Lebt auf Schlamm-, Sand- und Kiesflächen: der Flussregenpfeifer.Foto: Archiv
Seltener Gast im Erzgebirge
Die Letzten ihrer Art: Der Flussregenpfeifer fühlt sich auch auf Baustellen wohl. Sein Besuch ist oft von kurzer Dauer.
Zschopau. So schnell wie sich der Flussregenpfeifer (Charadrius dubius) ansiedelt, ist er auch wieder weg. "Der Vogel kommt sofort, wenn etwa bei größeren Bauarbeiten Flächen offengelegt werden", weiß Joachim Georgi, Hobby-Ornithologe und ehrenamtlicher Naturschutzhelfer in Crottendorf. Der Bodenbrüter lebt auf Schlamm-, Sand- und Kiesflächen. Sind diese Lebensräume nicht mehr vorhanden, verschwindet der Flussregenpfeifer.
Während die Art etwa an Baggerseen in der Leipziger Gegend dauerhaft günstige Bedingungen vorfindet, kommt sie im Erzgebirge sporadisch vor. Georgi fand 1998 ein Gelege im Verfüllungsgelände des Kalkbruchs Hammerunterwiesenthal. Gesehen wurde der Flussregenpfeifer auch in den abgelassenen Scheibenberger Teichen und auf der Spülkippe der Zinngrube auf dem Sauberg Ehrenfriedersdorf. Selbst auf einem teils mit Erde, teils mit einer sandgeschlämmten Schotterdecke versehenen Lkw-Abstellplatz bei Dörfel fühlten sich die Vögel wohl. Funde sind dort von 1998 bis 2000 dokumentiert. "Auch am Unterbecken des Pumpspeicherwerkes Markersbach gab es immer wieder mal Besucher", so Georgi. In Jahren großer Trockenheit, wenn sich die Trinkwassertalsperren im Erzgebirge leeren und das Wasser von den Ufern zurückzieht, dauere es nicht lange, bis das Tier dort aufkreuzt.
Im Winter ist der Langstrecken-Zugvogel Gast im Mittelmeerraum und in Afrika. Zu dessen Winterquartieren zählen der Süden der Sahara bis zur Küste Westafrikas, Zaire, Tansania und Kenia. Der europäische Bestand an Flussregenpfeifern nahm gegen Ende des 19. Jahrhunderts deutlich ab. Verantwortlich dafür war vermutlich eine Klimaveränderung. Zahlreiche regenreiche Sommer reduzierten in dieser Zeit wegen erhöhter Wasserstände in den Gewässern mögliche Niststandorte. Erst seit den 1930er-Jahren nahm der Bestand wieder zu. Dafür war vermutlich eine Reihe trockener Sommer verantwortlich. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts trug vor allem der Abbau von Kies zur erneuten Verbreitung der Art bei.