Landeka - der Schwejk des CFC
Morgen, 18.30 Uhr, bestreitet Fußball-Drittligist Chemnitzer FC gegen Newcastle United den letzten Härtetest vor dem Saisonstart
Chemnitz. Gestern bekam Josip Landeka für sein neues Zuhause in Chemnitz eine neue Couchgarnitur geliefert. Nach knapp vier Wochen harter Vorbereitung unter Trainer Gerd Schädlich dürfte die Erholung auf dem kuschlig weichen Sofa guttun. Morgen, just nach dem letzten Härtetest gegen den englischen Spitzenclub Newcastle United, wird der 25-Jährige seine neue Wohnung beziehen und anschließend vielleicht vom ersten Tor für seinen neuen Verein träumen. "Solche Hochkaräter, wo alle Spieler an ihre Grenzen kommen, sind ganz wichtig für die Mannschaft. Da wird man sehen, wer sich zeigt und wer sich versteckt", meint Josip Landeka.
Jürgen Klopp als Entdecker
Wichtig für die Mannschaft - dieses Prädikat könnte der Kroate bald selbst ausfüllen. Und das nicht nur auf dem Rasen, wo sich Landeka nach dem Weggang von Standardspezialist und Top-Scorer Ronny Garbuschewski (8 Tore/18 Tor-Vorlagen) als Freistoß- und Eckenspezialist versuchen darf. Landeka verkörpert noch andere Qualitäten.
Die haben bereits jetzt dazu geführt, dass er von seinen Mitspielern mitunter "Schwejk" gerufen wird. Die Romanfigur des braven Soldaten Schwejk war ein typischer Prager Charakter, der sich mit Witz durchs Leben schlug und sich im Ersten Weltkrieg mit List vor dem Fronteinsatz zu drücken versuchte. Der "Schwejk des CFC" will sich jedenfalls in seiner neuen Fußballheimat vor nichts drücken. Mit seiner Ironie bringt der kleine Schelm mit den leicht abstehenden Ohren eine angenehm lockere Atmosphäre in das extrem leistungsbezogene Profigeschäft ein. Vor dem Testspiel gegen Rapid Kappel hatte ihn Gerd Schädlich gefragt, wie er sich fühle. "Gut", antwortete Landeka. "Dann wirst du von Beginn an spielen", sagte der Coach und sein Schützling entgegnete: "Jawohl Trainer, das wäre eine Ehre für mich." Schädlich stutzte und fragte sich, wie das ein Profi mit 101 Drittliga-Spielen vor dem Duell gegen einen Bezirksligisten denn meinen könnte. In jedem Fall war in diesem Moment der Name "Schwejk" geboren.
Zur Welt gekommen ist Landeka in Wirklichkeit in Offenbach. In die Stadt am Main, wo Drittliga-Konkurrent Kickers beheimatet ist, hatte es seine Eltern vor 35 Jahren als kroatische Gastarbeiter verschlagen. Der Vater ist gelernter Schreiner, die Mutter arbeitete beim Onkel im Restaurant mit. Landeka ist in Fußball-Kroatien ein klangvoller Name. Josips Cousine Iva stürmt für den Bundesligisten USV Jena und ist Kapitänsfrau der kroatischen Nationalelf. Cousin Davor kickt beim Schweizer Erstligisten Grashopper Zürich. Josip selbst kam sehr spät zum Profifußball. "Ich habe das Meiste auf der Straße gelernt", erzählt Landeka, wie er früher in den Ferien in die Heimat nach Kroatien düste und sich die Familienclans auf den Bolzplätzen im Dorf Duelle lieferten. Einmal hieß sein Gegner Luka Modric, heute Nationalspieler und Star von Tottenham Hotspur.
Entdeckt wurde Landeka letztlich von keinem geringeren als Jürgen Klopp, und dies fast zufällig. Als Josip in seinem Jugendverein SG Rosenhöhe ein Freundschaftsspiel gegen die A-Jugend des FSV Mainz bestritt, hieß sein Gegenspieler Marc Klopp, der Sohn des späteren Dortmunder Meistertrainers aus erster Ehe. "Jürgen Klopp hat mich danach zum FSV Mainz geholt. Doch später ist er ja zur Borussia gewechselt. Das war schade. Er ist wirklich ein super Typ, genauso, wie er in den Medien rüberkommt."
Die 2. Liga das Ziel
Auch Josip Landeka kommt gut rüber. Er antwortet klug, tiefgründig und redet nicht so, dass sein Gegenüber denken könnte, er unterhalte sich gerade mit dem Berater des Spielers. Wenn der Linksfuß nur ein bisschen dieser herzerfrischenden Art auf den Rasen bringt, darf sich der CFC auf eine echte Bereicherung freuen. Mit Gerd Schädlich, glaubt Landeka, habe er genau den richtigen Trainer gefunden, obwohl der nicht ganz dem Typus Klopp entspricht. "Ich denke, wer diesen Beruf ausübt, sollte damit klar kommen, dass er nach Leistung bewertet wird. Und meines Wissens haben bisher vier Spieler überhaupt aus der 3. Liga den Sprung zu einem Bundesligisten geschafft, zwei davon waren bei Herrn Schädlich", sagt Landeka und hat Recht damit: Neben Ronny Garbuschewski (zu Fortuna Düsseldorf) und Chris Löwe (Dortmund) gelang dies einst noch Albert Bunjaku (von Erfurt zum 1. FC Nürnberg) und Alexander Esswein (von Dynamo Dresden nach Nürnberg).
An die Bundesliga mag Josip Landeka noch nicht denken. Den Sprung in die 2. Liga strebt er aber an. "Ich habe jetzt über hundert Spiele gemacht. Der Lothar Matthäus der 3. Liga will ich auch nicht werden", sagt Landeka und lächelt spitzbübisch. Dann schon lieber der Schwejk des Chemnitzer FC.