Wellness

Jung bleiben auf die sanfte Tour

Mit Hormon-Yoga den Alterungsprozess hinauszögern


Hormon-Yoga kann auch gut zu Hause praktiziert werden.

Foto: vision images/fotolia.de

München/Chemnitz. Der neue Wellness-Trend Hormon-Yoga hat einen etwas anderen Ansatz in Sachen Anti-Aging. Der Name sagt gleich, worum es geht: die Zeit zurückdrehen in punkto Hormone. Erfunden hat diese Variante des Hatha-Yogas die Brasilianerin Dinah Rodrigues Anfang der 1990er-Jahre. Die Psychologin, Philosophin und Yoga-Lehrerin entwickelte ihre Hormonelle Yoga-Therapie in erster Linie als natürliche Behandlungsmethode gegen unerwünschte gesundheitliche, emotionale und ästhetische Begleiterscheinungen der Wechseljahre. In ihrem Buch "Hormon-Yoga - Das Standardwerk zur hormonellen Balance in den Wechseljahren" (Schirner Verlag) schreibt Dinah Rodrigues im Vorwort: "Es ist den Frauen gewidmet, die in die Wechseljahre kommen, deren Symptome spüren und sich im Hinblick auf diese neue Lebensphase vielleicht auch etwas unsicher fühlen."

Mittlerweile richtet sich Rodrigues mit ihrem Konzept aber auch ganz explizit an jüngere Frauen, die z. B. unter diffusem prämenstruellem Syndrom (PMS), unregelmäßigem Zyklus, polyzystischen Eierstöcken und unerfülltem Kinderwunsch leiden. Und an Frauen, die auf natürliche Art und Weise Anti-Aging betreiben wollen. Nicht als Ersatz für die Errungenschaften der Kosmetikindustrie, sondern als Ergänzung.

Was ist Hormon-Yoga?

Die Hormonelle Yoga-Therapie soll nicht nur eine deutliche Steigerung der Vitalität, des jugendlichen Aussehens und des Wohlbefindens fördern - das kann normales Yoga schließlich auch. Hormon-Yoga kann die körpereigene Produktion von Hormonen anregen oder sogar ruhende Eierstöcke reaktivieren. Spezielle Körperhaltungen und besondere Atem- und Meditationstechniken haben einen direkten Einfluss auf die hormonproduzierenden Organe, stimulieren Ovarien (Eierstöcke), Nebennieren, Schilddrüse und Hypophyse (Hirnanhangdrüsen). Ziel ist es, den Hormonhaushalt in seine natürliche Balance zu bringen oder in Balance zu halten. Im Fokus steht dabei das für den weiblichen Körper so wichtige Östrogen, dessen Produktion auf natürliche Weise wieder angekurbelt werden soll. Denn bekanntlich fällt der Östrogenspiegel irgendwann um die 40 innerhalb von zwei bis drei Jahren auf etwa ein Zehntel des ursprünglichen Wertes ab. Und das hat Folgen.

Prävention ist angesagt

Frauen möchten nicht nur so jung aussehen, wie sie sich fühlen. Sie möchten sich auch so jung fühlen, wie sie mit 40 de facto sind. Weil Hormonstatus, gefühltes und gelebtes Alter heute also oft nicht mehr zusammenpassen, suchen sie nach einer natürlichen, möglichst ganzheitlichen Hilfe. Im Moment boomt deshalb alles, was auf diese Weise mehr Lebensqualität verspricht: Phytohormone aus Soja in jeder Form, eine immense Palette von Produkten mit Rotklee, Mönchspfeffer, Traubensilberkerze und Co. Und eben Hormon-Yoga.

Wie funktioniert Hormon-Yoga?

Ob Fitnesskonzept oder Lebensphilosophie, jede Yoga-Variante (auch Hormon-Yoga) tut gut, weil Yoga Körper und Geist grundsätzlich hilft, gesund zu bleiben. Für Hormon-Yoga gilt: Es kann fast von jeder Frau praktiziert werden, ist auch ohne Vorkenntnisse relativ leicht zu erlernen und soll schnell zu spürbaren Ergebnissen führen. Ausnahmen sind Schwangere und Frauen mit ernsten gesundheitlichen Problemen wie Krebs, Endometriose, Herzkrankheiten und Bandscheibenproblemen. Sie sollten sich auf jeden Fall mit ihrem Arzt beraten. Auch sollte man sich nicht unbedingt während der Menstruation auf die Yoga-Matte legen. Mit esoterischen Heilslehren hat Hormon-Yoga nichts zu tun. Es ist eine durchdachte Kombination aus energetischem Yoga und dem populären Hatha-Yoga, aus Kundalini-Yoga und tibetischen Energieübungen. Während beim normalen Yoga der ganzheitliche Effekt im Vordergrund steht, ist die Hormonelle Yoga-Therapie nach Dinah Rodrigues extrem zielgerichtet. Sie besteht aus drei Übungselementen:

Erstens: speziellen Körperhaltungen und Bewegungen (Asanas).

Zweitens: besonderen, relativ anstrengenden Atemtechniken (Pranayamas), die das Zwerchfell aktivieren und eine innere Massage bewirken. Diese soll die für die Hormonerzeugung verantwortlichen Organe und Drüsen anregen.

Drittens: eine Art mentale, meditative Energielenkung, die die Lebensenergie (Prana) dahin steuern soll, wo sie gebraucht wird. Nämlich ebenfalls zu den Hormon-Organen.

Eine Einheit dauert ca. 30 Minuten, sie hat immer die gleiche Reihenfolge und muss ganz regelmäßig (mindestens drei- bis viermal pro Woche, besser öfter) und immer morgens auf nüchternen Magen absolviert werden. Wer Hormon-Yoga ausprobieren möchte, sollte auf jeden Fall zuerst einen Workshop oder einen Kurs absolvieren. Viele Yoga-Schulen (Adressen: www.ggfyoga.de ) bieten mittlerweile Hormon-Yoga an. Einmal erlernt, kann es dann gut zu Hause praktiziert werden.

Wellness-Garantie

Dass Hormon-Yoga funktioniert, versucht Dinah Rodrigues mit Fallstudien zu beweisen, die sie in ihrem Buch präsentiert. Die Autorin betont, eigene Studien zum Thema initiiert zu haben. Sie schreibt: "Die Ergebnisse der von mir durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchung beweisen, dass durch die Hormonelle Yoga-Therapie nicht nur eine Erhöhung des Hormonspiegels (im Durchschnitt 254 Prozent in vier Monaten) erzielt werden konnte, sondern auch, dass sich das Praktizieren von Hormon-Yoga in starkem Maße positiv auf die Symptome des Hormonrückgangs auswirkt." Der Vollständigkeit halber aber sei gesagt: Es gibt noch keine unabhängige Studie, die wissenschaftlich nachgewiesen hat, dass Hormon-Yoga bei jeder Frau und vor allem bei jedem Problem garantiert funktioniert. Einen Wohlfühleffekt erreicht Hormon-Yoga auf jeden Fall. Selbst der Schulmediziner Jörg Puchta vom Hormonzentrum München empfiehlt manchen Patientinnen mit leichten hormonellen Störungen Hormon-Yoga, aber eher als ganzheitliche Unterstützung konventioneller Therapien.
(DB)


Erschienen am 15.06.2009


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