Rico Schmitt muss seinen Stuhl räumen.Foto: dapd
Das verflixte siebente Jahr: Erzgebirge Aue beurlaubt Trainer Schmitt
Mit dem 1:1 gegen Braunschweig endete für Rico Schmitt die Tätigkeit beim Fußball-Zweitligisten
Aue. Nach dem 1:1 (1:1) gegen Braunschweig am Montagabend brach Aues Torhüter Martin Männel zum wiederholten Male eine Lanze für Chefcoach Rico Schmitt. "Unser Trainer hielt heute vor dem Spiel eine Ansprache, die mich und sicher auch viele meiner Mitspieler sehr berührt hat. Er erreicht die Mannschaft, er ist im Moment der richtige Trainer", betonte der Keeper. Das Vormittagstraining durfte Schmitt am Dienstag noch leiten. "Aber da habe ich schon gemerkt, dass etwas im Anflug ist", verriet Männel.
Während Schmitt mit den Spielern trainierte, rauchten im Vorstand des Fußball-Zweitligisten die Köpfe. Am Mittag stand die Entscheidung fest: Rico Schmitt muss seinen Stuhl räumen. Der 43-Jährige wurde mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Das für Mittwoch, 16.30 Uhr angesetzte Mannschaftstraining soll Co-Trainer Marco Kämpfe leiten.
"Leider waren die zurückliegenden Tage und Wochen nicht mehr überzeugend. Ein Sieg aus elf Spielen spricht eine deutliche Sprache. Darum mussten wir im Sinne des Vereins eine Entscheidung treffen", sagte Sportdirektor Steffen Heidrich in einer offiziellen Mitteilung des Vereins. Für eine tiefgründigere Stellungnahme war der 44-Jährige am Dienstag nicht erreichbar. Heidrich sei im Lande unterwegs, hieß es beim FCE. Die Zeit drängt, das weiß auch Aues neuer Sportdirektor, der mit Schmitts Demission schneller als erwartet zu einer unpopulären Maßnahme gegriffen hat. Möglichst schnell will Heidrich auch einen Nachfolger präsentieren. Der soll bereits am Sonnabend auf der Trainerbank des FC Erzgebirge sitzen.
Pikanterweise müssen die Veilchen dann bei Energie Cottbus antreten. Dort stand Heidrich bis Sommer 2011 als Manager unter Vertrag. Derzeit liegt der gebürtige Erzgebirger mit seinem ehemaligen Arbeitgeber im Clinch. Am Montag gab es einen Termin vor dem Cottbuser Arbeitsgericht wegen nicht gezahlter Prämien - ohne dass sich beide Parteien einigen konnten. Sportlich steht für die Auer in der Lausitz ebenfalls viel auf dem Spiel. Das Remis gegen Braunschweig war das sechste sieglose Spiel in Folge. Bis auf zwei Zähler ist der Abstand auf den Relegationsrang zusammengeschmolzen.
"Ich bin enttäuscht und traurig", kommentierte Männel die Entscheidung, die Präsident Bernd Keller der Mannschaft um 14.00 Uhr kurz und knapp mitgeteilt hatte. "Ich bin fest davon überzeugt, dass wir den Klassenerhalt mit Rico Schmitt geschafft hätten", ergänzte der Keeper. Mangelnden Einsatzwillen konnte man den Auern am Montagabend nicht absprechen, doch wie so oft in dieser Saison fehlte der Schmitt-Elf das nötige Quäntchen Glück. So vergaben Guido Kocer (84.) und Tobias Kempe (86.) in der Endphase frei vor dem gegnerischen Gehäuse beste Einschussmöglichkeiten.
"Ich hätte das Tor machen müssen. Das ist echt bitter. Aber so beschissen läuft das schon die gesamte Saison", bedauerte Kempe. Und so müssen die Veilchen weiter auf
einen Dreier warten, der ihnen zuletzt am 20. November beim 2:1 in Dresden gelang. Der letzte Heimsieg datiert gar vom 30. September 2011 (1:0 gegen Rostock). Am Montagabend gab es nach Spielende einige Pfiffe von den Rängen. Vereinzelte Plakate forderten die Entlassung des einstigen Erfolgstrainers Schmitt. Der hatte nach dem 1:1 noch fest an eine Zukunft in Aue geglaubt: "Ich gehe davon aus, dass mir das Vertrauen weiter ausgesprochen wird."
Männel diskutierte nach dem Abpfiff in der Fankurve noch lange mit den Anhängern. "Es ging nicht um den Trainer, sondern um die Leistung der Mannschaft. Da war ich zum Teil anderer Meinung." Der Torhüter findet es schade, "dass immer alles schlecht ist. Wenn in den Schlussminuten ein Tor fällt, liegen wir uns alle glücklich in den Armen." Der 23-Jährige hofft, dass Spieler und Zuschauer schnellstens wieder zusammenkommen. "Ich würde mir wünschen, dass uns die Fans über 90 Minuten hinweg nach vorn peitschen", sagte Männel. Vielleicht geht dieser Wunsch nach dem Trainerwechsel ja in Erfüllung.
Sportdirektor Steffen Heidrich zur Beurlaubung
22:09 Uhr
ohje: Was für eine Enttäuschung, das zu lesen. Steffen Heidrich ist mir jetzt schon unsympathisch. Dafür wurde er also geholt? Wäre nicht etwas Rückendeckung für die Mannschaft und den Trainer besser gewesen? Hätte man das Geld für Steffen Heidrich nicht sparen können? Wir sind doch gerade mal am Anfang der Rückrunde. Was ist mit gemeinsam gewinnen und gemeinsam verlieren? Wer hat denn die Erfolge nach Aue geholt? Das Präsidium nicht. Holt man jetzt wieder einen unbekannten, den man sich gerade mal leisten kann? Der sich mit der Region nicht identifizieren kann? Auf den die Mannschaft sich
erstmal einstellen muß. Ich glaube das hatten wir schon mal? Nach der Aktion wünsche ich dem Präsidium den Abstieg in Liga 3. Auf die restlichen Heimspiele verzichte ich. Nicht wegen der Mannschaft. Sondern wegen der "Beurlaubung".
21:25 Uhr
drahrebe: Das ist doch nur ein Rachakt von Heidrich. Schickt die Leitung in die Wüste.
Ich verstehe nicht, wie man jemand der die Probleme vor der Saison benennt, dann als Buhmann hinstellen kann. Da soll sich mal die Vereinsleitung an die Nase fassen und sich selbst fragen, welche Verantwortung sie tragen, die zu dieser Situation geführt hat. Wahre Fans sollten solange diese Kräfte wirken ein Zeichen setzen.
18:51 Uhr
fp2012: Da hat der Pöbel leider wieder über den Fussballsachverstand gesiegt. Schmitt war der richtige Trainer. Notfalls haette man mit ihm in Liga 3 gehen müssen. Jetzt geht es endgültig den Berg hinunter. Vielen Dank, Steffen Heidrich, für diesen Bärendienst. Nun werden sich die Nachfolger wieder die Klinke in die Hand geben. Schade, dass Stani zu teuer ist. Der wäre genau richtig für Aue. Nichtsdestotrotz: Vielen Dank an Rico Schmitt für die geleistete hervorragende Arbeit. Vielleicht wird dies woanders mehr gewürdigt. Verdient hätte er es.
18:46 Uhr
Freak: Ehrlich gesagt, bin ich absolut kein Aue-Fan (ich bin Chemnitzer!), aber was da passiert, ist nicht normal. Zu Zeiten, als Rico Schmitt die Auer-Mannschaft in die 2.BL führte und letztes Jahr eine Überraschungsplatzierung schaffte (wahrscheinlich wurde Aue noch nicht ernst genommen in der 2. BL), wurde er gefeiert. Und nach 2 Spieltagen nach der Winterpause sollte kein Trainer entlassen werden. Es liegt noch keine Basis bzgl. der sportlichen Entwicklung vor. Dass die Verantwortlichen teilweise Wahnvorstellungen von sportlichen Zielen haben, ist ihr Problem, wenn man hingegen das gestrige Spiel noch einmal vor seine Augen holt - Aue hat gekämpft (vielleicht in den ersten 30...35 Minuten etwas über dem Fitness-Limit), aber sie haben versucht zu kombinieren - eben nur beim "Gang" in den Strafraum wurde es etwas hektisch und somit nicht von Erfolg gekrönt. Hätte Braunschweig nicht dieses wirkliche Zaubertor per Freistoß erzielt und der Halbzeitstand wäre bei 1:0 geblieben, so würde ich als neutraler Beobachter sagen, dass Eintracht wahrscheinlich nervös in die 2. Hälfte gegangen wäre und Aue sicherlich mit etwas Glück das 1:0 bis zur 90. Minute irgendwie verteidigt hätte, wenn nicht sogar ein Kontertor noch drin gewesen wäre, denn Eintracht hätte alles nach vorn werfen müssen. Mir tut es echt Leid für Rico Schmitt. Aber vielleicht sehen wir dadurch Aue kommendes Jahr in der 3. Liga wieder :-) - geiles Derby!
16:28 Uhr
Pixelghost: Ich finde diese Entscheidung Quatsch. Das Spiel gestern hat mir deutlich gezeigt, dass die Mannschaft will und JEDER mitzieht.
In Sachsen trifft man zum großen Teil auf Menschen die, betrifft es die Dinge des Zusammenlebens in unserem Lande, vieles nicht für Gut heißen und das Meiste anders machen würden, insbesondere wenn es um den Umgang der Menschen mit- und untereinander geht. Zumindest sagen sie das so.
Nun aber macht man im Erzgebirge genau den gleichen - mit Verlaub - Scheiß, wie im Rest der Bundesliga-Ellbogen-Republik auch.