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Carolina Kostner - Carolina Kostner zelebriert ihre Auftritte auf dem Eis immer mit sehr viel Gefühl.

Foto: David W Cerny/reuters Foto: Tatjana Flade

Carolina Kostner: Diese Medaille besitzt einen besonderen Wert

Eiskunstlauf: Weltmeisterin aus Italien feiert nach ungewöhnlicher Sperre ein beeindruckendes Comeback

erschienen am 31.01.2017

Ostrava. Carolina Kostner aus Italien feierte bei der Eiskunstlauf-EM in Ostrava nach drei Jahren Pause mit Bronze ein viel umjubeltes Comeback. Die 29-jährige Italienerin - Olympiadritte 2014, Weltmeisterin und fünffache Europameisterin - durchlebte eine bittere Zeit. Sie wurde für 21 Monate gesperrt, weil sie ihrem Ex-Freund Alex Schwazer, einem Geher, geholfen haben soll, sein Doping zu vertuschen, was sie stets bestritt. Mit der Ausnahmeläuferin sprach Tatjana Flade.

Freie Presse: Was bedeutet Ihnen diese Medaille im Vergleich zu Ihren vielen anderen?

Carolina Kostner: Ein Journalist hat mir erzählt, dass ich meine zehnte EM-Medaille gewonnen habe und dass das ein Rekord in der Geschichte ist. Ich halte nichts von Rekorden und Medaillenzählen. Aber diese Bronzemedaille hat im Vergleich zu den anderen einen besonderen Wert für mich. Sie bedeutet den Anfang eines neuen Kapitels.

Können Sie das etwas näher beschreiben?

Wohin mich das bringt, weiß ich noch nicht. Ich möchte mich ein bisschen treiben lassen von meinen Gefühlen, von dem, was kommt. Ich muss auch auf meinen Körper achten. Dabei versuche ich immer im Kopf zu behalten, dass ich, wenn ich alt sein werde, nur das bereuen werde, was ich nicht gemacht habe, und nicht jenes, was ich vielleicht versucht, aber nicht geschafft habe. Deswegen war es für mich sehr schön, bei dieser EM dabei sein zu dürfen. Ich habe wirklich große Freude gespürt, kaum Angst oder Nervosität. Ich war selbst überrascht, dass ich besser mit der Situation umgegangen bin als gedacht. Es ist es für mich ein ganz tolles Gefühl, den Moment zu leben und das Beste herauszuholen.

Hat die Sperre Sie zusätzlich motiviert, zurückzukommen - nach dem Motto: "Jetzt erst recht"? Nein. Klar, die letzten zwei Jahre waren für mich sehr schwierig. Ich musste lernen, zu verstehen, zu akzeptieren, zu verzeihen. Das hat mein Leben total umgekrempelt. Auf einmal hat sich alles komplett umgedreht, privat, beruflich - ich hatte nichts mehr, woran ich mich festhalten konnte. Das hat mich gezwungen, aus meiner Komfortzone auszusteigen. Ich bin nach Rom umgezogen, habe die Uni gewechselt und angefangen, in eine Ballettschule zu gehen. In einer tollen Gruppe habe ich dort jeden Tag trainiert. Ich habe in den letzten drei Jahren auch gelernt, in vielen Dingen flexibler zu sein. Ich wohne nicht mehr an einem Ort, ich reise sehr viel, habe meine Technik umgekrempelt.

Carolina Kostner - Eiskunstläuferin

Foto: Tatjana Flade

Wann haben Sie Ihr Comeback ernsthaft in Angriff genommen?

Als die Sperre im Dezember 2015 vorbei war, ist erst einmal ein riesiges Gewicht von mir gefallen. Dann habe ich wieder anfangen können, mich über die Zukunft zu freuen. Mir war damals wichtig, dass ich das Negative ins Positive verwandelt habe. Ich durfte studieren, die Kunst des Tanzens näher kennenlernen und mehr Zeit mit meiner Familie und Freunden verbringen. Das hat mir viel Kraft gegeben, mich an meine Fundamente zurückgeführt. Von dort, von dieser Basis, von ganz unten oder von ganz innen heraus, habe ich gemerkt: Ich liebe das, was ich mache. Ich habe dann im Mai 2016 in den Camps von Erfolgscoach Alexej Mischin zunächst in Estland, später in Frankreich und dann in St. Petersburg wieder angefangen.

Wie verlief die bisherige Zusammenarbeit aus Ihrer Sicht?

Zu Beginn habe ich Herrn Mischin gebeten, dass ich mit seinen Kleinen in der Früh die Basisstunde mitmache. Wenn ich mit ihm arbeite, wollte ich das Grundprinzip verstehen und nicht einfach nur sagen: Ich bin hier, ich will meinen dreifachen Lutz. Ich habe lange an meiner Basis geschraubt, so wie in der Werkstatt. Es gab viele Stürze, und oft hat er auch gemerkt, dass ich ziemlich frustriert war. Dann kam der Moment, an dem ich merkte, oh, das war ein bisschen besser. Es waren ganz kleine Schritte, aber es war aufregend. Wenn ich daran denke, was ich in den sechs Monaten geschafft habe, kann ich mir vorstellen, dass ich noch einiges darauf aufbauen kann. Das gibt mir ganz, ganz viel Selbstbewusstsein und Sicherheit, dass der Weg der richtige ist.

Vor Ihrer Pause haben Sie bei Michael Huth in Oberstdorf trainiert. Wie kam es zur Entscheidung, nach Russland zu gehen?

Ich nahm schon 2006 und 2007 an Sommercamps von Herrn Mischin teil und war schon damals begeistert. Ich habe Herrn Huth, von dem ich sehr viel mitgenommen habe und der mich auch weiter unterstützt, gesagt, dass ich das Gefühl habe, dass ich bei Herrn Mischin weiter dazulernen kann. Ich fragte, ob er damit einverstanden wäre, wenn ich für eine längere Periode nach St. Petersburg gehe. Er hat mir ganz viel Mut gemacht und gemeint: "Ja, mach das, du schaffst das." Das fand ich klasse. Beide Trainer sind von der Kreativität her und von der Herangehensweise sehr ähnlich.

Sie sind in einem Alter zurückgekehrt, in dem viele Läuferinnen schon aufgehört haben.

Ich verspüre einfach noch den Wunsch, zu laufen. Es liegt mir am Herzen, all das zu teilen, was ich in den Jahren gelernt habe und umsetzen konnte, an was ich glaube und was mich begeistert. Ich habe das Glück, dass mein Körper das alles mitmacht. Dazu muss ich sagen, dass ich sehr viel dafür tue. Es ist nicht nur das Training, sondern eine Lebensart, dass man auf seinen Körper aufpasst und das ein bisschen an erste Stelle stellt. Meine Familie und meine Freunde sind sehr verständnisvoll, unterstützen mich. Auch Offenheit ist wichtig. Man darf nie das Gefühl haben, dass man angekommen ist, und nie vergessen, wo man hergekommen ist. Die schwierigen Momente haben mir beigebracht, dass man den Zeitpunkt genießen muss, wenn er da ist.

Die WM 2018 findet in Mailand statt. Wollen Sie dort starten?

Es ist eine große Freude, wenn die WM im eigenen Land stattfindet. Ob ich dabei bin, kann ich noch nicht zu hundert Prozent sagen. Ich werde mein Bestes versuchen.

 
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