Fernando Alonso (v.) und Felipe Massa in Bahrain vorneFoto: SID/AFP/Fred Dufour
Ferraris Triumph, Vettels Drama, "Schumi" Sechster
Pechvogel Sebastian Vettel kostet ein technisches Problem den möglichen Sieg, Rückkehrer Michael Schumacher kommt bei seinem ersten Start nach 1239 Tagen auf einen unspektakulären sechsten Platz: Für die deutschen Stars hat die Formel-1-Saison 2010 in der Wüste von Bahrain mit einem Fehlstart begonnen. Dagegen feierte Ferrari durch Neuzugang Fernando Alonso und Felipe Massa eine Wiederauferstehung und holte den ersten roten Doppelsieg seit dem 22. Juni 2008 in Magny-Cours.
"Ich habe Spaß gehabt, alles hat bestens funktioniert", sagte Schumacher und ließ sich vom Ergebnis nicht entmutigen: "Ich habe schon früher zu Saisonbeginn so große Rückstände gehabt. Ich weiß aus Erfahrung, dass das alles noch zu machen ist. Es wäre verfrüht, jetzt schon zu sagen: es geht nicht mehr. Es geht immer."
Deutsche bleiben hinter Erwartungen
Für die hoch gewetteten Deutschen blieben lediglich die Ehrenplätze. Vettel, der zum sechsten Mal in seiner Karriere von der Pole Position gestartet war, musste sich hinter McLaren-Pilot Lewis Hamilton mit Rang vier begnügen, lag damit aber immer noch vor der deutschen Nationalmannschaft von Mercedes. Beim ersten echten Silberpfeil-Werkseinsatz seit 55 Jahren fuhren Nico Rosberg und Michael Schumacher auf die Plätze fünf und sechs.
Rosberg sprach von einem guten Anfang, stellte aber auch fest: "Insgesamt war ich nicht schnell genug. Am Ende des Rennens war ich am Limit. Sobald ich in der Nähe von Sebastian war, habe ich den Abtrieb verloren und kam einfach nicht ran." Dass er das ganze Wochenende vor seinem Teamkollegen Schumacher lag, war nur ein schwacher Trost: "Wir wollen Erster und Zweiter werden und nicht Fünfter und Sechster."
Für den zweimaligen Weltmeister Alonso, der seine beiden Titel 2005 und 2006, als er jeweils auch in Bahrain triumphierte, noch gegen Schumacher geholt hatte, war es ein perfekter Einstand bei Ferrari, wo er in Schumachers Fußstapfen treten will. Der Spanier holte vor den Augen seines Königs Juan Carlos den 22. Sieg seiner Karriere und trommelte vor lauter Freude mit beiden Fäusten vor seine Brust. Der Spanier ist damit der erste Fahrer in der Geschichte der Formel 1, der 25 Punkte für einen Sieg kassierte.
Alonso in Ferrari-Euphorie
"Das ist ein besonderer Tag für mich. Es ist immer speziell, wenn man ganz oben auf dem Podium steht, aber ganz besonders, wenn man das mit Ferrari erreicht", sagte Alonso: "Ich widme diesen Sieg allen Menschen in Italien, den Mechanikern hier und Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo."
Der Brasilianer Massa machte im ersten Rennen nach seiner schweren Kopfverletzung von Budapest 2009 den 80. Doppelsieg für Ferrari im 794. Formel-1-Rennen perfekt. "Das ist mein bester Saisonstart. Ich bin froh, dass ich wieder hier sein darf. Dafür danke ich Gott und allen, die mich in der schweren Zeit unterstützt haben." Beim letzten roten Doppelpack hatte Massa vor Kimi Räikkönen gewonnen.
Während die "Scuderia" feierte, herrschte bei Red Bull Tristesse. "Das ist sehr bitter, wenn man den Sieg schon vor Augen hat. Zum Schluss haben wir nur noch Schadensbegrenzung betrieben", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner, dessen zweiter Pilot Mark Webber nicht über Platz acht hinauskam. Vettel stellte sein Auto schon wenige Meter hinter der Ziellinie auf dem Grünstreifen ab.
Neuling Hülkenberg beendet auf Platz 14
Die restlichen deutschen Fahrer gingen auch bei der neuen Punktewertung, die WM-Zähler bis Rang zehn vergibt, komplett leer aus. Adrian Sutil verpasste durch einen Dreher schon in der ersten Kurve alle Chancen auf eine Top-Ten-Platzierung und wurde am Ende Zwölfter. GP2-Champion Nico Hülkenberg kam in seinem ersten Formel-1-Rennen nach einem zwischenzeitlichen Ausritt mit einer Runde Rückstand auf Rang 14. Timo Glock schied mit Neuling Virgin nach 18 Runden wegen technischer Probleme ebenso aus wie Debütant Bruno Senna, der Neffe des legendären Brasilianers Ayrton Senna.
In seinem ersten Startgetümmel nach drei Jahren vor dem Fernseher zog sich Schumacher gut aus der Affäre. In der ersten Rechtskurve setzte er sich außen neben den unmittelbar vor ihm gestarteten Webber und schob sich dann in der folgenden Linkskurve innen auf der besseren Linie am Australier vorbei auf Platz sechs. In seinem ersten Rennen am 25. August 1991 in Spa war Schumacher auch von Platz sieben gestartet, dann aber schon nach wenigen hundert Metern wegen eines Kupplungsschadens ausgerollt. Diesmal sah er nach 49 Runden auf dem zweitlängsten Kurs des Jahres die Zielflagge.
Zunächst konnte Vettel Führung behaupten
An der Spitze behauptete Vettel mit einem sehr guten Start seine Pole Position. Dahinter schob sich Alonso in der ersten Kurve an seinem Teamkollegen Massa vorbei auf Rang zwei.
Vettel setzte sich in der Anfangsphase ein wenig von Alonso ab, Schumacher konnte nicht ganz das Tempo des vor ihm fahrenden Hamilton halten. Beide gingen in der 15. Runde als erste Fahrer aus der Spitzengruppe zum ersten Reifenwechsel an die Box, bei dem sich an der Reihenfolge zwischen ihnen nichts änderte.
Eine Runde später wechselten Alonso, Rosberg und Webber die Reifen. Der Mercedes-Pilot kam aber zwischen Hamilton und Schumacher zurück auf die Strecke und hatte damit einen Rang verloren.
Alonsos Aufholjagd
In der 29. und 30. Runde erhöhte Alonso den Druck auf Vettel und verringerte den Rückstand um 1,3 Sekunden, Vettel schlug aber in der 32. Runde zurück, in der er wieder eine Sekunde schneller war als der Spanier. Dann bekam der 22-Jährige allerdings Probleme mit dem Auspuff und wurde langsamer.
In Runde 34 schloss der Ferrari-Pilot zu Vettel auf und ging in Führung. Wenige Sekunden später zu Beginn der 35. Runde überholte auch Massa den Red-Bull-Piloten, der danach auch von Hamilton ins Visier genommen wurde. In der 38. Runde verwies der Engländer Vettel auf Platz vier.