Eiskunstlauf-EM: Aufgeben war nie ein Thema

Peter Liebers kämpft nach schwerer Verletzung um Anschluss an die internationale Spitze

Sheffield. Ein wenig enttäuscht wirkte Peter Liebers nach dem Kurzprogramm schon. Im Zwischenklassement lag er nach zwei Fehlern nur auf dem 13. Rang. Das hatte sich der dreifache deutsche Meister, der zumindest mit einem blitzsauberen dreifachen Axel glänzen konnte, ein wenig anders vorgestellt. Doch auch in diesen bitteren Minuten kam schnell sein Kämpferherz wieder durch. "Die Kür muss nun viel besser laufen, um noch ein Stück nach vorn zu kommen", nahm sich der 23-Jährige für die heutige Entscheidung gleich selbst in die Pflicht.

Negative Ereignisse möglichst schnell verdrängen und positiv nach vorn schauen - Peter Liebers hat diese Maxime für sich verinnerlicht, wählte nicht von ungefähr sein Lebensmotto: "Die Kunst ist es, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird." Denn in seiner bisherigen Karriere musste er zahlreiche Rückschläge verkraften, kehrte aber immer wieder voller Elan zurück. So auch im vergangenen Herbst, nachdem sein Bruch des Kreuzbeines (zwischen Lendenwirbel und Steißbein) ausgeheilt war.

 

Schmerzhafter Sturz in Kanada

 

Diesen hatte er sich während eines Trainingsaufenthaltes in Toronto am 10. Juni zugezogen, wo er mit dem kanadischen Choreographen Shin Amano die neue Kür aufbauen wollte. "Der Sturz passierte gleich in der ersten Stunde und war sehr schmerzhaft. Zuerst konnte ich mich kaum bewegen, musste danach noch zwei Wochen liegen, ehe ich transportfähig war", berichtete der Berliner. Bei Amano bekam er problemlos vorübergehend Quartier, dank Internet hatte er täglich Kontakt zu seiner Familie, die sich ja im Metier bestens auskennt.

Vater Mario, jetzt als Zahnarzt tätig, gehörte in den 70-er Jahren zu den Spitzenläufern in der DDR. Dabei gelang ihm 1976 als erstem deutschen Akteur die Höchstschwierigkeit dreifacher Axel. Sein Bruder Martin, national erfolgreich als Einzel- und Paarläufer (unter anderem mit der Chemnitzerin Nicole Gurny) konzentriert sich derzeit auf den Abschluss seines Studiums (Europäisches Management). Er plant, in der kommenden Saison noch einmal auf das Eis zurückzukehren. Besondere Aufbauarbeit brauchten seine Lieben jedoch kaum zu leisten. "Ans Aufhören habe ich auch in dieser Zeit nie gedacht", meinte Peter Liebers, der selbst gar nicht so recht beschreiben kann, warum ein Aufgeben bisher nie ein Thema für ihn war: "Die Motivation ist einfach immer da." Denn zuvor musste er verletzungsbedingt schon mehrfach Zwangspausen einlegen, zwei Fußbrüche und zwei Knieoperationen warfen ihn dabei besonders zurück.

 

Olympia 2018 soll Krönung sein

 

In den vergangenen elf Jahren durfte er zusammengerechnet dreieinhalb Jahre nicht trainieren, hat er überschlagen. Diese fehlen natürlich in seiner Entwicklung, die einmal bis in die internationale Spitze gehen und bei Olympia 2018 gekrönt werden soll. "Peter besitzt enorm viel Ehrgeiz und einen außergewöhnlich großen Willen. Das, was er sich vornimmt, möchte er unbedingt schaffen", nennt seine Trainerin Viola Striegler diese Charakterzüge als entscheidend. Obwohl das aktuelle Missgeschick auch für sie zunächst ein Schock war, hegte sie deshalb nie Zweifel an der Rückkehr ihres Meisterschülers.

Die langfristigen Planungen für die Saison gingen so verständlicherweise nicht mehr auf, denn erst Mitte September durfte Liebers danach erstmals aufs Eis. Umso bemerkenswerter ist sein Niveau, das er sich seither wieder aufgebaut hat, national bei den Titelkämpfen erneut überlegen triumphierte. Eine fehlerfreie Darbietung wäre für ihn heute der schönste Lohn. Und vielleicht kann sein Bruder als überraschender Glücksbringer fungieren. Denn dass dieser gemeinsam mit dem früheren Trainingsgefährten Clemens Brunner per Auto extra nach Sheffield kommt, davon weiß Peter nichts.

 
erschienen am 28.01.2012 ( Von Martina Martin )
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