FIFA-Boss Joseph S. Blatter wird heftig kritisiert

Foto: Gonzalo Garcia (pixathlon)

Blatter auch in England unter Beschuss

Die Schmiergeld-Affäre beim Weltverband FIFA mobilisiert im Fußball-Mutterland England sogar Politiker. Der Unterhaus-Abgeordnete Damian Collins von den mitregierenden Konservativen forderte den ins Kreuzfeuer der Kritik geratenen FIFA-Boss Joseph S. Blatter (Schweiz) zum Rücktritt auf und vom nationalen Verband FA Einsatz für einen Wechsel bei der FIFA. "Wenn Blatter von den Schmiergeldern wusste und mit ihrer Verschleierung einverstanden war, muss er zurücktreten", twitterte der Kopf einer internationalen Parlamentarier-Gruppe für Reformen bei der FIFA: "FIFA-Sponsoren, Sportführer und Politiker in der ganzen Welt müssen für einen Wandel bei der FIFA und Blatters Abgang eintreten. Auch für die FA ist es Zeit, sich für Veränderungen bei der FIFA einzusetzen."

Am vergangenen Mittwoch hatte die Veröffentlichung von Gerichtsakten zum Fall der mittlerweile bankrotten FIFA-Vermarktungsagentur ISL Schmiergelder in Millionenhöhe an den früheren FIFA-Chef Joao Havelange (Brasilien) und dessen ehemaligen Schwiegersohn Ricardo Teixeira, der Anfang 2012 als brasilianischer Verbandschef zurückgetreten war, offiziell bestätigt. Blatter räumte darauf Kenntnisse über die Vorgänge ein, sah in seiner Tatenlosigkeit allerdings keinen Fehler. In einer FIFA-Mitteilung sprach der Verbandsboss von "Provisionszahlungen". Man habe solche damals "als Geschäftsaufwand sogar von den Steuern abziehen" können. "Heute wäre dies strafbar. Man kann die Vergangenheit nicht mit den Maßstäben von heute messen. Ich kann also nicht von einem Delikt gewusst haben, welches keines war", sagte Blatter.

Der deutsche Liga-Chef Reinhard Rauball hatte am Freitag in einem Zeitungsinterview als bislang ranghöchster Fußball-Funktionär im europäischen Fußball öffentlich Blatters Rücktritt gefordert. Präsident Wolfgang Niersbach vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zeigte sich am Samstag "geschockt" über das Ausmaß der Affäre und insbesondere auch Blatters Reaktion.

Collins wirbt mit mehreren Parlamentsabgeordeneten aus verschiedenen Ländern für Reformen bei der FIFA. Der Gruppe gehören auch zwei deutsche Abgeordnete an.

 
erschienen am 14.07.2012
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