Daniel Arnold, Bundesverband deutscher Banken.

Foto: Ronny Rozum

Panik ist ein schlechter Ratgeber

Experten vom Bankenverband raten beim Aktiensparen zu einem langen Atem

Ich habe europäische Aktienfonds zu 60 Euro gekauft, nun sind die Fondsanteile nur noch gut 30 Euro wert. Sollte ich jetzt monatlich neu in Aktienfonds investieren?

Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, neu einzusteigen und wieder regelmäßig Aktienfonds zu erwerben. Langfristig sollten sich die Kurse erholen, und bei einem Fondssparplan erwerben Sie für ihre monatliche Sparrate in Zeiten niedriger Kurse mehr Fondsanteile als in Zeiten hoher Kurse, sodass Sie auf Dauer einen günstigen Durchschnittskurs erreichen können.

Was mache ich mit meinen Immobilienfonds angesichts der aktuellen Krisenstimmung an den Börsen?

Nichts, lassen Sie sich nicht verunsichern. Die Bewertung von Immobilienfonds hat nicht direkt etwas mit der Lage an den Aktienmärkten zu tun. Unabhängig davon sollten Sie den Anteil dieser Fonds am Gesamtvermögen prüfen. In der Regel sollte er 15 bis 20 Prozent nicht übersteigen.

Wir haben Termingeld, Sparkonten und einen Bausparvertrag. Ist das richtig in der aktuellen Situation?

Für sicherheitsorientierte Anleger passt diese Aufteilung. Allerdings wird die Verzinsung auf Dauer wohl nicht die Inflationsrate ausgleichen. Sie müssen somit damit rechnen, dass die Kaufkraft des Anlagebetrages sinken wird.

Sollten wir jetzt alle Aktien verkaufen?

Die Stimmung an den Börsen ist übertrieben schlecht, und Panik ist ein schlechter Ratgeber. Die gesunkenen Kurse spiegeln jedenfalls nicht die Realität in den Unternehmen wider. Es spricht deshalb viel dafür, bei den derzeitigen Kursen nicht zu verkaufen. Langfristig wird es wieder aufwärts gehen. Für Aktiensparen braucht man einen langen Atem.

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um in Aktien einzusteigen?

Im Nachhinein haben sich drastische Kursrückgänge oft als günstige Kaufgelegenheit für Aktien herausgestellt. Da die deutsche Wirtschaft weiter wächst, die Unternehmen volle Auftragsbücher haben, könnte sich ein allmählicher Einstieg in Aktien auf Dauer auszahlen. Aber bitte das Ersparte breit streuen und nicht alles nur auf Aktien setzen. Und bei der Aktienanlage das Geld auf verschiedene Aktien aus verschiedenen Branchen und Ländern verteilen, also kein Klumpenrisiko eingehen.

Soll man wegen der aktuellen Krise Gold kaufen, um sein Geld zu retten?

Es besteht kein Anlass, jetzt in Gold zu flüchten. Der Goldpreis ist auf historischen Höchstständen. Ein weiterer Anstieg auf über 2000 Dollar ist zwar möglich, wenn die Angst anhält. Doch auch die Gefahr von Rückschlägen ist beim Gold gegeben. Einen kleinen Teil des Vermögens in Gold anzulegen, um sein Vermögen breit zu streuen, ist aber in Ordnung.

Soll ich 50 Prozent meines Geldes in Gold anlegen?

Gold bringt keine Zinsen oder Dividenden. Der Goldpreis schwankt, und es gibt keine Garantie dafür, dass der Preis des Edelmetalls immer weiter steigt. Gold ist von daher keine so sichere Anlage, wie zuweilen suggeriert wird. Experten raten nur zu einer Beimischung von Gold mit etwa zehn, maximal 15 Prozent am Gesamtvermögen.

Dirk Schüller, Bundesverband deutscher Banken.

Foto: Ronny Rozum

Ist es ratsam, sein Geld angesichts des Börsencrash in Schweizer Franken anzulegen?

Der Kurs des Schweizer Franken ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen und gilt inzwischen als überzogen. Wer jetzt in Schweizer Franken tauscht, muss wissen, dass die Wechselkursentwicklung auch mal wieder in die andere Richtung gehen kann. Im Übrigen sind Schweizer Aktien nicht vom aktuellen Kurssturz ausgenommen, und der Zins ist in der Schweiz noch niedriger als im Eurogebiet.

Mir wurde empfohlen, mein Geld in australische Dollar, norwegische Kronen und Schweizer Franken anzulegen, weil dies sicherer sei. Was meinen Sie?

Als Beimischung sind Anlagen in den genannten Währungen in Ordnung, wenn man sich des Wechselkursrisikos bewusst ist, das damit verbunden ist. Denn die Kurse dieser Währungen schwanken gegenüber dem Euro. Der Schwerpunkt der Anlage sollte aber in der Regel in der Währung sein, mit der man auch tagtäglich einkauft und bezahlt.

Wir überlegen, jetzt Dax-Werte zu kaufen. Was meinen Sie?

Wenn es nicht zu einer weltweiten Rezession kommt, sollte sich ein Einstieg zu den gesunkenen Kursen langfristig auszahlen. Sie sollten aber nur Geld investieren, dass Sie längere Zeit nicht benötigen. Die Erfahrung zeigt, dass Aktienanlagen trotz der starken Kursschwankungen auf Dauer überdurchschnittliche Renditechancen bieten.

10.000 Euro möchten wir sicher anlegen - aber für wie lange, wenn wir kein Risiko eingehen wollen?

Aktuell sollten Sie keine langen Laufzeiten wählen, da die Zinsen sehr niedrig sind. Mit Festgeld sind Sie auf der sicheren Seite.

Karsten Lohr, Bundesverband deutscher Banken.

Foto: Ronny Rozum

Mir wurde empfohlen, eine bestimmte Aktie zu kaufen. Was halten Sie als Experten von solchen Offerten?

Vorsicht vor vermeintlich sicheren Tipps. Die gibt es nicht. Davon abgesehen: Einen Einzelwert zu kaufen, ist immer ein Risiko. Besser ist eine breite Streuung auf verschiedene Aktien. Wenn dann ein Wert nicht gut läuft, ist das Risiko nicht so hoch.

Wir haben Aktienfonds und Mischfonds. Sollen wir die halten, verkaufen oder vielleicht sogar nachkaufen?

Das kommt immer auf die jeweilige Situation des Anlegers an. Wenn das Geld nicht benötigt wird, spricht viel dafür, nach den Kursstürzen der vergangenen Tage zu halten, eventuell auch nachzukaufen. Bei großer Angst vor weiteren Kursrückschlägen und wenn man nicht mehr schlafen kann, wird oft verkauft - was im Moment leider viele machen.

Sind Bausparverträge von der aktuellen Krise betroffen? Muss ich da was tun?

Nein, also bitte weiterlaufen lassen und nicht vorschnell den Vertrag abbrechen.

Muss ich mir wegen der Krise an den Börsen Sorgen um mein Tagesgeldkonto machen?

Nein, Tagesgeldkonten sind von der aktuellen Börsenkrise nicht betroffen. Sie unterliegen auch grundsätzlich dem Einlagenschutz.

Ich bekomme aus meiner Lebensversicherung über 60.000 Euro ausbezahlt. Wie legt man das Geld jetzt an? Die Versicherung bietet mir eine Verrentung an. Was ist davon zu halten?

Sie müssen sich zunächst klar darüber werden, was Sie mit dem Geld beabsichtigen. Es ist sinnvoll, sich Alternativen für eine Anlage des Geldes einzuholen. Sprechen Sie mit Ihrem Bankberater. Bei einer Verrentung erhalten Sie zwar eine lebenslange Rentenzahlung, können aber nicht mehr anderweitig über das Kapital verfügen.

Was ist der Unterschied zwischen Aktien und Aktienfonds?

Bei Anlagen in Einzelaktien sollten Sie sich mit den einzelnen Werten auskennen. Außerdem ist ein höherer Betrag notwendig, um eine breite Streuung auf verschiedene Aktien vornehmen zu können. Aktienfonds eignen sich dagegen auch für kleinere Anlagebeträge. Zudem ist eine Beschäftigung mit einzelnen Aktien nicht notwendig. Für beides gilt: Nur Geld investieren, das langfristig liegen bleiben kann.

Was ist von einer Anlage in Gold und Silber zu halten?

Die Edelmetallpreise haben Höchststände erreicht. Als Beimischung zum Vermögen sind sie weiterhin geeignet, doch sollte man den Anteil nicht übertreiben. Goldbarren sollten Sie nur bei einem Geldinstitut oder einem seriösen Händler kaufen. Dabei gilt: Je größer der Goldbarren ist, desto geringer sind die Kosten. Bei kleinen Goldbarren ist der Aufschlag auf den Goldpreis höher als bei großen.

Ist eine zweistellige Inflation zu erwarten?

Nein. Derzeit ist die Preissteigerungsrate mit gut zwei Prozent in Deutschland moderat. Mit einem Anstieg muss zwar gerechnet werden, eine zweistellige Inflationsrate ist aber nicht in Sicht. Drei oder vier Prozent sind allerdings in den nächsten Jahren möglich.

Sollte man, um höhere Zinsen zu bekommen, das Geld langfristiger anlegen?

Es ist davon auszugehen, dass in nächster Zeit die Zinsen steigen. Von daher sind kürzere Laufzeiten vorzuziehen. Wenn Sie sich jetzt langfristig binden, müssen Sie sich mit den niedrigen Zinsen begnügen. Eine Alternative können Floater sein. Das sind Wertpapiere, bei denen die Zinsen regelmäßig der aktuellen Zinsentwicklung angepasst werden.

Ist es ratsam, aus Sorge vor Inflation, sein Geld in eine Eigentumswohnung zu investieren?

Davon ist abzuraten. Man sollte sein Geld grundsätzlich breit streuen und ein vernünftiges Verhältnis zwischen "Betongold" und anderen Geldanlagen herstellen. Eine Eigentumswohnung sollte also zu Ihnen passen und nicht aus Sorge vor Inflation gekauft werden. (rbss) 

Chatprotokoll: www.freiepresse.de/chat_aktien

 
erschienen am 10.08.2011
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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