Der Wettkampf der Stabhochspringerinnen zog sich über fünf Stunden

Foto: SID IMAGES/AFP/

Frust und Boykott-Drohungen zur Premiere

Frust, Spott und sogar Boykott-Drohungen: Die gute Stimmung zur Premiere des Leichtathletik-Continental-Cups war am Ende des ersten Tages dahin. "Die Bedingungen waren eine Katastrophe. Man kommt sich vor wie auf einer Kreismeisterschaft", sagte Stabhochspringerin Lisa Rysih nach einer Serie von Pannen, die die Höhenjagd der Stab-Akrobatinnen im Poljud-Stadion von Split zu einer quälenden Hängepartie gemacht hatte.

Trotz eines hervorragenden zweiten Platzes und 15.000 Dollar Preisgeld beim Wettstreit der Kontinente war die EM-Dritte sauer. "Solche Pannen darf es bei einer großen Meisterschaft einfach nicht geben. Das war pure Inkompetenz", sagte Ryzih.

Fünf Stunden Wettkampf durch ständige Unterbrechungen

Fünf Stunden hatte sich der Wettkampf in die Länge gezogen - zwischen Ryzihs insgesamt acht Sprüngen hatten zum Teil Pausen von einer halben Stunde gelegen. Für die ständigen Unterbrechungen sorgten mehrere defekte Stabhochsprung-Ständer. "Bei unseren regionalen Meisterschaften in der Pfalz würde das nicht passieren", sagte die Ludwigshafenerin, die gemeinsam mit ihren Konkurrentinnen sogar einen Boykott des Springens diskutiert hatte.

Am Ende stand für sie dennoch das beste Resultat aller vier deutschen Starter, die am ersten Tag für das Team Europa angetreten waren. Mit unter diesen Bedingungen starken 4,60m musste sich die 21-Jährige nur Europameisterin Swetlana Feofanowa aus Russland beugen, die 4,70m sprang, aber ähnlich angefressen war: "Es gab ständig Probleme, die den Wettkampf sehr schwierig gemacht haben."

DLV-Athleten weit unter Bestleistungen

Die weiteren DLV-Athleten waren derweil deutlich unter ihren Bestleistungen dieser Saison geblieben. Weitsprung-Europameister Christian Reif musste sich auch aufgrund einer Erkältung mit 7,99m und Platz drei begnügen. Zwei weitere Titelträgerinnen von Barcelona wurde jeweils Vierte: die Mannheimerin Verena Sailer über 100m in 11,26 Sekunden und Speerwerferin Linda Stahl aus Leverkusen mit enttäuschenden 60,37m.

Anders als Ryzih konnte das Trio aber immerhin die besondere Atmosphäre des Continental-Cups genießen, der als Nachfolge-Event des früheren Weltcups ins Leben gerufen wurde. "In einem Team von Europäern gegen die anderen Kontinente anzutreten, ist schon was Besonderes. Sonst sind wir ja allen Gegner, nun kämpfen wir gemeinsam um Punkte", sagte Reif, der trotz des Rückstands auf Amerika nach dem ersten Tag einen Gesamtsieg Europas prophezeite.

Auch Sailer genoß den ganz besonderen Teamspirit: "Es ist ein tolles Gefühl, Europa bei dieser Veranstaltung zu vertreten. Das hat unheimlich Spaß gemacht", so die Europameisterin, die sich erwartungsgemäß der starken Konkurrenz aus Übersee und Afrika geschlagen geben musste. Für die herausragende Leistung des ersten Tages sorgte derweil Dreisprung-Hallenweltmeisterin Olga Rypakowa aus Kasachstan, die mit 15,25m eine Jahres-Weltbestleistung erzielte.

 
erschienen am 05.09.2010
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