Der Trabant
Zahlenspiele unter der Trabi-Motorhaube
Drei Fans bauen eine Internet-Datenbank für den Trabant 1.1 auf
Passt die Seriennummer zum Fahrzeug? Echte Fans wollen es genau wissen. Falk Wannhoff und Anja Bräuer mit ihren 1.1er-Trabis.
Hartmannsdorf. Zum 15. Mal treffen sich am Wochenende Trabi-Fans aus halb Europa zum Internationalen Trabantfahrer-Treffen in Zwickau. Manche Fans betreiben ihr Hobby beinahe wissenschaftlich ...
Falk Wannhoff, Sebastian Wolter und Nico Schneider sind drei junge Männer aus Sachsen, Thüringen und Brandenburg, die eines gemeinsam haben: Die Hälfte ihrer Freizeit verbringen sie unter den Motorhauben von Trabis. Sie schrauben in ihren Eingeweiden herum. Sie polieren Metallteile. Und sie suchen nach Zahlen. Seriennummern, um genau zu sein. Das ehrgeizige Projekt, dem sich die Drei verschrieben haben, ist der Aufbau einer Internet-Datenbank für den Trabant 1.1, dem letzten Autotyp, der den VEB Sachsenring verlassen hat.
Laut dem Kraftfahrtbundesamt Flensburg fahren noch 34.984 Trabis durch Deutschland, 1228 davon sind Trabant 1.1. Insgesamt wurden vom 1.1er, dem ersten Trabi mit Viertaktmotor, 38.994 Fahrzeuge gebaut. So lautet die offizielle Zahl, die der Verein Internationales Trabantregister (Intertrab) in Zwickau nennt.
Aber hinter dieser Summe steht ein Fragezeichen, meint Falk Wannhoff. "Es gibt mindestens drei weitere Angaben über die Gesamtzahl an Trabant 1.1 - und ein Gerücht", erläutert der 30-Jährige aus Hartmannsdorf bei Chemnitz. Die anderen Zahlen, erschienen in diversen Publikationen, lauten: 38.965, 38.978 und 39.474. Das Gerücht besagt, es seien mehr als 41.000 Trabant 1.1 vom Band gerollt. Welche Zahl stimmt?
"Keine Ahnung, aber vielleicht können wir mit unserer Datenbank für Aufklärung sorgen", meint Wannhoff. Erfassen er oder seine Mitstreiter eine Seriennummer, die über einer der Produktionszahlen liegt, wäre letztere als falsch erkannt. Bislang hat es einen solchen Treffer freilich noch nicht gegeben.
701 Trabant 1.1 haben Falk Wannhoff, Sebastian Wolter und Nico Schneider bislang in ihrer Datenbank online gestellt - Limousinen, Kombis, sogar Prototypen. Neben der Seriennummer sammeln sie weitere Angaben, wie etwa das Datum der Erstzulassung, den Landkreis, in dem der Wagen heute angemeldet ist, ein aktuelles Foto und Angaben zu möglichen Umbauten. Das hat durchaus praktische Gründe.
"Für einen 1.1er Tramp, von dem es ganze 496 Stück gab, werden heutzutage bis zu 14.000 Euro verlangt", sagt Wannhoff. "Aber welcher Tramp ist echt, welcher nur durch Umbau nachgemacht? Die Seriennummer gibt Aufschluss." Ebenso verhält es sich mit Nullserien-Fahrzeugen, den besonders raren Prototypen oder bestimmten Originallackierungen.
Echte Fans wollen es eben genau wissen, und das Trio Wannhoff, Wolter, Schneider versucht, Antworten zu liefern. Deshalb werden sie am Wochenende beim Internationalen Trabantfahrer-Treffen wieder unter Motorhauben spähen und Ziffernfolgen notieren. Bis zu 2500 Trabis werden in Zwickau erwartet. Noch nicht gelistete 1.1er dürften einige dabei sein.
Von Mario Ulbrich
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