Die Glattnatter beißt zu. Ihr Biss ist aber harmlos und schmerzt nicht.Foto: Wikipedia
Schlingnatter beißt in der Not gern zu
Die Letzten ihrer Art: Im Erzgebirge kommt die Art nur selten vor. Häufiger ist sie auf tschechischer Seite anzutreffen.
Zschopau/Marienberg. Auf der Roten Liste Sachsens ist die Schlingnatter (Coronella austriaca) als stark gefährdet vermerkt. "Das gilt für den Erzgebirgsraum ganz besonders", sagt Steffen Teuchert, ein Experte auf dem Gebiet der Herpetologie (Lehre von den Tierklassen der Lurche und Reptilien). Denn die Art bevorzugt wärmebegünstigte Südtäler, die insbesondere auf der tschechischen Seite des Gebirgszuges zu finden sind. Auf deutscher Seite gibt es Vorkommen in den Flusstälern südöstlich von Chemnitz und nordöstlich von Annaberg-Buchholz, ebenso in der Nähe von Aue.
Im Gegensatz zur Ringelnatter oder Kreuzotter, die in Kammlagen verbreitet ist, war die Schlingnatter im Erzgebirgsraum schon immer selten, erklärt Teuchert. "Hinzu kommt, dass die Art versteckt lebt und trotz intensiver Suche leicht zu übersehen ist." Der Name "Schlingnatter" geht auf das Verhalten des Tieres zurück: Es umschlingt und erstickt größere Beute vor dem Fressen. Auf die glatte Beschuppung weist indes die Bezeichnung "Glattnatter" hin. Unter diesen Namen ist die Art ebenso bekannt. Schlingnattern verharren oft regungslos, dabei hebt sich die unscheinbare Färbung und das Fleckenmuster kaum von ihrer Umgebung ab. Wenn sie sich in die Enge getrieben fühlen, ringeln sich die Tiere zusammen und heben den Vorderkörper an. Oft versuchen sie, den Angreifer zu beißen. Dabei lässt die Schlange nicht sofort wieder los, sondern führt mitunter kauende Bewegungen durch. Beim Menschen hinterlassen die winzigen Zähne allerdings kaum Spuren.
Die Schlingnatter ist nur eine von vielen Reptilienarten, deren Vorkommen Teuchert untersucht. Der 54-Jährige arbeitet federführend an einem Verbreitungsatlas der Reptilien in Sachsen, der dieses Jahr erscheinen soll. Seit Anfang der 1990er-Jahre wirkt er im Vorstand des Landesausschusses Feld-Herpetologie mit.