Innerhalb einer Population gibt es zwei Farbvarianten.Foto: Teucher
Orchidee blüht in kräftigen Farben
Die Letzten ihrer Art: Holunder-Knabenkraut wächst im Erzgebirgskreis schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Nur noch auf tschechischer Seite ist es auf einigen Bergwiesen zu finden.
Zschopau/Marienberg. Das Holunder-Knabenkraut (Dactylorhiza sambucina) zählt zu den am stärksten gefährdeten Orchideenarten Deutschlands. Im Erzgebirgskreis kommt es schon seit Jahrzehnten nicht mehr vor. "Wir kennen die Art nur noch vom Erzgebirgssüdhang in Tschechien", sagt der ehrenamtliche Naturschutzhelfer und Mitarbeiter der Naturschutzstation Dörfel, Jürgen Teucher. Er selbst hat die auffällige Pflanze dort das letzte Mal vor zwei Jahren zu Gesicht bekommen.
Doch auch auf tschechischer Seite ist der Bestand in Gefahr. Das Holunder-Knabenkraut liebt sauere, nährstoffarme Wiesen und gedeiht auf silikatreichem Gestein. Es meidet Kalk und steht in sonniger oder halbschattiger Lage. Werden die offenen Landschaften zu sehr von Büschen und Bäumen überwuchert und wachsen damit langsam zu, verschwindet die Orchidee. Der Fachmann spricht von Sukzession. Auch die intensive Landwirtschaft gefährdet nach Teuchers Worten diese Art.
Auf deutscher Seite sind ihm die letzten Funde im Fichtelberggebiet aus den 1980er-Jahren bekannt. Holunder-Knabenkraut gedeiht normalerweise in den gemäßigten Lagen der Mittelgebirge. In Mitteleuropa wächst es aber auch in den südlichen Alpen bis in einer Höhe von etwa 2000 Metern. Bei den aktuellen Standorten in Tschechien handelt es sich in der Regel um Hanglagen in einer Höhe von 600 bis 900 Metern über dem Meeresspiegel.
Dactylorhiza sambucina blüht schon ab Anfang Mai und zählt somit zu den ersten blühenden Pflanzen der Bergwiesen und so genannten Borstgrasrasen. Die Wuchshöhe beträgt zwischen 10 und 20 Zentimeter, selten bis zu 25 Zentimeter. Die schwach nach Holunder riechenden Blüten werden oft von ihren Deckblättern überragt.
Eine Eigenheit ist das Erscheinen von zwei Farbvarianten zum Blütezeitpunkt. Es können sowohl rote als auch gelbe Exemplare innerhalb einer Population auftreten. "Auf der Lippe finden wir feine bis stärker ausgeprägte Punkte. Die kräftigen Farben sind beeindruckend", ist Teucher begeistert.