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CFC: Kritik an Umgang mit A-Junioren-Fußballern wird immer schärfer

Für den ehemaligen Nachwuchsleiter Bernd Ziemer stand bereits 2009 fest: Trainer Ullus Küttner ist nicht tragbar

Chemnitz. Susanne Sibrins denkt mit Grausen an die Zeit zurück, als ihr Sohn Philip bei den A-Junioren des Chemnitzer FC spielte. Sie könne dem "Freie Presse"-Beitrag "Sie machen die Jungs mit Worten fertig" vom 1. Februar nur zustimmen. "Wir und drei weitere Spieler waren 2009 von der Willkür des Trainers Ullus Küttner betroffen. Es war an der Tagesordnung, dass Spieler nicht nur beleidigt wurden. Nein, sie sind vor der gesamten Mannschaft erniedrigt worden", berichtet die Mutter.

Nach verlorenen Partien habe der Trainer die Mannschaft ermutigt, gegen Spieler, die an jenem Tag nicht so gut waren, "entsprechende Maßnahmen einzuleiten". Sibrins weiter: "Mein Sohn wurde daraufhin im Internat von Spielern angegriffen und verletzt. Nachdem wir Anzeige erstattet haben, kam es zur Gerichtsverhandlung mit Urteilsverkündung." Aufklärung seitens des CFC sei nicht betrieben worden. "Wieder einmal wurde alles totgeschwiegen", so Sibrins.

Sie sei damals von CFC-Präsident Mathias Hänel angerufen worden. "Er bat mich, nichts weiter zu unternehmen. Und er versprach mir, dass Herr Küttner eine Abmahnung erhält und unter Beobachtung stehen würde", berichtet Frau Sibrins. Einzig der damalige Nachwuchs- leiter Bernd Ziemer habe den Mut besessen, die Arbeit Küttners in der Öffentlichkeit zu kritisieren. "Er wurde dann suspendiert", erinnert sich Susanne Sibrins.

Bernd Ziemer arbeitete in der Saison 2008/2009 als Nachwuchschef des CFC. "Es ist nicht schön in diesem Verein gewesen", sagt er heute rückblickend. Wie A-Junioren-Trainer Küttner mit Spielern umgegangen ist, sei "eine Schweinerei" gewesen. "Er hat sich über jeden gefreut, den er treffen konnte. Ich habe der Vereinsführung geschrieben, dass so ein Trainer nicht tragbar ist", erzählt Ziemer, der zurzeit im Nachwuchsbereich des VfL Hohenstein tätig ist. Er wisse nicht, warum der Club auf diese Kritik nicht reagiert habe. "Der Chemnitzer FC hat nichts gelernt. Irgendwann musste es zu diesen öffentlichen Meinungsäußerungen kommen", ist Ziemer überzeugt. Warum er im Sommer 2009 entlassen wurde, sei ihm bis heute nicht klar. "Noch im April hatte es keinerlei Anzeichen dafür gegeben", erklärt der ehemalige Rostocker.

Auch Anett Oelschlägel übt scharfe Kritik an den menschlichen Methoden im CFC-Nachwuchs, speziell bei den A-Junioren. Ihr Sohn Philipp fing bereits als Sechsjähriger beim Club an. Ab der C-Jugend (Altersklasse U 16) habe er beim FSV Zwickau gespielt. "Dort hat er sich wohlgefühlt. Er hatte eine Lehrstelle und eine Wohnung. Im Sommer 2009 wurde er von Trainer Küttner nach Chemnitz zurückgeholt", erzählt Anett Oelschlägel. Zum CFC zu wechseln, sei ein großer Fehler gewesen. "Er hat nicht gespielt, was nicht begründet wurde. Hinzu kam der menschliche Umgang. Herr Küttner ist immer missmutig gelaunt. Er und auch Nachwuchsleiter Kay-Uwe Jendrossek sind beleidigend. Was sie sagen, ist manchmal unter der Gürtellinie", so Oelschlägel.

Der Umgangston habe bei ihrem Sohn Spuren hinterlassen. "Er war nervlich angespannt und depressiv verstimmt. Auch die schulischen Leistungen litten darunter", erklärt die Mutter. Ende 2010 habe sich ihr Sohn abgemeldet. Die Kritik von CFC-Sportdirektor Jörg Emmerich, dass die Betroffenen doch vorher mit den Vereinsverantwortlichen sprechen sollten, weist sie zurück. "Wir haben mit Nachwuchsleiter Jendrossek ein Gespräch geführt - ohne Ergebnis. So mussten wir die Reißleine ziehen." Philipp Oelschlägel spielt seitdem beim VfB Fortuna. Dort fühle er sich wohl. "Ich bin froh, dass ich vom CFC weggegangen bin", betont der bald 20-Jährige.

Er und seine Mutter sind sich einig: Sie üben nicht Kritik, weil sie dem CFC schaden wollen. "Wir sind Fans der Himmelblauen. Am vergangenen Wochenende habe ich gegen Unterhaching im Stadion gefroren", erklärt Anett Oelschlägel. Sie wolle nur dafür sorgen, dass künftigen Jugendspielern in Chemnitz ähnliche Erfahrungen erspart bleiben. "Beim CFC wären Trainer vonnöten, die mit jungen Leuten umgehen können und sich mit deren Problemen befassen", ergänzt die Mutter.

"Solche Vorwürfe müssen aufgeklärt werden, sonst leidet die gesamte Nachwuchsarbeit des Vereins darunter", meint Jochen Laudeley. Der Vater von Ex-Zweitligaprofi Thomas Laudeley war mehr als zehn Jahre lang selbst im Jugendbereich der Himmelblauen als Trainer tätig. Er gibt zu bedenken, dass sich auch Eltern und Spieler nicht immer korrekt gegenüber Trainern verhalten. "Manche Mütter und Väter sollten sich vor Augen führen, was ihre Söhne vom Stapel lassen. Da wird nach einer Auswechslung schon mal Richtung Trainer gefragt: Was will der Blinde von mir?", erzählt Laudeley. Eltern seien ebenfalls nicht immer sachlich. "Auch ich bin während meiner CFC-Zeit beschimpft worden", so Laudeley, der heute die Oederaner Männer betreut. Seinen ehemaligen Kollegen Ullus Küttner bezeichnet der 67-Jährige als "ein bisschen schroff". Allerdings, so betont Laudeley, habe er aus dem Mund Küttners niemals Schimpfworte gegenüber Spielern gehört.

Die "Freie Presse" konfrontierte Ullus Küttner mit den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Doch der Trainer reagierte weder auf Anrufe noch auf einen Brief, der ihm am vergangenen Dienstag zugestellt wurde. Auch Nachwuchsleiter Kay-Uwe Jendrossek wollte sich zum Vorwurf, er sei gegenüber Nachwuchsfußballern des CFC beleidigend aufgetreten, nicht äußern.

 
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CFC: Kritik an Umgang mit A-Junioren-Fußballern wird immer schärfer
Mathias Hänel: Vorverurteilungen wird es bei uns nicht geben
 
erschienen am 11.02.2012 (Von Mario Schmidt)
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
3
(Anmeldung erforderlich)
  • 13.02.2012
    07:57 Uhr

    Fisch18: Wer den Traum vom Profifussballer hat muss da durch. Die jetzige Gesllschaft ist doch total "verweichlicht". Ich möchte die ach so lieben Jungs mal in ihrer Hofpause oder im "Gesichtsbuch" erleben mit welchen "Wörtern" sie sich dort gegensitig begegnen.
    Das Herr Küttner ein harter Trainerhund ist, habe ich schon als Fußballer erfahren und mir hat es nicht geschadet. Ich bin jetzt 40 Jahre alt. Zu meiner Zeit gab es noch eine gewisse "Hackordnung" und Respekt vor Trainern in Fussballmannschaften, aber was heutzutage in und außerhalb der Kabinen los ist, ist einfach unglaublich.
    Wer nervlich ein wenig labil ist, kann eben nur Oberliga spielen. Tut mir leid.

    0 0
     
  • 11.02.2012
    21:53 Uhr

    Registrierter: Warum treffen sich die Betroffenen nicht und unterzeichnen eine gemeinsame Erklärung (pro CFC, kontra Küttner)?

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  • 11.02.2012
    14:47 Uhr

    gelöschter Nutzer: Dieser Artikel und die Aussagen der Eltern sind ein Spiegel-
    bild des Zustandes im Umgang mit Sportlern insbesonders
    beim CFC. In meinem privaten Umfeld gibt es auch ehemalige Spieler des CFC, die dem Verein nicht mehr angehören wollen. Ist man dort im Verein, dann fühlt man
    sich als etwas besonderes und es dauert sehr lange, ehe man begreift und sieht, dass das zum größten Teil nur Schein ist. Kritisches Hinterfragen ist nicht erwünscht,
    da es eingespielte Hierarchien gibt, die man bewahren will.
    Im Nachwuchszentrum des CFC herrscht wohl ein schroffer
    und unsachlicher Umgangston gegenüber den Sportlern.
    Aber was nicht sein darf ..... Herr Vereinspräsident fragen Sie sich doch mal, warum es Sportler nicht beim CFC hält!
    Ist es doch wahr, was im Artikel steht.
    Ein Hinweis sei noch gestattet- warum wird vor während und nach den Spielen Alkohol ausgeschenkt ? Wer sind die
    besten Kunden ? Was passiert mit den Einnahmen im Neubauernweg ? Man kann gespannt sein, Herr Hänel,
    wie es weiter geht.
    Abschließend noch ein Wort zu den Verhalten der Sportler
    gegenüber dem Trainer- es ist schon manchmal sehr un-
    sportlich - aber die Trainer sind hier die Vorbilder.




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