Verbraucher greifen gerne immer wieder zu demselben Produkt - vor allem, wenn es nicht teurer wird. Doch das erkennen die Kunden jetzt nur noch am Grundpreis. Foto: AP
Viel heiße Luft in der Verpackung
Versteckte Preiserhöhungen machen Kunden zu schaffen - Umdenken beim Einkauf gefragt
Chemnitz. Keine Preiserhöhung, aber trotzdem weniger fürs Geld? In diese Falle tappen Verbraucher beim Einkauf immer wieder. Und nach den europäischen Gesetzen dürfen die Hersteller nun (fast) alles. Oft ist es verdammt viel heiße Luft, die aus frisch gekauften Verpackungen kommt. Und seit April sind es noch mehr Fälle geworden, bei denen der Verbraucher nicht damit rechnen kann, dass er noch die Menge kauft, die er gewohnt ist. Denn die verbindlichen Mengenvorgaben für Lebensmittel sind zum 11. April weggefallen. Die Idee dahinter: Single- oder Seniorenhaushalte könnten von kleineren Packungsgrößen profitieren. Doch seit April erhöhen die Hersteller oft nicht mehr die Preise, sondern füllen einfach weniger rein. Damit wird der Verbraucher zwar nicht direkt betrogen, aber doch getäuscht. "Wir kämpfen schon sehr viele Jahre mit so genannten Nachfolgepackungen", erzählt Susanne Junghanns vom sächsisches Landesamt für Mess- und Eichwesen. Das Amt ist dafür zuständig, die Mogelpackungen von Herstellern zu kontrollieren - und gegebenenfalls ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten. Nur: Bei Nachfolgepackungen können sie nichts machen.
Warum eine Nachfolgepackung nicht gleich eine Mogelpackung ist? Meistens steht es drauf, dass weniger drin ist. Im Kleingedruckten. Der Verbraucher, der die vermeintlich gleiche Packung kauft, übersieht den Unterschied aber häufig. "Meistens schrumpfen die Verpackungen rundherum und ein paar Millimeter - das fällt nicht unbedingt auf", erklärt Junghanns. Aber fürs Recht reicht das aus. Erst wenn zum Beispiel 30 Prozent der Verpackung Luft sind, ist das ungesetzlich. "Ansonsten wird immer nur auf den Grundpreis verwiesen. Ein echtes Schutzbedürfnis der Verbraucher ist da bei der Politik nicht spürbar", so die Expertin. Der muss auf sich selbst aufpassen - und herausfinden, bei welchen Produkten getrickst wird. Eine Hilfestellung bietet dabei die Verbraucherzentrale Hamburg. Besonders bei Süßigkeiten, Chips, Säuglingsnahrung, Frühstückscerealien, Putzmittel, Waschpulver oder Kosmetik hätten die Hersteller die Füllmengen verringert, heißt es dort. Selbst an der Obst- und Gemüsetheke haben die Verbraucherschützer etwas gefunden: Abgepackte Paprika oder Tomaten gibt es oft nicht mehr in 500-Gramm-Schalen, sondern in 400-Gramm-Verpackungen.
Eine Liste der Verbraucherzentrale Hamburg mit über hundert Beispielen einer versteckten Preiserhöhung gibt es auf deren Internetseite
www.vzhh.de.