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Es geht vorwärts, aber wohldosiert. David Storl lässt beim Training im Chemnitzer Sportforum wieder die Kugeln fliegen.

Foto: Andreas Seidel

Die Kugel wieder in der Hand

David Storl ist im Plan und das lädierte Knie beim ehemaligen Bayern-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in guten Händen. Der Chemnitzer schwört auf den bekannten Sportmediziner.

Von Thomas Treptow
erschienen am 27.01.2016

Chemnitz. Zwei Treppenstufen auf einmal zu nehmen, das ist für einen gesunden Leistungssportler keine große Hürde. Für einen am Knie verletzten wie David Storl schon. Er registrierte die vermeintliche Kleinigkeit höchst erfreut: "Wenn du dann noch oben ankommst, ohne es zu bereuen, ist das ein prima Gefühl", erzählte der Vizeweltmeister beim Empfang des Leichtathletik-Verbandes Sachsen im Wasserschloss Klaffenbach. "Das letzte halbe Jahr hat mir echt gutgetan", sagt er. Das ist ihm anzusehen. Der 25-Jährige vom SC DHfK Leipzig, der keine Hallensaison bestreitet, wirkt fit und auch entspannt. Wohldosiertes Training und zweieinhalb Wochen Urlaub, erst in Südtirol und dann an der Ostsee, taten viel dazu.

Eine Kugel nahm David Storl allerdings erst vor ein paar Tagen wieder in die Hand, aus dem Stand ließ er sie fliegen. Nach der Leichtathletik-WM im vergangenen August in Peking ging mit der entzündeten Patellasehne im linken lädierten Knie nichts mehr. "Nach der WM war es krass. Ich hatte vom Kopf her keinen Antrieb mehr, dass ich in zwei Monaten wieder mit dem Mist anfange. Ich wollte nicht mehr über den Schmerz hinwegtrainieren", sagt der Chemnitzer, der sich beim Münchner Sportmediziner Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt vorstellte.

Der ehemalige Bayern-Doc und Mannschaftsarzt der deutschen Fußball-Weltmeister gilt als Koryphäe. Termine bei dem Orthopäden sind heiß begehrt: "Easy ist es dort nie, weil die Praxis richtig voll ist. Es gab auch schon Sportler, die sechs, sieben Stunden warten mussten", berichtet David Storl. Dem Hünen aus Sachsen blieb dieses Mühsal erspart. Nach einer Woche durchgängiger Behandlung im Oktober folgten weitere, jeweils kürzere Sitzungen. Inzwischen ist der zweifache Weltmeister alle sechs bis acht Wochen in München. Angetan ist er nach wie vor: "Ich habe noch nie eine Diagnose gestellt bekommen, für die soviel Zeit aufgewendet wurde. Alles läuft auf homöopathischer Basis ab, da ist keine Chemie, kein Kortison im Spiel. Als Sportler fühlt man sich dort gut aufgehoben."

Auch Müller-Wohlfahrt selbst hat ihn beeindruckt: "Wenn er den Raum betritt, liegt Euphorie in der Luft. Er reißt einen mit. Da gehst du gut gelaunt raus und hast sofort Bock, weiter zu trainieren", schwärmt David Storl. Fehlstellungen der Hüfte, der Wirbelsäule oder des Fußgelenks werden auch von einem niederländischen Osteopathen behandelt. "Da wird nicht das Problem behoben, sondern die Ursachen für das Problem".

Zusammen mit seinem Coach Sven Lang und einem Arzt aus Chemnitz war David Storl Ende erst vor sechs Tagen wieder in der bayerischen Landeshauptstadt. Es sieht gut aus. "Alles ist okay. Wir sind im Plan und können jetzt die Trainingsumfänge erhöhen", sagt Sven Lang, der für Ende Mai/Anfang Juni mit dem Einstieg seines Schützlings ins Wettkampfgeschehen rechnet. Der Heim- und Bundestrainer ist auch aus einem anderen Grund optimistisch: "David hat ein unheimlich hohes Grundniveau, das geht nicht so schnell verloren."

Bewusst verloren hat David Storl etwas an Gewicht. 115 Kilo bringt er momentan auf die Waage. 128 Kilo waren es 2012, als er bei den Olympischen Spielen in London Silber holte. Aus der Ruhe bringt ihn das nicht. "Zur Zeit trainiere ich viel Kraft und viel allgemeine Athletik. Das verbrennt Kalorien. Im Sommer, wenn der Trainingsumfang ein bisschen runter geht, dann sieht das schon wieder anders aus." Dann will David Storl wieder zulegen, etwas an Gewicht und viel an Leistung. Die zwei Stufen, die bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro bis aufs oberste Podest führen, würde er aber sicher auch so schaffen.

 Topathleten bei Titelkämpfen

Mit einem veränderten Konzept warten die Offenen Sächsischen Hallen-Meisterschaften der Leichtathleten am Wochenende in Chemnitz auf. Im Hauptprogramm am Sonnabend (14 bis ca. 16.15 Uhr) wollen sich zahlreiche einheimische Asse dem Publikum in der geballten Form eines Hallen-Meetings präsentieren.

Die WM-Achte Kristin Gierisch und Trainingsgefährte Max Heß (beide LAC Chemnitz), der U20-Europarekordler im Weitsprung, haben sich im Dreisprung einiges vorgenommen. Im 60-m-Hürdensprint der Männer geben die beiden starken Leipziger Alexander John und Erik Balnuweit ihre Visitenkarte ab.

Sprinterin Rebekka Haase (LV 90 Erzgebirge), bei der Junioren-EM 2015 dreifache Goldmedaillengewinnerin und WM-Fünfte mit der deutschen Staffel, geht sowohl über 60 als auch über 200 Meter auf Titeljagd.

Zum Bruderduell kommt es im Kugelstoßen der Männer. Patrick Müller (SC Neubrandenburg) trifft auf Hendrik Müller (LAC). Patrick trainiert seit dieser Saison wie sein älterer Bruder ebenfalls bei Sven Lang in Chemnitz.

Christina Schwanitz und David Storl, die Weltmeisterin und der Vize-Weltmeister im Kugelstoßen, werden in der Halle im Sportforum zwar nicht aktiv, aber vor Ort sein und Autogrammwünsche erfüllen.

Einen spannenden Kampf verspricht der Hürdensprint der Damen, wo die deutsche Vize-Meisterin Franziska Hofmann (LAC) u. a. auf Carolin Dittrich treffen wird. Unter ihrem Mädchennamen Nytra holte die gebürtige Hamburgerin 2011 in Paris Gold bei der Hallen-EM.

Das Team Rio des Sächsischen Leichtathletik-Verbandes wird offiziell berufen: Dazu gehören: Christina Schwanitz, Rebekka Haase (LV 90 Erzgebirge), Kristin Gierisch, Franziska Hofmann (beide LAC Chemnitz), David Storl, Cindy Roleder, Erik Balnuweit, Alexander John, Robert Hering (alle SC DHfK Leipzig), Lars Hamann, Jenny Elbe (Dresdner SC). (tt)

 
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