Zum Heimspiel gegen Magdeburg waren mehr als 5300 Zuschauer ins Stadion Gellertstraße gekommen. In der veralteten Arena soll ab der kommenden Saison Drittliga-Fußball geboten werden. Unter den jetzigen Bedingungen lässt der DFB dies aber nur noch für ein Jahr zu. 
Zum Heimspiel gegen Magdeburg waren mehr als 5300 Zuschauer ins Stadion Gellertstraße gekommen. In der veralteten Arena soll ab der kommenden Saison Drittliga-Fußball geboten werden. Unter den jetzigen Bedingungen lässt der DFB dies aber nur noch für ein Jahr zu.

Foto: Härtelpress

Chemnitz und der CFC - Kritik an der Stadt wird lauter

Das für Profifußball untaugliche Stadion an der Gellertstraße bereitet Sorgen

Chemnitz. Es war auf den ersten Blick eine gute Nachricht vom Deutschen Fußball-Bund (DFB), die in der Geschäftsstelle der Himmelblauen auf den Tisch flatterte. Der CFC hat die Zulassung für Liga drei ohne Bedingungen erhalten. Jetzt heißt es für den Verein, bis Anfang Juni die notwendigen Werbeeinnahmen vertraglich zu sichern. Die Chemnitzer planen mit einem Etat von 4,1 Millionen Euro und erwarten wie in jedem Jahr einen Kampf bis zum letzten Tag um die Absicherung des Budgets.

Noch weitaus schwieriger wird es, die Heimspielstätte an der Gellertstraße für den Profifußball fit zu machen. Annähernd 1000 Sitzplätze fehlen beispielsweise. Für die kommende Saison drückt der DFB ein Auge zu, räumt eine Übergangsfrist von einem Jahr ein. Während andere größere ostdeutsche Städte längst über neue, moderne Arenen verfügen beziehungsweise mit dem Bau begonnen haben, spielen die Himmelblauen weiter in einem Sportmuseum. "In seiner Grundstruktur ist das Stadion auf dem Niveau der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stehen geblieben", sagt Vorstandsvorsitzender Mathias Hänel.

Davon konnten sich am Mittwochabend auch gut 70 Firmenvertreter überzeugen. Der Kreisverband Chemnitz des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft hatte erstmals beim CFC zu seinem traditionellen Unternehmertreffen eingeladen. "Unser Ziel ist es, Unternehmer dafür zu sensibilisieren, sich auf irgendeine Weise für den Fußballclub zu engagieren. Denn in Chemnitz fehlt eine Lobby für den Verein", betonte Vorsitzender Bernd Reinshagen. Der Verbandschef übte scharfe Kritik an der Kommune. "Wir sind fast die einzige Stadt in den neuen Bundesländern, die mit einem alten Stadion auskommen muss. Das ist ein Zustand, den man nicht hinnehmen kann. Im Rathaus fehlt das ernsthafte Interesse, hinsichtlich des Stadions etwas zu tun", erklärte Reinshagen.

Uwe Bauer, Aetka-Vorstand. Uwe Bauer, Aetka-Vorstand.

Foto: Wolfgang Schmidt/Archiv

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig hatte in einem "Freie Presse"-Interview erklärt, dass sie derzeit keine Notwendigkeit für eine neue Arena sieht. Was andere Städte angeht, staune sie beispielsweise über die Hallenser, "dass sie sich trotz hoher Verschuldung ihrer Kommune ein neues Stadion leisten". In Chemnitz, so Ludwig, sei das nicht möglich. "Die Landes- direktion würde so ein Projekt gar nicht genehmigen", fügte das Stadtoberhaupt hinzu.

Uwe Bauer, Vorstand des CFC-Hauptsponsors Aetka, wollte diese Aussagen nicht bewerten. "Was das Stadion angeht, sehe ich die Kommune jedoch in der Pflicht. Schließlich stehen wir in Konkurrenz zu anderen Städten", sagte Bauer am Mittwochabend. Auf die Frage, ob er einen privat finanzierten Umbau der Arena für möglich hält, antwortete er: "In Chemnitz ist die Wirtschaftskraft vorhanden, um sich an der Stadionsanierung zu beteiligen. Das Thema wird kommen." Der Aufstieg des CFC - und von dem geht der Hauptsponsor fest aus - werde alle Beteiligten in Zugzwang bringen. "Und das ist doch etwas Positives", unterstrich der Aetka-Vorstand, der das Unternehmertreffen initiiert hatte.

Das Logo des Handy-Dienstleisters aus Hartmannsdorf prangt seit Ende Oktober 2010 auf den Trikots der Chemnitzer Kicker. "Wir werden so lange auf dem Dress bleiben, bis uns jeder kennt. Das ist leider noch nicht der Fall", bemerkte Bauer schmunzelnd. Das Unternehmen hatte den CFC in den Jahren zuvor mit kleineren Beträgen für den Nachwuchs unterstützt. "Im vergangenen Herbst haben wir dann gesagt: Wir wollen klotzen statt kleckern", so Bauer. Die Entscheidung, bei den Himmelblauen als Hauptsponsor einzusteigen, sei goldrichtig gewesen. "Alle unsere Erwartungen sind übertroffen worden", betonte der Chemnitzer. Schon als Junge, der im Beimlergebiet aufwuchs, sei er zu den Spielen des damaligen FCK ins Stadion gegangen. Vor allem an Jürgen Bähringer und dessen hammerharte Weitschüsse denkt Bauer gern zurück. "Da musste man jedes Mal Angst haben, dass das Tor zusammenfällt."

Bähringers Nachfolger können heute Abend Nägel mit Köpfen machen. Der CFC tritt um 18 Uhr beim Hamburger SV II an. Austragungsort ist das Edmund-Plambeck-Stadion in Norderstedt.

 
erschienen am 29.04.2011 ( von Mario Schmidt )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
6
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  • 11.05.2011
    18:21 Uhr

    gelöschter Nutzer: @dogbernie
    Schon gelesen?
    "Chris Löwe (22/Chemnitzer FC): Der Wechsel des Mittelfeld-Spielers ist beschlossene Sache. Für ca. 200 000 Euro kommt der Linksfuß zur neuen Saison zum BVB."
    Quelle: B-Zeitung

    0 0
     
  • 02.05.2011
    14:39 Uhr

    dogbernie: @Lithops: Die Bemerkung mit den Legionären ist wohl ziemlicher Blödsinn wenn man sich die Mannschaft betrachtet. Hier spielen mehrere Akteure mit, welche mit dem CFC seit Jahren verbunden sind oder zumindest aus Sachsen kommen und bei anderen Vereinen der Region gespielt haben. Und was bitte ist "überbezahlt", haben Sie konkrete Kenntnisse über das was die Spieler bekommen - geht man vom "verdienen" aus ist das angesichts der Leistungen in dieser Saison wohl durchaus nicht zu viel. Warum berücksichtigen Sie nicht das der CFC seit vielen Jahren Sozialarbeit leistet aus der sich Kommune und Staat zunehmend zurückziehen? Das man Kindern eine sportliche Heimat gibt, sich teils ehrenamtlich tätige Trainer und Betreuer um Kinder und Jugendliche kümmern die sonst vielleicht irgendwie abdriften würden? Das der CFC vielen Menschen in der Stadt die ansonsten ein eher graues Leben haben zumindest in dieser Saison für ein paar min. wieder Auftrieb gibt? Ich fordere übrigens kein neues Stadion, aber entsprechende Maßnahmen um diese Arena wenigstens drittligatauglich zu machen. Wenn die Stadt nicht mal dafür mehr etwas übrig hat, für einen enormen Werbeträger nächste Saison in der 3. Liga - die übrigens auch in der ARD-Sportschau stattfindet - dann tut es mir leid. Chemnitz hatte mal einen OB unter dem Chemnitz als Sportstadt einen Namen hatte - nicht mal unbedingt mit dem Hineinpumpen von Geld, sondern vor allem mit viel Herzblut, Ideenreichtum, Engagement für Sponsoren. Unter dem wäre auch das Stadion Sportforum nicht in einem Zustand gekommen wo man sich vor Sportfreunden anderer Städte schämen muss. Man hätte es nicht soweit kommen lassen müssen. Die Lustlosigkeit von Frau Ludwig - nicht nur in diesem Bereich - ist erschreckend.

    0 2
     
  • 29.04.2011
    17:02 Uhr

    Hacketoni: Ein ganzes Land wundert sich über eine kleine Provinz aus dem Erzgebirge. Jeder kennt sie, das Nest mit den drei Buchstaben. Warum, weil sie jedes Wochenende auf mehreren nationalen TV-Sendern zu sehen ist.--Wahnsinn-- was für eine Werbung für solch ein kleines Nest. Fragt man aber im Westen der Republik nach Chemnitz -keine Antwort, aber dann doch noch etwas -DFB POKAL- CFC: VFB STUTTGART -kleines marodes Stadion, viel zu wenig Licht, kein Standart der heutigen Zeit und im Hindergrund des Stadions viele furchterregende Ruinen die 120 Minuten lang in fast jedes Wohnzimmer Deutschland für Entsetzen sorgten. Gesamtfazit: von Nachkriegs-Deutschland bis typisch OSTEN (chemnitz). Meinen Slogen wir sind die STADT DER MODERNE verklebte mir meinen Hals. Na klingelts endlich Frau Babara Ludwig?! Nichts bewegt die Menschenmassen in Deutschland mehr als Fussball (vielleicht leider - ist aber so) Nutzen sie den Fussball als PR-PLATTFORM FÜR CHEMNITZ. Chemnitz hatte in der Vergangenheit bis heute so viele weltberühmte Sportler hervorgebracht , die durch profesionelles Training und auch vielen Qualen, ihre geliebte Stadt Chemnitz in aller WELT bekannt machten, ich denke, daß nun auch mal die Stadt Chemnitz dran ist, für ihren SPORT PROFESIONELL zu handeln!!!

    0 1
     
  • 29.04.2011
    10:02 Uhr

    mkl81: Die Stadt und das Land werden sich an einer Stadionsanierung beteiligen, da bin ich mir sicher. Vor allem dann, wenn die regionale Wirtschaft auch ihren Beitrag leistet, und das hat sie bislang immer beeindruckend getan.
    Zwar brauchen wir kein rein städtisches Fußballstadion, in das nur öffentliches Geld geflossen ist - wohl aber brauchen wir endlich ein klares Bekenntnis der Stadt zum Sport.
    Und übrigens braucht eine Stadt wie Chemnitz überbezahlte Sportprofis! Denn nur wer konstant und diszipliniert auf hohem Niveau seine Leistung bringt, kann vom Sport leben - und diese Leute sind in der Tat Vorbilder für die Jugend! Das gilt nicht nur für den Fußball..

    0 1
     
  • 29.04.2011
    09:40 Uhr

    gelöschter Nutzer: "Sportstadt Chemnitz". Das ich nicht lache. Da gehört nicht nur das Rentnerschwimmen und ein jährliches Fahrradfahr- und Laufevent dazu, sondern auch professioneller Fußball. Dastadion hätte man schon in den 90zigern in Angriff nehemn müssen, als Chemnitz in der 2. Liga spielte.
    Wo sollen die Kinder eigentlich ihre Vorbilder für erfolgreichen Sport und Bewegung her bekommen?
    Ach ja, Vorbilder hätten sie ja dann eventuell, aber gleichzeitig mit Sperrschildern versehene Wiesenflächen in den Wohngebieten.

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