Dobry macht's immer noch gut

CFC-Trainer Gerd Schädlich hat im Heimspiel gegen Unterhaching die Qual der Wahl

Chemnitz. "Ja leider" entgegnet Pavel Dobry, wenn er auf seinen heutigen 36. Geburtstag angesprochen wird. Der Tscheche weiß, dass die Uhr für seinen Beruf als Fußballprofi unaufhörlich tickt. Aber dem stets freundlichen Sportler aus Pilsen ist genauso bewusst, dass es fast schon an ein Wunder grenzt, immer noch bei einem Drittligisten unter Vertrag zu stehen. "Ich trainiere gut und ein bisschen mehr als meine Kollegen. Das muss ich auch tun in meinem Alter. Ich fühle mich noch fit, will noch einige Spiele machen und Spaß haben", erzählt Dobry.

 

Von Mauksch aussortiert

 

Im Sommer 2010 kam er auf den letzten Drücker von Dynamo Dresden, wo ihn Matthias Mauksch aussortiert hatte, zum CFC. In Chemnitz mauserte sich Dobry zum Stammspieler. Im Aufstiegsjahr schoss er in 30 Spielen 8 Tore. Mit seiner geballten Routine, seinem Vermögen, den Ball vor dem Gegner abzuschirmen, und vor allem mit seinem Kämpferherz eroberte das Schlitzohr die Herzen der Fans. Dass er nicht mehr der Schnellste ist, konnte der 1,87-m-Hüne so gut kompensieren. Auch in der 3. Liga (bisher zwei Tore) rackert Dobry (zu deutsch: gut) fleißig, kam in 20 von 23 Partien zum Einsatz und sollte auch Samstag (14 Uhr) gegen Unterhaching erste Wahl sein. "Der Konkurrenzkampf ist groß. Jeder will spielen, keiner darf sich eine Schwäche erlauben", sagt Dobry.

Einen speziellen Geburtstagswunsch hat Pavel Dobry nicht, außer: gesund bleiben. Dann scheint es nicht einmal ausgeschlossen, dass sein im Sommer auslaufender Vertrag verlängert wird. Doch das ist Zukunftsmusik. Gegen die Rand-Münchner könnte Dobry einen neuen Sturmpartner bekommen. Winter-Verpflichtung Anton Fink hat mit zwei Kurzeinsätzen zumindest etwas Wettkampfpraxis gesammelt. An Motivation sollte es gegen seinen Ex-Verein aus Unterhaching nicht mangeln. Schädlich ließ sich gestern noch nicht in die Karten blicken: "Wir haben eine Woche Training. Klar gibt es Überlegungen", deutete er an, dass er Fink für Benny Förster eine Chance geben könnte.

 

Die Gegner spielten gut mit

 

Nicht nur im Angriff hat der CFC-Trainer die Qual der Wahl: In der Innenverteidigung muss sich der Coach zwischen Silvio Bankert, Marcel Wilke oder Toni Wachsmuth, der nach seiner Gelb-Sperre wieder spielberechtigt ist, entscheiden. Marcel Schlosser, in Offenbach von Selim Aydemir ersetzt, kehrte gestern nach überstandener Grippe ins Training zurück. Unabhängig von allen Personalien wird das Spiel gegen die Elf von Heiko Herrlich etwas mehr Aufschluss geben: Zum Beispiel, ob die drei Siege in Folge das Ergebnis einer positiven Entwicklung sind. Oder wie die Profis mit dem Erfolg umgehen. Oder ob die letzten Gegner unfreiwillig zu gut für den CFC mitspielten. Beim 3:0 gegen Heidenheim agierten die Himmelblauen 88 Minuten in Überzahl. In Offenbach besorgte die Heim-Elf den Siegtreffer für Chemnitz. "Wir hatten auch in der Hinrunde mal vier Siege am Stück, sind dann in eine lange Durststrecke geraten. Vielleicht haben wir daraus etwas gelernt", hofft und warnt Gerd Schädlich zugleich. Ihm ist aber auch klar, dass sein Einfluss nicht grenzenlos ist: "Ich kann mich ja nicht 24 Stunden mit den Spielern einschließen. Sie sind erwachsen, müssen wissen, was zu tun und zu lassen ist." Pavel Dobry scheint das zu beherzigen. Wenn es klappt mit einem Sieg gegen Unterhaching, will sich Pavel Dobry am Abend zuhause etwas gönnen. Das Urquell in seiner Heimatstadt gilt als das erste nach Pilsner Brauart hergestellte Bier. 1842 war das. So alt also, und immer noch gut. Eben ganz Dobry.

 
erschienen am 01.02.2012 ( Von Thomas Prenzel )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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