Orchidee Eine unscheinbare Pflanze.

Foto: Gliwa/Haynold/Wikipedia

Seltene Orchideenart entdeckt

Die Letzten ihrer Art: Vom Kleinblütigen Einblatt war bislang nur ein Standort im Osterzgebirge bekannt. Der neue Fundort bleibt ein von Fachleuten gehütetes Geheimnis.

Auf den ersten Blick sieht das Kleinblütige Einblatt (Malaxis monophyllos) unscheinbar aus. Erst beim genauen Hinsehen wird offenkundig, dass es sich um eine Orchideenart handelt. Das nicht höher als 35 Zentimeter wachsende Kraut bildet Ähren mit winzigen grünen Blüten aus, typische Orchideenform aufweisen: sechs Blätter, von denen eines - Lippe - herabhängt.

Das Interesse der Botaniker für das Kleinblütige Einblatt rührt aber vor allem daher, dass es bis auf Bayern in ganz Deutschland nur ganz selten zu finden ist. In Sachsen war bis vor kurzem nur ein Standort im Osterzgebirge bekannt. Erst im vergangenen Jahr wurde ein weiterer im Erzgebirgskreis entdeckt, weiß Jens Nixdorf, Leiter der Fachgruppe Botanik Erzgebirge. Den genauen Standort behält er aus Furcht vor Trophäenjägern für sich: "Es gibt heute hochspezialisierte Orchideenliebhaber, weite Wege in Kauf nehmen würden, um an so eine Rarität zu kommen." Obwohl Pflanze auf der Roten Liste als vom Aussterben bedroht gekennzeichnet ist, befürchtet Nixdorf, dass einige von ihnen das Kraut nicht stehen lassen würden.

Nur soviel verrät der Pflanzen-Experte: Im Erzgebirgskreis wächst seltene Orchidee auf einer Fläche, von Menschenhand verändert wurde. Dazu zählen beispielsweise Bergbauhalden, Steinbrüche oder beim Wegebau angelegte Böschungen. Jens Nixdorf umschreibt das Kleinblütige Einblatt als Hochgebirgsart, kühle Gebiete mit hoher Luft- und Bodenfeuchte benötigen. "Vor allem handelt es sich aber um eine konkurrenzschwache , nur auf nährstoffarmen Böden wächst, um nicht von anderen Gräsern verdrängt zu werden", erklärt er.

Daraus ergibt sich zugleich eine Zeigerfunktion der Pflanze, auf eine noch intakte Umwelt mit nur geringem Nährstoffeintrag hinweist. "Wegen des hohen Stickstoffgehalts der Luft und der intensiv betriebenen Landwirtschaft stellt der Eintrag von Nähstoffen heute allgemein ein Problem dar", fügt Nixdorf hinzu. Für ihn brachte Entdeckung des Kleinblütigen Einblatts Erkenntnis, dass eine , auch wenn sie als verschwunden gilt, eines Tages wieder auftauchen kann. Von 44 in Sachsen nachgewiesenen Orchideenarten sind heute 13 ausgestorben.

 
erschienen am 14.04.2011 ( Von Mike Baldauf )
 
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