Berufseinstieg
Mit Bob & Pia zur passenden Lehrstelle
Projekte zur Berufsorientierung sollen Schüler auf Ausbildung vorbereiten - Finanzierung über 2010 hinaus so gut wie gesichert
Isabel Socke und Thorsten Wolf wissen schon, was sie wollen: Beide absolvieren eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker.
Chemnitz. Für rund 580 Chemnitzer Mittelschüler steht neben Deutsch, Mathematik und Englisch auch die Berufsvorbereitung fest im Stundenplan. Durch das von der Agentur für Arbeit Chemnitz und der Sächsischen Aufbaubank finanzierte Projekt Bob (Berufsorientierung im Betrieb) und Pia (Praktikanten in Ausbildung) soll den Jugendlichen ein nahtloser Übergang von der Schule in die Ausbildung ermöglicht werden.
Hauptanliegen des Projektes ist es, den Mädchen und Jungen der Klassenstufen 9 und 10 verschiedene Lehrberufe praktisch näher zu bringen. "Wer sich zum Beispiel für eine Tischlerlehre interessiert, stellt unter Anleitung einen CD-Ständer oder Getränkekorb her. Will jemand Bäcker oder Konditor werden, lernt er bei uns schon einmal Dinge kennen, die ihn später in der Ausbildung erwarten", erklärt Stephan Ittner, Hauptabteilungsleiter Bildung bei der Handwerkskammer Chemnitz. Gemeinsam mit dem Projektträger, der Bildungswerkstatt Chemnitz, und der F+U Sachsen gGmbh ist die Handwerkskammer für den praktischen Unterricht verantwortlich.
Dieser findet zum Beispiel im Rahmen des Faches "Wirtschaft-Technik-Hauswirtschaft" (WTH) statt. Den Schulen steht es aber auch frei, Unterrichtsstunden aus Fächern wie Mathematik oder Physik für die Praxiserfahrung abzuzweigen. "Die Jugendlichen sind dann immer einen ganzen Tag bei uns. Das entspricht acht Unterrichtsstunden", erklärt Ittner. Wie er betont, diene Bob & Pia zudem dazu, den Schülern verschiedene Berufe näher zu bringen. So müssten sie mindestens zwei Arbeitsproben machen, um nicht nur Erfahrungen in Gebieten zu sammeln, die ihnen sowieso gefallen. "Das Projekt soll die Jugendlichen darin bestärken, einmal etwas Neues auszuprobieren", betont Stephan Ittner. Mit dem direkt von der Handwerkskammer getragenen und vom Bundeswissenschaftsministerium geförderten Projekt "ChemBoNet+" will man in Chemnitz zudem bereits Schüler der Klassen 7 und 8 in die Berufsorientierung einbeziehen. Bildungswerkstatt und F+U sind hier ebenfalls beteiligt.
Beide Projekte sind allerdings erst einmal bis zum kommenden Jahr befristet. Bei Bob & Pia scheint eine Weiterführung darüber hinaus aber sehr wahrscheinlich. "Wir befinden uns mitten in den Vorbereitungen für eine Fortsetzung, die Finanzierung dürfte sich bald klären", ist sich Michaela Barthel von Agentur für Arbeit in Chemnitz sicher.
Alles andere als eine Weiterführung sei laut Dietmar Mothes, Präsident der Handwerkskammer, auch politisch nicht vertretbar. "Wenn die einheitliche Berufsvorbereitung in der Schule wieder im Sand verläuft, wäre dies ein großer Rückschritt", meint er.
Von Anika Heber
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