso traditionell ist der "Tanz der Marktweiber" auf dem Viktualienmarkt. Dieser Höhepunkt des Straßenfaschings findet am Karnevalsdienstag um 11.00 Uhr statt. Hinzu kommt in diesem Jahr ein etwas selteneres Highlight, weil es in der Regel nur alle sieben Jahre zu sehen ist: Noch bis zum 21. Februar tanzen die "Schäffler" wieder durch München. Dieser Brauch der Fassmacher hat seinen Ursprung im Jahr 1517 und sollte damals die Münchner von den Schrecken einer gerade überstandenen Pest-Epidemie ablenken.

Nachdem München 35 Jahre ohne Faschingsumzug auskommen musste, wurde diese Tradition 2006 von den "Damischen Rittern" wiederbelebt. So ziehen in diesem Jahr am 5. Februar ab 13.00 Uhr zum siebten Mal bunte Gruppen durch die Innenstadt. Von Faschingssonntag bis -dienstag sind an den zentralen Plätzen Stachus und Marienplatz Bühnen aufgebaut, auf denen Radiosender und zahlreiche Faschingsgesellschaften für Stimmung sorgen.

 
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Jede Jeck is anders
"Schmotzigen Dunschtig"
 
erschienen am 25.01.2012
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