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Der Chemnitzer Stefano Cincotta (Chemnitz) schleicht nach seiner Gelb-Roten Karte enttäuscht vom Feld.

Foto: Sven Sonntag/picture point

0:3 - der CFC kommt nicht vom Fleck

Beim Chemnitzer FC ist das Thema Aufstieg vorerst vom Tisch. Die deftige 0:3-Niederlage beim VfL Osnabrück zeigt, wo es klemmt.

Von Thomas Treptow
erschienen am 19.03.2017

Osnabrück. Der Trainer des Chemnitzer FC heißt nicht Don Quichotte, sondern Sven Köhler. Aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass nicht nur die Romanfigur sondern auch der Fußballlehrer und seine Mannschaft gegen Windmühlen kämpfen. Sie können nicht entscheidend punkten, obwohl sie sich Mühe geben. Nach einem Schritt voran geht es wieder einen zurück - so verlor der CFC nach dem schwer erarbeiteten 2:1-Heimsieg gegen Paderborn am Sonnabend beim VfL Osnabrück mit 0:3 (0:1). Wieder ein Dämpfer. Von Aufstiegskampf wollte danach keiner mehr etwas wissen. Stefano Cincotta, der seinem Team im nächsten Spiel gegen Spitzenreiter MSV Duisburg wegen einer Gelb-Rot-Sperre fehlen wird, ließ in dieser Beziehung tiefe Enttäuschung durchblicken. "Für mich kam selten das Thema 2. Liga auf. Deshalb spreche ich das gar nicht an", antwortete er auf die Frage, ob sich der Aufstieg erledigt habe. Der Nationalspieler Guatemalas ruderte danach zwar wieder zurück. "Alles ist möglich" und "abgerechnet wird zum Schluss", fügte Cincotta eilig an. Nach dem Aufstieg, der in dieser unberechenbaren 3. Liga immer noch in Reichweite liegt, sieht es momentan nicht aus. Das Spiel in Osnabrück zeigte: Es fehlt vielleicht nicht am Willen, aber an Konstanz, einem spielerischen Konzept, vor allem wenn das Team in Rückstand gerät, an Führungspersönlichkeiten, die in kritischen Situationen das Zepter in die Hand nehmen, und an individueller Klasse.

Exemplarisch dafür steht das Defensivverhalten der Himmelblauen, die an der Bremer Brücke in Neon-Grün und notgedrungen mit einigen Neuen in der Startelf antraten. Für die gesperrten Dennis Mast, Björn Jopek, Fabian Stenzel sowie die angeschlagenen Berkay Dabanli und Daniel Frahn (saß auf der Bank) spielten Emmanuel Mbende in der Innenverteidigung, Dennis Grote im zentralen Mittelfeld, Florian Hansch im Sturm, Tom Baumgart im rechten Mittelfeld und Julius Reinhardt dahinter in der Abwehr. Die beiden Letztgenannten erwischten keinen guten Tag. Immer wieder inszenierten die Hausherren brandgefährliche Angriffe über ihre Seite, was Köhler in der Halbzeit zum Handeln zwang. Reinhardt blieb in der Kabine, seinen Part übernahm der gelernte Außenverteidiger Alexander Bittroff. Die Defensivaussetzer trübten das Bild entscheidend, weil das Köhler-Team in Osnabrück aktiv und engagiert begann. Anton Fink prüfte VfL-Keeper Marius Gersbeck mit zwei strammen Schüssen (3./12.), Cincottas gut liegender Volleykracher (14.) nach einer Ecke wurde noch abgeblockt.

Andererseits sah die Abwehr eben dreimal schlecht aus. So ließ Cincotta Nazim Sangara in seinem Rücken aus den Augen, der die unverhoffte Chance vertändelte (8.). Dann stand Kevin Conrad bei einer Eingabe von rechts viel zu weit weg von Kwasi Okyere Wriedt (20.), dieser zum Glück aber im Abseits. Das Ende vom Lied: Beim 0:1 setzte sich Wriedt locker-leicht im Strafraum gegen Mbende und Conrad durch, sein Querpass erreichte Sangara, der zum 1:0 für Osnabrück einschieben konnte. Cincotta kam zu spät. "Durch die zwei Spieler hätte er gar nicht durchkommen dürfen. Dann kann er sich aussuchen, ob er den Ball vor oder hinter mir reinspielt", verteidigte sich der 26-Jährige und nahm in puncto Defensive die ganze Mannschaft in die Pflicht. "Die beginnt schon beim ersten Stürmer."

In vorderster Front spielte der junge Florian Hansch (21), der viel ackerte, sich aber kaum einmal entscheidend durchsetzen konnte. Eine Großchance hatte er kurz vor dem Pausenpfiff dennoch. Nach einem katastrophalen Fehlpass der Osnabrücker, die zuvor in sieben Spielen nur einen Sieg eingefahren hatten, sprang dem CFC-Angreifer der Ball im gegnerischen Strafraum vor die Füße. Gersbeck, vor einem Jahr noch selbst ein Himmelblauer, verkürzte geschickt den Winkel und ließ sich nicht überwinden.

Das zweite Tor fiel nach dem Seitenwechsel, es hatte aus CFC-Sicht einen bitteren Beigeschmack. Denn bevor Marc Heider das 2:0 für den VfL erzielte, erwischte er Conrad am Fuß. "Er trifft mich, aus meiner Sicht ein klares Foul", sagte der CFC-Kapitän. Der Pfiff von Schiedsrichter Markus Schmidt blieb jedoch aus, auch die heftigen Reklamationen der Chemnitzer halfen nichts - damit war die Kuh vom Eis. "Das 2:0 war definitiv der Knackpunkt", meinte Conrad. Das stimmte. Und auch die Ampelkarte für Cincotta war eine äußerst diskussionswürdige Entscheidung. Aus dem folgenden Freistoß resultierte das dritte Gegentor. "Ich habe ihn gar nicht berührt", beteuerte der geknickte CFC-Verteidiger.

Sven Köhler bemerkte bei seiner Analyse, dass das 0:3 sich "nicht gut anfühlt, aber den Spielverlauf nicht widerspiegelt". Mag sein. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der CFC in der zweiten Halbzeit nicht einmal wirklich gefährlich vor das Osnabrücker Tor kam. "Wir haben es nicht geschafft, den Schwung aus der ersten Hälfte in die zweite mitzunehmen", meinte Cincotta. Die Personalnot wollte er nicht als Entschuldigung anführen. "Am Ende müssen die elf alles geben und fighten, die auf dem Platz stehen. Das ist uns heute nicht gelungen", legte er den Finger auf einen weiteren wunden Punkt. Denn wenn beim CFC nicht alle an einem Strang ziehen, dann geht der Kampf gegen die Windmühlen weiter.

 
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