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Die Chemnitzer Sophie Scheder, Andreas Bretschneider und Pauline Schäfer (von links) sind wichtige Stützen in den deutschen Teams.

Foto: Kristin Schmidt

Chemnitzer Trio kämpft um Olympia

Bei der Turn-WM in Glasgow gibt es für die deutschen Teams nur ein Ziel: den Mannschafts-Startplatz für die Sommerspiele 2016 in Rio.

Von Martina Martin
erschienen am 21.10.2015

Chemnitz/Glasgow. Zum dritten Mal in Folge starten Sophie Scheder, Pauline Schäfer und Andreas Bretschneider gemeinsam bei einer WM. War für die Gerätkünstler aus Chemnitz anfangs schon die Teilnahme ein Riesenerfolg, so haben sie sich inzwischen zu wichtigen Stützen in den jeweiligen Auswahlteams entwickelt. Wenn es um die Nominierungen für die Saisonhöhepunkte geht, dann ist an ihnen kein Vorbeikommen mehr. Und nicht nur das: Alle drei besitzen auch international inzwischen einen hohen Bekanntheitsgrad. Pauline Schäfer am Balken und Andreas Bretschneider am Reck konnten sich mit eigens kreierten schwierigen Weltneuheiten bereits einen Platz im Code de Pointage (Einstufung im internationalen Regelwerk) sichern. Sophie Scheder, die zuletzt im Sommer mit zwei Medaillen bei den Europaspielen für Furore sorgte, möchte in Schottland bezüglich eines neuen Elementes an ihrem Paradegerät Stufenbarren "nachziehen".

Doch diese und andere Ambitionen für eventuelle Einzel- finalplätze rücken beim Saison- höhepunkt erst einmal völlig in den Hintergrund. Der Fokus liegt ganz klar auf den Qualifikationswettkämpfen. Denn die besten acht der insgesamt 24 antretenden Teams können sich direkt das Ticket für Olympia in Rio sichern. Diesem Ziel, das für beide Riegen realistisch erscheint, ist alles untergeordnet.

"Wir haben eine echt gute Mannschaft, können das schaffen", waren sich nach dem abschließenden Test in Dessau Pauline Schäfer und Sophie Scheder einig. Beide hatten bei diesem Ländervergleich mit starken Auftritten geglänzt, kontinuierliche Steigerungen nachgewiesen und sich im deutschen Ranking fast punktgleich an die Spitze gesetzt. Bei den zwei Nominierungswettkämpfen zuvor mussten sich die beiden 18-Jährigen indes noch der erfahrenen Elisabeth Seitz (u. a. EM-Zweite 2011) knapp geschlagen geben. Auf diesem Spitzentrio, dass national mit großem Abstand dominiert und bei der WM alle vier Geräte bestreitet, ruhen deshalb die größten Hoffnungen. Von den Leistungen zeigte sich auch Cheftrainerin Ulla Koch sehr angetan. "Unser dritter Durchgang in Folge war der beste. Wenn uns so einer auch in Glasgow gelingt, sind wir auf dem Weg nach Rio", versprühte sie Optimismus. Diesen Gesamteindruck konnten ihre jungen Damen am späten Montagabend in Glasgow dann auch beim Podiumstraining - dem stets einzigen Test an den Originalgeräten - weitestgehend bestätigen.

Für die deutschen Herren steht diese Generalprobe heute Mittag auf dem Programm. Andreas Bretschneider wird sich wie geplant an fünf Geräten (außer Pauschenpferd) vorstellen - und dabei erneut die Schmerzen verdrängen. Denn beim zweiten Qualifikationswettkampf Anfang Oktober in Stuttgart hatte er sich den Zeige- und Mittelfinger (teilweise Bruch) der linken Hand verletzt. Doch ein Aufgeben war nie ein Thema für ihn. Schon gar nicht seit er sich nach seinem Riss der Achillessehne im März binnen weniger Monate mit unbändigem Ehrgeiz wieder an die nationale Spitze herangekämpft hatte und diese inzwischen entscheidend mitbestimmt. Cheftrainer Andreas Hirsch sprach sogar von einem Wunder, wie der Chemnitzer, der sich "als richtiger Kerl nicht von seinem Ziel abbringen lässt", das geschafft hat.

Das Training gestaltete sich zuletzt schon schwierig. Dabei bereitet Andreas Bretschneider der Fuß keine Probleme mehr. Aber die Finger zwicken teilweise mächtig, besonders am Barren, an dem auch das Missgeschickt passierte. "Ich kenne kaum jemanden, der so viel Härte an den Tag legt. Breti hat aber einen so starken Willen und eine unglaubliche Fähigkeit, sich durchzubeißen", ist selbst sein Trainer Sven Kwiatkowski, der das Metier als einst ebenso erfolgreicher Auswahlakteur bestens kennt, immer wieder aufs Neue beeindruckt.

Was seinen Schützling vor allem antreibt, ist natürlich die Erfüllung des Olympiatraumes. Das Erlebnis 2012 in London als Ersatzturner unter den Zuschauern zu sitzen, war so bitter. "Wenn wir unser Ding durchziehen, sollte es funktionieren", hofft der 25-Jährige nun sehnlich. Deshalb steht auch für ihn die Sicherheit im Vordergrund, wird er kein zu hohes Risiko eingehen. Obwohl er seinen "Bretschneider" am Reck sicher gern gezeigt hätte: Er kann die Entscheidung nachvollziehen, dass er nach zwei zuletzt misslungenen Wettkampfauftritten in der Qualifikation darauf verzichtet. "Klar, dass die Einzelinteressen zurückstehen." Kommt es jedoch wie erhofft zu weiteren Einsätzen bei dieser WM, wird er sein Element in Glasgow natürlich präsentieren.

 Aufgebot und Service

Deutsches Aufgebot: Frauen: Pauline Schäfer, Sophie Scheder (beide Chemnitz); Elisabeth Seitz, Lisa-Katharina Hill (beide Stuttgart), Pauline Tratz, Leah Grießer (beide Karlsruhe). Ersatz: Sarah Voß (Bergisch-Gladbach)

Männer: Andreas Bretschneider (Chemnitz), Fabian Hambüchen (Wetzlar), Marcel Nguyen (Unterhaching), Andreas Toba (Hannover), Sebastian Krimmer (Stuttgart), Philipp Herder (Berlin). Ersatz: Christopher Jursch (Cottbus).

Zeitplan: Freitag: ab 10.15 Uhr: Qualifikation Frauen (Deutschland ab 21.50 Uhr); Sonnabend: ab 10.15: Qualifikation (F,); Sonntag: ab 9.15: Qualifikation Männer (Deutschland ab 12.45 Uhr); Montag: ab 9.15: Qualifikation (M); Dienstag: ab 18.45: Teamfinale (F); Mittwoch (28. 10.): ab 18 Uhr: Teamfinale (M). Donnerstag : ab 18.45: Mehrkampffinale (F); Freitag (30.10.): ab 18.10: Mehrkampffinale (M); Sonnabend: ab 13.30: Gerätfinals (1. Teil; F, M); Sonntag: ab 13.30: Gerätfinals (2. Teil; F, M).

 
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