Foto: Dr. Sabine Kallfels, Kinderärztin, Chemnitz.
Bis zu zehn Infekte pro Jahr sind normal
Telefonforum: Erkältung bei Kindern
Chemnitz. Im Herbst und Winter häufen sich bei Kindern die Infekte. In Kindertagesstätten machen sie schnell die Runde. Tipps zur Behandlung von Infekten gaben Chemnitzer Kinderärzte beim Telefonforum am vergangenen Mittwoch. Nachfolgend eine Zusammenfassung.
Meine Enkelin ist gerade in die Kita gekommen und ist nun ständig krank. Derzeit hat sie eine Mandelentzündung. Wie viel Kranksein ist noch normal?
Etwa acht bis zehn Infekte pro Jahr sind bei Kindern in der Regel normal und unbedenklich. Das Immunsystem der Kinder ist noch unreif, sie begegnen in der Kita jedoch plötzlich vielen Krankheitserregern - meist Viren, aber auch Bakterien, die zum Beispiel eine Mandelentzündung verursachen können. Die Erreger kann das Immunsystem zunächst nicht gut bekämpfen, da es sie noch nicht kennt. Diese Infektionen stellen jedoch ein wichtiges Training fürs Immunsystem dar, um später Infektionserreger schon früh angreifen zu können. Die gute Nachricht: Nach ein bis zwei Jahren sind die Abwehrkräfte der Kinder schon deutlich stärker und sie werden weniger oft krank.
Meine viereinhalbjährige Tochter hat Pseudokrupp und leidet zurzeit nachts unter starken Hustenanfällen, die mit Atemnot einhergehen. Was können wir dagegen unternehmen?
Bei Pseudokrupp schwellen die Schleimhäute im Bereich des Kehlkopfes und der Stimmbänder an. Dadurch verengen sich die Luftwege, was die Atmung behindert und zu Husten führt. Hier können Kortisonzäpfchen helfen, die bei akuten Zuständen ein bis zwei Nächte gegeben werden und die Entzündung regulieren. Dies führt zum Abschwellen der Schleimhäute. Die kurzfristige Anwendung von Kortison ist für das Kind unbedenklich.
Mein Enkel ist recht krankheitsanfällig. Vor kurzem hatte er eine Nasennebenhöhlenentzündung, nun eine Bronchitis - mittlerweile zum Glück nur noch Husten. Können wir ihn irgendwie unterstützen, damit er wieder ganz gesund wird?
Das scheint so, als sei die Nasennebenhöhlenentzündung "nach unten gewandert" und auf die Bronchien übergegangen. Da Infekte der unteren Atemwege schwerere Auswirkungen haben können, etwa eine Lungenentzündung, sollten Sie sicherheitshalber die Lunge des Kindes abhören lassen. Ansonsten können Sie die Gesundung durch viel frische Luft und Vitamine in Form von Obst und Gemüse unterstützen. Auch ein Besuch in der Salzgrotte oder eine Inhalation mit Kochsalzlösung tun den Atemwegen gut.
Foto: Dr. Manfred Käding, Kinderarzt, Chemnitz.
Mein einjähriger Sohn ist ein ehemaliges Frühchen. Im letzten Jahr bekam er über den Winter die Impfung gegen RS-Viren. Wäre dies in diesem Jahr wieder erforderlich?
Die "Impfung" gegen RS-Viren ist eine passive Immunisierung, bei denen das Kind fertige Antikörper bekommt und sie nicht selbst bilden muss. Wenn Ihr Sohn keine Herz- oder Lungenerkrankungen hat, reicht diese Immunisierung in der ersten Saison von September bis April (Erkältungssaison) aus - sein Immunsystem ist mittlerweile stärker, sodass es mit RS-Viren besser fertigwird. Eine schwer verlaufende Infektion, die zu einer Bronchiolitis führen kann - das ist eine schwere Erkrankung der unteren Atemwege, bei der das Kind manchmal beatmet werden muss -, stellt für Frühgeborene sowie Kleinkinder unter zwei Jahren mit schweren Herzfehlern oder Lungenerkrankungen ein hohes Risiko dar.
Mein Kind hat öfters Fieber, meist jedoch unter 39 Grad Celsius. Was kann ich in solchen Fällen tun?
Das Fieber ist eine gesunde Heilreaktion des Körpers. Für die Frage, ob es gesenkt werden sollte, ist es wichtig zu schauen, wie es Ihrem Kind geht. Wenn es ihm nicht schlecht geht, sollte man es ruhig erst einmal ein wenig fiebern lassen. Bei schlechtem Allgemeinbefinden kann man versuchen, die Temperatur zu senken (beispielsweise nachts). Wenn Sie Wadenwickel verwenden möchten, sollten diese körperwarm sein. Sie können dem Kleinen auch Kühlakkus mit ins Bettchen legen (In Tücher einschlagen, Kontakt mit der bloßen Haut vermeiden). Bei Fieber, das länger als drei Tage andauert, oder bei hohen Temperaturen von mehr als 39 Grad Celsius sollten Sie vorsichtshalber einen Arzt schauen lassen. Für Kinder unter drei Monaten ist ein Arztbesuch bereits ab 38 Grad Fieber ratsam.
Mein Enkelsohn (drei Jahre alt) hat eine Tubenbelüftungsstörung. Was können wir tun, damit er keine Mittelohrentzündung oder einen Hörschäden bekommt?
Bei einer solchen Belüftungsstörung des Mittelohrs, die etwa durch eine Erkältung, aber auch durch vergrößerte Rachenmandeln (Polypen) ausgelöst werden kann, ist der Einsatz von abschwellenden Nasentropfen bzw. -sprays und Rotlicht möglich. Dadurch kann einer Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr vorgebeugt werden, die möglicherweise das Hörvermögen beeinträchtigt. Achtung: Abschwellende Nasentropfen sollten nicht länger als fünf bis sieben Tage ohne Unterbrechung angewendet werden. Sollte der Kleine Ohrenschmerzen bekommen oder plötzlich schlechter hören, suchen Sie bitte umgehend einen Arzt auf.
Foto: Dr. Michaela Seeland, Kinderärztin, Chemnitz.
Meine Tochter geht jetzt in die Kita und ist andauernd verschnupft oder am Husten. Können wir dem irgendwie vorbeugen?
Wichtig ist, dass Sie darauf achten, Ihrem Kind viel Flüssigkeit zu geben, um die Schleimhäute feucht und somit abwehrfähig zu halten. Viel frische Luft und eine gesunde, naturbelassene Ernährung sind auch ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch: Ganz vermeiden lassen sich die Infekte nie. Eine laufende Nase ist jedoch nicht unbedingt etwas Schlechtes: Der Schleim befördert Krankheitserreger aus dem Körper - es ist also eine Reinigungsfunktion. Klares Sekret ist unbedenklich, gelbes kann jedoch auf eine Vereiterung hindeuten.
Meine Tochter und mein Enkelkind haben beide Neurodermitis. Ich habe gehört, dass sich daraus ein Asthma entwickeln kann - stimmt das?
Es ist richtig, dass Asthma gehäuft bei Kindern auftritt, die auch Neurodermitis haben. Dies ist jedoch kein Muss. Wenn das Kind nicht sonderlich infektanfällig ist und keine Allergien hat, müssen Sie sich keine großen Sorgen machen. Andernfalls können Sie das Kind hinsichtlich des Asthmarisikos von einem Arzt untersuchen lassen.
Meine Tochter hat Zwillinge bekommen. Die Kleinen kamen sechs Wochen eher als erwartet zur Welt und sind mittlerweile ein halbes Jahr alt. Momentan machen sie viele Atemwegsinfekte durch und scheinen sie sich geradewegs "zuzuschieben". Meine Tochter hat nun Angst, dass die Krankheiten chronisch werden könnten - ist das möglich?
Zunächst besteht wenig Anlass zur Sorge. Das Immunsystem von Frühgeborenen ist weniger widerstandsfähig als das von termingeborenen Kindern und auch die Lunge ist etwas anfälliger. Daher treten Infekte "von Natur aus" etwas öfter auf.
Foto: Dr. Andrea Kühn, Kinderärztin, Chemnitz.
Selbstbehandlung ist möglich:
Wenn Kinder erkältet sind, können Eltern selbst viel zur Genesung tun. Der Besuch beim Kinderarzt ist nur in schweren Fällen notwendig. Denn im Wartezimmer ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch. Kinderärzte geben folgende Tipps zur ersten Hilfe:
Schonung: Schon bei beginnender Krankheit die Aktivität reduzieren. Das Kind muss aber nicht im Bett bleiben.
Flüssigkeit: Viel trinken, vorzugsweise Brust- und Hustentee - die Kräuter helfen beim Gesundwerden und die Wärme tut Hals und Rachen gut.
Salz: Meerwassernasenspray oder die Inhalation von Kochsalzlösung lösen den Schleim.
Omas Hausmittel: Fenchelsirup oder Zwiebelsaft regen die Abwehrkräfte an und lassen Nasensekret gut abfließen. Pflanzliche Extrakte, zum Beispiel aus Efeu oder Thymian, unterstützen den Körper beim Abtransport der Krankheitserreger. Eine warme Hühnerbrühe (frisch zubereiten, kein Instantprodukt) stärkt von innen heraus.
Rotlicht: Kinder ab sechs Jahren können eine Rotlichtbestrahlung erhalten: zwei- bis dreimal täglich, zehn bis fünfzehn Minuten. Die Augen des Kindes schützen, eine Sonnenbrille ist hilfreich. Die optimale Entfernung beträgt mindestens 30 Zentimeter.
Einreibung: Bei Kindern ab zwei Jahren kann nachts ein Gel auf die Brust aufgetragen werden, das bei Schnupfen, Heiserkeit und Husten beruhigend wirkt. Achtung: Es sollte kein Menthol enthalten, da dies die Atemwege reizt. Alternativ hilft bei kleineren Kindern ein feuchtes Tuch über dem Bettchen, um einer zu trockenen Luft und somit nächtlichem Husten vorzubeugen.
Wann zum Arzt?
Da im Wartezimmer die Ansteckungsgefahr besonders hoch ist, sollte man den Arztbesuch bei Infekten nur auf dringende Fälle beschränken. Eine Dringlichkeit liegt vor, wenn das Fieber länger anhält oder hoch ist (mehr als 39 Grad Celsius, bei Kindern unter drei Monaten bereits ab 38 Grad Celsius, länger als drei Tage), sich das Kind sehr schlecht fühlt, das Trinken verweigert. Wenn Kinder nichts oder wenig essen ist das im Krankheitsfall unbedenklich.