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Max Lang jubelt nach seinen sechs gelungenen Vorstellungen bei der EM.

Foto: SCHREYER

Chemnitzer pirscht sich an europäische Spitze heran

Bei der Gewichtheber-EM im kroatischen Split gelangen Max Lang persönliche Rekorde. Diese Steigerungen waren nach der Vorbereitung nicht unbedingt zu erwarten.

Von Martina Martin
erschienen am 07.04.2017

Split/Chemnitz. Seit Donnerstagmittag weilt Max Lang schon wieder in Deutschland. Wie für all seine Teamgefährten stand bereits am Morgen nach der jeweiligen Entscheidung aus finanziellen Gründen die Rückreise an. Doch groß zum Verschnaufen kam der Chemnitzer nicht. Sein Flug ging bewusst nach Köln, denn vom Flughafen fuhr er direkt zur internationalen Fitness-Messe FIBO. Vier Tage weilt er dort, um Promotionsaufgaben für einen Sponsor sowie die Firma Eleiko (Hersteller von Kraft- und Gewichtheberausrüstungen) zu erfüllen. Autogrammkarten hat er vorsichtshalber auch dabei.

Obwohl es bei der EM im kroatischen Split am späten Mittwochabend noch nicht ganz zu einer Medaille reichte, gehört der 24-Jährige hierzulande zu den populärsten Gewichthebern. Die Anhänger wissen zu schätzen, was der Sachse mit der Eisenstange leistet, mit seinem kampfstarken Auftreten und seiner bescheidenen Art ist er längst einer ihrer Sympathieträger. Er selbst nutzt zudem auch die sozialen Medien, um auf kompetente und teilweise vergnügliche Weise über seinen Alltag zu berichten. "Für die Leute, die bei uns beispielsweise die Langhantel-Lizenz ablegen, ist Max Lang ein Begriff", berichtet sein Trainer Michael Vater, der ihn am Bundesstützpunkt in Leimen betreut. Der Coach zählt diese Form der Außendarstellung auch zu den Dingen, die für das professionelle Arbeiten seines Athleten sprechen. "Max ordnet seinem Sport alles unter. Dazu gehören die Lebensweise, die Ernährung, aber auch seine Selbstständigkeit, wenn er vor oder nach dem Training spezielle Übungen zusätzlich absolviert", schätzt der 41-Jährige. Gleichzeitig findet er es positiv, dass sein Schützling einen Freundeskreis außerhalb des Gewichthebens besitzt, bei dem er beste Ablenkung findet.

Michael Vater, Bundestrainer Gewichtheben

Foto: Kristin Schmidt

Seit Ende 2013 arbeitet das Duo zusammen. In Split gelang Max Lang nach dem dreifachen Medaillengewinn bei der U-23-EM nunmehr der wertvollste Coup bei den Männern. Er zeigte in der Kategorie bis 77 Kilogramm makellose Auftritte, erzielte neue persönliche Rekorde im Zweikampf (344 kg) und im Reißen (156), die jeweils Platz fünf brachten. Dazu "klopfte" er im Stoßen mit 188 kg als Vierter sogar am Podest (3.: 190 kg) an. "Ich hätte vorher nie gedacht, dass ich in diese Sphären komme. Mit meiner Leistung bin ich total zufrieden. Sechs gültige Versuche auf einer EM-Bühne haben für mich einen sehr hohen Wert, sind sehr wichtig für das Selbstvertrauen", meinte Max Lang im "Freie-Presse"-Gespräch. Ärger, dass vielleicht im Stoßen sogar noch etwas mehr drin gewesen wäre, gibt es bei ihm nicht. Er konnte zum Zeitpunkt seiner früheren Starts zudem nicht ahnen, dass einige der nachfolgenden Favoriten schwächelten. Wobei Michael Vater überzeugt ist: "Eine weitere Steigerung wäre nicht realistisch gewesen. Max zeigte einen Superwettkampf, da gibt es nix zu mäkeln. Die Ergebnisse sind besser als gedacht."

Auch der Auswahlakteur selbst staunte, dass er nach vergleichsweise kurzer spezifischer Vorbereitung diese Lasten zur Hochstrecke brachte. Wegen Schulterproblemen musste er längere Zeit auf spezielle Übungen verzichten und Vorsicht walten lassen, fehlte deshalb bei zwei Vergleichen in der Bundesliga. In dieser Zeit halfen ihm auch besonders einige Spezialbehandlungen bei Dr. Markus Kupfer, der den Chemnitzer AC als Mannschaftsarzt betreut. "Ich hatte dieses Mal ein Superfeeling, war topmotiviert und bin auch sehr gut in den Wettkampf gekommen", freute er sich, dass er erstmals überhaupt in seinem Anfangsversuch 150 kg bewältigte. Das war ihm zuletzt beim Halbfinale gegen Speyer noch misslungen. Nach diesem optimalen Auftakt ging es bis zuletzt perfekt weiter.

Max Lang, der bis zur C-Jugend beim Chemnitzer FC Fußball spielte und nach seinem Wechsel zu den Hanteln von den Chemnitzer Trainern Hartmut Keitel sowie Stefan Grützner aufgebaut wurde, startete so verheißungsvoll in den neuen Olympiazyklus. In Tokio 2020 möchte er nun unbedingt dabei sein, nachdem er 2016 die Rio-Teilnahme nur knapp verpasst hatte. Schuld daran war seine EM-Premiere im April 2016, bei der er in den entscheidenden Momenten sein Potenzial nicht abrufen konnte. Das passiert ihm äußerst selten - und ist als Negativerlebnis wohl nun endgültig ad acta gelegt.

 
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