Das späte Kopfballtor von Marc Hensel brachte Aue den Sieg.

Foto: SID IMAGES/Firo

Festung wackelt und bleibt stehen

Aue. Erst wackelte die Festung Erzgebirgsstadion bedenklich, doch dann schlugen die Ritter aus dem Lößnitztal gnadenlos zu. Effizienter wie gestern beim 1:0-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf kann eine Mannschaft eigentlich nicht spielen. Als Marc Hensel in der 84. Minute die Kugel per Kopf im Netz versenkt hatte, war die Partie völlig auf den Kopf gestellt. Der Torschütze verschwand im Freudenknäuel seiner Mitspieler und erklärte nach dem Schlusspfiff: "Das war ein ganz schwache Partie von uns. So wollen wir nicht mehr auftreten. Deshalb musste ein Standard herhalten. Aber das trainieren wir ja auch."

Fünf Treffer hat Hensel diese Saison schon erzielt. Wie bereits in Fürth schlug der Dresdner nach einem ruhenden Ball zu. Tobias Kempe trat den Eckstoß, den der defensive Mittelfeldspieler vollendete. Es war das zehnte Standard-Tor der Auer von 15 Treffern insgesamt in dieser Spielzeit. Und damit wird Aue auch nach dem 11. Spieltag auf einem Aufstiegsplatz stehen. Entsprechende Fragen nach einem neuen Saisonziel blockte FCE-Trainer Rico Schmitt aber gleich ab: "Wer das Spiel gesehen hat, wird genauso denken: Wir haben 26 Punkte, darauf können die Spieler stolz sein und sich zu Recht darüber freuen. Mehr nicht", sagte der Coach und ließ an der Leistung seiner Schützlinge gestern Abend kein gutes Haar: "In der ersten Halbzeit waren wir gar nicht auf dem Platz, da hat Düsseldorf, wie wir Fußballer sagen, ein Halbes mit uns gemacht. Wir sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen und haben viel zu fahrig agiert."


Obwohl der knappe Triumph glücklich zustande kam, wurde auch deutlich, warum Düsseldorf in der Tabelle unten und Aue oben steht. Mit sieben Toren stellen die Rheinländer den schwächsten Angriff im deutschen Profifußball. Fortuna-Trainer Norbert Meier zog dann auch enttäuscht sein Fazit: "Es gibt Spiele, da gehe ich lieber 0:5 mit Pauken und Trompeten unter. Aber eines hätte heute nicht passieren dürfen, dass wir hier verlieren. Wir haben uns einfach nicht mit einem Tor belohnt", schätzte der Fußball-Lehrer ein. Und so füllen die Auer weiter diese "phänomenale Rolle" (O-Ton Meier) aus, die Aufsteiger Fortuna in der Vorsaison spielte.

In der ersten Halbzeit lief kaum etwas bei den Gastgebern zusammen. Ein Kopfball von Hensel nach Ecke und eine feine Einzelleistung von Kempe, dessen Distanzschuss knapp am Pfosten vorbei strich, waren die einzig nennenswerten Offensivaktionen. Dagegen spielte die Fortuna wie aus einem Guss, erarbeitete sich Chancen zuhauf und ließ nur im konsequenten Torabschluss Klasse vermissen. Zum Spiel der Auer passte, dass Kevin Schlitte (40.) bei seiner Abwehraktion per Kopf an die Latte fast ins eigene Tor getroffen hätte. Auch nach Wiederanpfiff änderte sich das verkehrte Bild im Erzgebirgsstadion kaum. Die Gäste wirkten beweglicher, geistig frischer, behielten aber - aus Auer Sicht zum Glück - ihre Abschlussschwäche. Und dann brach die 84. Minute in der Festung Erzgebirgsstadion herein...

Statistik FCE: Männel - le Beau, Lachheb, Paulus, Klingbeil - Hensel, Hochscheidt - Schlitte, Kempe (90. Birk), Curri (74. Ramaj) - Kern (74. Glasner)

Fortuna: Melka - Schwertfeger, Lukimya, Langeneke (V/87. Torghelle), J. van den Bergh - Lambertz (V), O. Fink, - Zoundi, Rösler (73. Costa), Beister - Jovanovic (63. Gaus).

Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden); Tor: 1:0 Hensel (84.), Z uschauer: 11.600.

Von Thomas Prenzel und Olaf Morgenstern

Überzeugen konnte Erzgebirge Aue gegen die Gäste vom Rhein aber nicht. Die zwingenderen Torschancen hatte vor 11.600 Zuschauern die Fortuna. Für die beste Düsseldorfer Möglichkeit in Halbzeit eins sorgte ein Erzgebirgler. In der 40. Minute ging ein Kopfball von Aues Kevin Schlitte bei einer Rettungsaktion an die Unterkante des eigenen Tores.

Als Aue in der letzten halben Stunde den Druck etwas erhöhte, ohne allerdings zu zwingenden Chancen zu kommen, wären die Gäste um ein Haar zum Torerfolg gekommen. Nach einem Freistoß von Patrick Zoundi verlängerte der erst eine Minute zuvor ins Spiel gekommene Claus Costa den Ball an den Pfosten. Sechs Minuten vor Schluss rächte sich die mangelnde Chancenverwertung der Fortuna. Hensel köpfte einen Eckball ungehindert aus kurzer Distanz unhaltbar zur umjubelten Führung ein.

 
erschienen am 06.11.2010
 
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