Hamilton gewinnt den Großen Preis von Kanada

Foto: STAN HONDA (AFP)

"007" Hamilton lässt Vettel weiter warten

"007" Lewis Hamilton hat der Formel 1 im siebten Rennen des Jahres den siebten Sieger beschert und lässt Weltmeister Sebastian Vettel weiter auf den ersten Sieg in Kanada warten. Der Red-Bull-Pilot, der im vorigen Jahr den Erfolg erst in der letzten Runde aus der Hand gegeben hatte, war diesmal aber trotz seiner Pole Position chancenlos und musste sich nach einer turbulenten Schlussphase mit dem vierten Platz zufrieden geben.

In der WM-Gesamtwertung übernahm mit jetzt 88 Punkten Hamilton die Führung vor dem bisherigen Spitzenreiter Fernando Alonso (86), der mit nachlassenden Reifen in den letzten Runden vom zweiten auf den fünften Platz zurückfiel. Vettel hatte im Gegensatz zu dem Spanier noch Reifen gewechselt und war danach doch noch wieder an dem Ferrari-Piloten vorbei gekommen. Mit 85 Zählern ist Vettel jetzt WM-Dritter.

"Es war ein gutes Wochenende für uns, wir haben wichtige Punkte geholt und viel gelernt. Es war richtig, noch einmal die Reifen zu holen. Meine Reifen hatten nicht mehr das gehalten, wonach es vorher aussah. Es kam schleichend", sagte Vettel. Überraschend aufs Podium fuhren in der Schlussphase der Franzose Romain Grosjean im Lotus-Renault und der Mexikaner Sergio Pérez im Sauber-Ferrari, deren Einstopp-Strategien aufgingen.

Hamilton feierte seinen ersten Sieg seit dem 13. November 2011 in Abu Dhabi ausgiebig und winkte schon aus dem Auto mit einem Union Jack. Mit dem 18. Sieg seiner Karriere meldete er nachdrücklich seine Ansprüche auf den WM-Titel an. Zudem sorgte er beim 300. Auftritt von McLaren mit Mercedes-Power im Heck für das passende Jubiläums-Resultat. Zudem baute er den Formel-1-Rekord als siebter Sieger im siebten Rennen aus. So etwas hat die Königsklasse seit ihrer Gründung 1950 noch nie erlebt. Montréal bleibt damit ein gutes Pflaster für den 27-Jährigen. 2007 hatte er auf dem Circuit Gilles Villeneuve auf einer Insel im St.-Lorenz-Strom in seinem damals erst siebten Grand Prix den ersten Sieg seiner Karriere gefeiert. Auch 2010 war er nicht zu schlagen.

Als Sechster holte Mercedes-Pilot Nico Rosberg als zweiter deutscher Fahrer WM-Punkte, Nico Hülkenberg im Force-India-Mercedes wurde Zwölfter. Für Rekordweltmeister Michael Schumacher setzte sich dagegen die Pechsträhne fort. Schon zum fünften Mal in dieser Saison war für den 43-Jährigen vorzeitig Feierabend, wieder war ein technischer Defekt schuld. Weil der verstellbare Heckflügel seines Mercedes in den offenen Stellung steckengeblieben war und sich von den Mechanikern trotz aller Bemühungen nicht mehr schließen ließ, musste der Kerpener in der 44. Runde aufgeben. Zu diesem Zeitpunkt lag er bereits außerhalb der Top 10.

"Ich schätze, es ist ein ähnlicher Defekt wie in Bahrain, eine Mischung aus Hydraulik und Elektronik. Wahrscheinlich hat sich ein Kabel verklemmt", meinte Schumacher, der seinem Team aber keinen Vorwurf machte: "Meine Jungs haben mein absolutes Vertrauen, zu hundert Prozent. Sie probieren alles. Aber man muss verstehen, dass unsere Autos Prototypen sind, da kann immer mal was vorfallen."

Schumacher hatte am Samstag im Qualifying eine durchaus mögliche bessere Startposition auf Rang neun verpasst, weil er für seine eigentlich noch geplante letzte schnelle Runde vier Hunderstelsekunden zu spät über die Ziellinie gefahren war. Das Team hatte sich offensichtlich mit der Zeitplanung leicht verkalkuliert.

Beim Start hatte Vettel die am Samstag souverän herausgefahrene 32. Pole Position seiner Karriere problemlos gegen Hamilton behauptet und sich am Ende der ersten Runde bereits um 1,1 Sekunden von dem Briten abgesetzt. Auch dahinter gab es beim kurzen Sprint zur ersten Kurve keine Positionänderungen. Rosberg blieb Fünfter, Schumacher Neunter.

Vettel kontrollierte zunächst seinen Vorsprung vor Hamilton zunächst im Bereich von etwa zwei Sekunden. Doch dann wurde Hamilton schneller und war in der 15. Runde an Vettel dran. Red Bull reagierte und holte den Weltmeister sofort zum ersten Reifenwechsel, Hamilton und in seinem Windschatten Alonso blieben zunächst auf der Strecke. Hamilton kam aber schon eine Runde später in die Box und kehrte trotz eines leichten Problems beim Anfahren vor Vettel zurück ins Rennen.

Das gleiche gelang zwei Runden später Alonso, der nach einem schnellen Stopp vor beiden Kontrahenten blieb. Hamilton überholte den Ferrari aber schon in der nächsten Runde dank des verstellbaren Heckflügels auf der langen Geraden. Vettel dagegen blieb hinter dem Spanier, bei ihm reichte die Unterstützung des Flügels nicht aus, um den Ferrari aus dem Windschatten zu überholen. Hamilton setzte sich unterdessen mit mehreren schnellsten Runden an der Spitze ein bisschen von den beiden Verfolgern ab.

In der 50. Runde holte sich Hamilton seinen letzten neuen Reifensatz - und musste wieder ein bisschen zittern. Zum wiederholten Mal in dieser Saison klappte der Boxenstopp bei McLaren nicht reibungslos und kostete Hamilton ein wenig Zeit. Danach machte er sich auf die Jagd nach Vettel und Alonso, die zunächst draußen geblieben waren. Vettel überholte er in der 62., Alonso dann in der 64. Runde. Während Vettel noch einmal neue Reifen holte (63. Runde) und danach wieder auf Platz vier vorfuhr, rutschte Alonso bis auf Platz fünf ab.

 
erschienen am 10.06.2012
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