Impf-Experte Dr. Dietmar Beier.Foto: Kristin Schmidt
Telefonforum: Reisemedizin: Riskanter Badespaß in den Tropen
Reisen bildet und ist beliebt. Der Gesundheitsschutz sollte da nicht auf der Strecke bleiben
Chemnitz. Bis zu den Sommerferien ist nicht mehr viel Zeit. Wer eine größere Reise plant, sollte sich noch einmal zu Impfschutz und Vorsorgemaßnahmen beraten lassen. Viele Leser taten das beim Telefonforum mit Reisemedizinern am Mittwoch. Nachfolgend Fragen und Antworten im Überblick.
Zur Vorbeugung und Notfallbehandlung von Malaria gibt es für die einzelnen Länder die unterschiedlichsten Mittel. Warum ist das so?
Bei Mitteln zur Malariaprophylaxe und Notfallbehandlung gibt es viele Resistenzen, das heißt, die Erreger sprechen auf bestimmte Medikamente nicht mehr an. Deshalb ist es wichtig, sich vor Reiseantritt von einem reisemedizinisch versierten Arzt beraten zu lassen. Doch nicht nur das Land bzw. der Kontinent sind für die Wahl der Mittel entscheidend. Wichtig sind auch Reiseart, -dauer und -zeitpunkt, denn beispielsweise während der Regenzeit ist die Gefahr besonders hoch. Doch beachten Sie, Malariaprophylaxe beschränkt sich nicht allein auf Medikamente. An erster Stelle steht der Schutz vor Mücken. Dazu gibt es Einreibemittel für die Haut (Repellents) oder Spray für die Kleidung, denn auch dünne Kleidung ist kein sicherer Schutz.
Malariamittel sind hier sehr teuer. In Asien kosten sie einen Bruchteil. Kann man die Medikamente und Sprays nicht auch dort kaufen?
Das ist nicht zu empfehlen, denn gerade in Asien sind 40 bis 60 Prozent der Medikamente gefälscht, haben Untersuchungen ergeben. Auch wenn die Packungsbeilagen und Verpackungen identisch zu den hierzulande vertriebenen Produkten scheinen, ist das keine Garantie, dass das drin ist, was drauf steht. Selbst, wenn Sie die Produkte in Apotheken erwerben, ist die Fälschungsrate hoch. Das gilt auch für Repellents und Spray für Kleidung. Also besser alles mitnehmen.
Ich reise nach Indien. Im Angebot sind dort auch Badeausflüge an Süßwasserseen, wo man mit Elefanten schwimmen kann. Das reizt mich sehr. Ist das zu empfehlen?
Nein. In den Tropen oder Subtropen sollte man nicht im Süßwasser baden, da man sich mit der sogenannten Bilharziose infizieren kann. Das sind kleine Saugwürmer, die im Süßwasser vorkommen und sich im menschlichen Körper vermehren. Die Larven dringen bei Kontakt mit verunreinigtem Wasser durch die Haut des Menschen ein und wandern über Lymph- und Blutgefäße in die Leber, wo sie sich weiterentwickeln. Dann verbreiten sie sich über die Venen vor allem in Harnblase, Darm, Leber, Lunge und Gehirn. Entzündungen sind die Folge. Da Gewässer in Ländern mit niedrigem Hygienestandard auch durch Fäkalien und Abwässer verunreinigt sind, ist eine Infektion mit Durchfallerregern möglich. Sie sollten auf dieses Badeerlebnis also besser verzichten.
Reisemediziner Prof. Stefan Schubert.Foto: Kristin Schmidt
Wir sind über 70 und wollen auf den Kapverden Urlaub machen. Sollten wir gegen Hepatitis A geimpft werden?
Möglicherweise nicht, das muss ein Bluttest ergeben. Ältere Menschen haben sich früher häufig mit dem Hepatitis A-Virus angesteckt und die Gelbsucht ist ausgeheilt. Da sie in diesem Falle Antikörper gebildet haben, brauchen Sie keine Impfung. Sie sind lebenslang geschützt. Doch hatten Sie in früheren Jahren keine Hepatitis, sollte eine Impfung erfolgen. Ihr Arzt kann eine Blutuntersuchung veranlassen, um das herauszufinden.
Kann man sich auch in einem guten Hotel mit Hepatitis A anstecken?
Ja, denn die Viren sind mittlerweile so resistent, dass sie selbst unter guten Hotelbedingungen vorkommen können, selbst in zivilisierten Reiseländern. Die Ansteckung erfolgt sowohl durch engen Personenkontakt als auch durch verunreinigtes Trinkwasser, Säfte oder ungenügend gegarte Nahrungsmittel. Ein erhöhtes Risiko stellen fäkaliengedüngtes Gemüse (Salate) oder auch Meeresfrüchte (Muscheln) dar. In einigen Muschelarten kann das Virus mehrere Monate erhalten bleiben. Die Hepatitis A-Impfung ist deshalb der wichtigste Schutz auf Reisen in Risikogebiete wie Mittelmeerraum, Südostasien oder Russland.
Reisemedizinerin Dr. Gudrun Ulle.Foto: Kristin Schmidt
Da ich chronisch krank bin, mich aber trotzdem in der Lage fühle, eine Flugreise zu absolvieren, bin ich unschlüssig, was bei der Mitnahme von Medikamenten im Handgepäck des Flugzeugs zu beachten ist. Wo bekommt man die nötigen Bescheinigungen?
Die Formulare sowohl für rezeptpflichtige Medikamente als auch für Spritzen oder für Mittel, die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen, erhalten Sie in Ihrem zuständigen Gesundheitsamt. Ihr behandelnder Arzt sollte alle Medikamente, die Sie benötigen, aufführen und begründen und das Attest unterschreiben. Für starke Schmerzmittel (Betäubungsmittel) brauchen Sie noch eine behördliche Genehmigung.
Mir wurde empfohlen, mich vor meiner Reise nach Brasilien auch gegen Grippe impfen zu lassen. Es ist doch Sommer. Wozu soll das nötig sein?
Auf der Südhalbkugel ist jetzt Winter. Hinzu kommt, dass im Äquatorgebiet ganzjährig Grippesaison herrscht. Je nachdem, wohin Sie genau reisen, könnte der Grippeschutz für Sie sinnvoll sein. Hinzu kommen jedoch alle Schutzimpfungen, die auch in Deutschland empfohlen werden, wie Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Kinderlähmung. Wenn Sie schon über 60 sind, wäre auch eine Pneumokokkenimpfung wichtig. Beratung erhalten Sie im Gesundheitsamt, bei einem Reisemediziner oder auch bei Ihrem Hausarzt. (sw)
Das Chatprotokoll finden Sie unter www.freiepresse.de/chat_Reisemedizin