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Philip Kudzik schaffte mit für ihn beachtlichen 145,8 Zählern einen neuen Punktrekord in der Bundesliga. Zur Mannschaft des Chemnitzer AC gehört er seit 2013.

Foto: Kristin Schmidt Bild 1 / 3

Glücksmomente trotz Niederlage

Der Chemnitzer AC konnte wie erwartet im Halbfinale der Gewichtheber-Bundesliga dem großen Favoriten AV Speyer kein Bein stellen. Trotzdem gab es Gründe zum Jubeln.

Von Martina Martin
erschienen am 27.03.2017

Chemnitz. Diese Emotionen mussten einfach raus: Josef Hesse ließ bei seinem dritten Stoßversuch schon mit der Hantel über dem Kopf einen Urschrei los, nach dem Ablegen des Eisens vollführte er Freudensprünge. Trainer Andreas Rehwagen lief spontan auf die Bühne, um seinen Schützling strahlend zu umarmen, die Fans im Saal feierten. Mit 171 Kilogramm hatte der Schwarzschopf einen persönlichen Rekord markiert und damit aus Sicht der Gastgeber für ein Highlight gesorgt. Sein Chemnitzer AC bot zwar dem AV Speyer im Halbfinalrückkampf vor heimischer Kulisse tapfer Paroli. Doch letztlich gewann der große Favorit, der allein drei aktuelle EM-Starter in seinen Reihen hat, auch den zweiten Vergleich - dieses Mal mit 896,8:846-Punkten (3:0). Nach den Meistertiteln 2015 und 2016 könnte den Pfälzern nun beim Finale der Hattrick gelingen, was in der Geschichte der Gewichtheber-Bundesliga noch kein Team bisher schaffte.

Da sich im anderen Duell zwischen Germania Obrigheim und dem Berliner TSC die Hauptstädter einen separaten Punkt in der Teildisziplin Stoßen sicherten, kann der CAC erstmals seit 2004 nicht in den Medaillenkampf eingreifen und beendet die Saison auf Rang vier. Von dieser Konstellation, die sich auch wegen des Fehlens der beiden Letten Ritvars Suharevs und Rebeka Koha schon vorher abzeichnete, ließen sich die Asse aber nicht beeinflussen. Im Gegenteil: Jeder versuchte zum Abschluss nochmals an oder sogar über seine Grenzen zu gehen.

Und Josef Hesse wuchs dabei über sich hinaus. "Ich wollte schon mehrfach meine Bestleistung, die vorher bei 168 Kilogramm lag, steigern. Jetzt hat es endlich geklappt", freute sich der Immobilienkaufmann und bereitete sich damit wohl selbst eines der schönsten Geschenke zu seinem gestrigen 23. Geburtstag. Dabei hatte er sich mit dem Coach auf eine Änderung geeinigt. Bislang ließ er bei seinen Versuchen immer 170 kg auflegen. Doch diese Last wollte einfach nicht nach oben. "Da war wohl dann auch eine Barriere im Kopf", sinnierte Josef Hesse, nachdem er die 171 kg auf Anhieb gemeistert hatte. Damit näherte er sich zudem ein weiteres Stück seinem ehrgeizigen Vorhaben für den Herbst. Er visiert die EM in der U-23-Klasse an, obwohl er seine Trainingseinheiten nur neben seiner beruflichen Tätigkeit absolviert.

Kumpel Max Lang indes hatte sich das Ticket für seine nächste internationale Bewährungsprobe, die EM der Männer im April, bereits vor zwei Wochen gesichert. Mit 182 Relativpunkten avancierte der CAC-Kapitän dabei erneut zum stärksten Heber des gesamten Vergleiches. Dabei begann der Wettkampf für ihn ungewohnt mit einem Fehlversuch. "Das Warmmachen lief gut wie lange nicht. Deshalb habe ich erstmals mit 150 Kilogramm angefangen. Ich war schon erschrocken, habe aber nicht gezweifelt", schilderte der 24-Jährige die Situation. Danach folgten fünf fehlerfreie Auftritte.

Auf die gleiche Zahl gültiger Versuche kam auch Philip Kudzik, der aber nur bei seiner abschließenden Stoßlast von 185 kg knapp scheiterte. Bis dahin hatte er einen makellosen Wettkampf gezeigt und sich mit 145,8 Zählern in der CAC-Truppe als zweitbester Akteur einrangiert. Er markierte damit auch einen persönlichen Punkterekord in der Bundesliga für den CAC, für den er seit 2013 startet. "Richtig glücklich wäre ich zwar mit sechs Gültigen gewesen. Aber es lief gut bei mir, hat wieder Riesenspaß gemacht", schwärmte der 24-Jährige, der nach längerer Pause erst in den Halbfinals zu dieser Stärke fand. Zuvor fehlte er mehrfach verletzungsbedingt, hatte sich zudem im vergangenen Sommer eine Auszeit genommen. Da fehlte dem dreifachen Junioren-Europameister von 2013 die Motivation, weil es aus verschiedenen Gründen nicht mehr so recht vorwärts ging. Auch verlor er seinen Kaderstatus. "Aber inzwischen habe ich wieder richtig Lust, trainiere ohne Druck und stelle mir selbst Ziele", berichtete der Student (Wirtschaftsingenieurwesen), der in Frankfurt (Oder) zu Hause ist, aber seine sportliche Zukunft weiter in Chemnitz sieht. Und da wird auch er alles geben, damit die nächste Saison erst wieder mit dem Finale endet.

Robby Behm - Gewichtheber

Foto: Kristin Schmidt

Robby Behm hört auf

Seinen letzten Wettkampf in der Bundesliga für den Chemnitzer AC bestritt Robby Behm (Foto). Der gebürtige Stralsunder, Sohn des früheren Weltklassehebers Andreas Behm, war die vergangenen sechs Jahre eine der zuverlässigsten Stützen im Team. Gegen den AV Speyer gelangen dem 30-Jährigen erneut sechs gültige Versuche. Im Zuge der Umstrukturierung nach Olympia im Verband gehört er nicht mehr zu den geförderten Athleten. Deshalb wird er jetzt seine Prioritäten verändern, sich zunächst vorrangig um seine berufliche Zukunft kümmern. Mit seiner Ehefrau und den zwei Kindern wohnt er in Leimen. (mm)

 
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