Kein guter Auftakt für die deutschen Schwimmer

Foto: (Pixathlon)

Debakel: Biedermann und Steffen gehen baden

Erst ging Weltrekordler Paul Biedermann regelrecht baden, dann verzockte sich Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen mit der Staffel: Die deutschen Schwimmer haben vor den Augen von Queen Elizabeth II zum Auftakt im Aquatics Centre ein Debakel erlebt. Zunächst scheiterte der dreifache Europameister Biedermann über 400 m Freistil im Vorlauf, gut eine Stunde später verpasste auch seine Freundin über 4x100 m Freistil das Finale. Damit waren schon am Mittag des ersten Tages zwei große Medaillenhoffnungen geplatzt.

"Ich bin natürlich enttäuscht und brauche jetzt eine Stunde, um mich zu sammeln", sagte Biedermann, nachdem er in indiskutablen 3:48,50 Minuten als Vorlauf-Zwölfter angeschlagen hatte. Verzweifelt suchte der 25-Jährige nach einer Erklärung: "Es lief nicht so gut. Ich wollte von vorne angehen, das hat auch gut geklappt. Ich konnte es aber hintendrauf nicht mehr halten."

Die ersten 100 m war der Hallenser ungewohnt schnell angegangen, sogar rasanter als bei seinem Weltrekord 2009 in Rom (3:40,07). "Nein, ich bin nicht zu schnell angegangen. Es war so, wie es sein sollte", sagte er. Am Ende fehlte ihm aber die Kraft für den Schlussspurt, der sonst immer seine Stärke war. Mehr als vier Sekunden fehlten ihm zu seiner Zeit beim WM-Bronze vor einem Jahr in Shanghai.

Britta Steffen und ihre Staffelkolleginnen verpokerten sich danach. "Wir haben vielleicht die Konkurrenz unterschätzt", sagte die Berlinerin: "Mit der WM-Bronzemedaille vom letzten Jahr haben wir eigentlich gedacht, dass wir sicher ins Finale kommen." Steffen legte als Startschwimmerin der Europameisterstaffel 54,43 Sekunden vor, "für den Vorlauf eine ganz gute Zeit, ich habe ja auch als Zweite angeschlagen". Silke Lippok, Lisa Vitting und Daniela Schreiber fielen dann aber immer weiter zurück. Am Ende reichten 3:39,16 Minuten nur für den neunten Platz.

"Wir wollten uns ein kleines bisschen Reserven lassen, aber scheinbar war das zu viel", sagte Schreiber und deutete an, dass dies Anweisung der Trainer war: "Selber ausgedacht haben wir uns das nicht." Steffen wollte die Verantwortung für das Aus nicht anderen zuschieben. "Wir haben es selber verbockt, wir sind ja mündige Athleten", sagte die 28-Jährige und bilanzierte: "Schlechter kann es nicht werden."

Auch die vier anderen deutschen Starter verabschiedeten sich am Samstag schnell. Yannick Lebherz (Potsdam), Alexandra Wenk (München), Christian vom Lehn (Wuppertal) und Hendrik Feldwehr (Essen) schieden geschlossen in ihren Vorläufen aus. Die 17-jährige Wenk verpasste als 21. in 58,85 Sekunden das Halbfinale über 100 m Schmetterling. Vom Lehn (1:00,78) und Feldwehr (1:01,00) scheiterten als 19. und 21. über 100 m Brust. Der deutsche Rekordhalter Lebherz ist nach Platz elf über 400 m Lagen in 4:15,41 Minuten beim ersten Duell der beiden US-Stars Michael Phelps und Ryan Lochte am Abend nur Zuschauer.

Rekord-Olympiasieger Phelps verhinderte als Vorlaufachter nur um sieben Hundertstelsekunden das frühe Aus. Sein großer Rivale Lochte machte es als Dritter weniger spannend. "Ich war langsamer als vor vier Jahren, aber du gewinnst keine Goldmedaille im Vorlauf", sagte Phelps. Der 27-Jährige will bei seinen letzten Spielen erneut Geschichte schreiben und als erster Schwimmer drei Goldmedaillen in Folge auf derselben Strecke gewinnen.

Für Biedermann ist die erste Olympia-Medaille nach dem Fehlstart in weite Ferne gerückt. In dieser Form dürfte der deutsche Vorzeigeschwimmer auch über 200 m Freistil keine Chance haben. Bereits am Sonntagmorgen muss er im Vorlauf erneut ins olympische Becken. "Da hoffe ich auf ein besseres Ende", sagte der ehemalige Doppel-Weltmeister. Schon bei seinem Olympia-Debüt in Peking hatte er über 400 m das Finale verpasst, auf der halben Distanz wurde er dann noch Fünfter.

Im Endlauf am Abend fehlt neben Biedermann auch Titelverteidiger und Weltmeister Park Tae Hwan. Der Südkoreaner wurde als Sieger seines Vorlaufes disqualifiziert, weil er zu früh gestartet war. Schnellster am Morgen war Topfavorit Sun Yang. Der Weltranglistenerste aus China ließ in 3:45,07 die gesamte Konkurrenz hinter sich. Die herausragende Leistung am Samstagmorgen bot Weltmeisterin Dana Vollmer (USA), die in 56,25 Sekunden über 100 m Schmetterling Olympiarekord schwamm.

 
erschienen am 28.07.2012
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