Didi Hamann: Allerhöchsten Respekt vor BallackFoto: (Firo)
Hamann und Freund brechen Lanze für Ballack
Die ehemaligen Nationalspieler Didi Hamann und Steffen Freund haben für Michael Ballack eine Lanze gebrochen und dessen Arbeitgeber Bayer Leverkusen für den Umgang mit dem früheren DFB-Kapitän kritisiert. "Wenn man so einen Spieler zurückholt, einen Mann, der Spielführer der Nationalmannschaft war, der fast 100 Länderspiele hat, dann muss ich wissen, dass man den Mann bis zum letzten Tag des Vertrages unterstützen muss. Das ist nicht passiert", sagte Hamann im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID).
"Vom gescheiterten Projekt Ballack zu sprechen, war völlig unnötig und die falsche Aussage", kritisierte DFB-Trainer Freund beim Sport-Nachrichtensender Sky Sport News HD die Aussagen von Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, die zu einer Schlammschlacht unter dem Bayer-Kreuz geführt hatten.
Der Europameister von 1996 rät Ballack aber auch, selbst das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen: "Michael Ballack ist jetzt 35 und nicht mehr der Führungsspieler. Ich finde es schade, dass man ihn jetzt skalpiert. Michael ist ein Typ und sollte das selbst in die Hand nehmen. Wenn er sich für Bayer entscheidet, dann muss er 100 Prozent geben. Sein Berater spielt momentan sicherlich keine positive Rolle."
Auch Hamann reagierte wie zuvor schon Ex-Nationalspieler Mehmet Scholl mit Unverständnis auf die Verbannung von Michael Ballack auf die Leverkusener Ersatzbank und die öffentliche Schelte durch Vereinsboss Holzhäuser: "Ich finde es unheimlich schade, was mit Michael Ballack im Moment passiert."
In seinem am Donnerstag in England erschienenen Buch "The Didi Man - My Love Affair With Liverpool" stellt Hamann auch in einem Kapitel die Verdienste von Ballack für den deutschen Fußball heraus, vor allem bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea. Hamann erinnert dabei an Ballacks Rolle beim 1:0 im Halbfinale in Seoul gegen die Koreaner.
"Er wusste, dass er nach der zweiten Gelben Karte im Finale gesperrt ist. Und dann hat er gezeigt, was er für ein Spieler ist. Welche Persönlichkeit er ist. Das Tor für uns zu machen, uns ins Finale zu schießen. Wissend, dass er nicht dabei sein kann. Ich habe den höchsten Respekt vor ihm", sagte der 38-Jährige, der damals gemeinsam mit Ballack, Bernd Schneider und Marco Bode das Mittelfeld der Nationalelf bildete.
Als TV-Experte, etwa für den Sportsender ESPN, verfolgt der in England lebende Ex-Bayern-Profi Hamann auch intensiv die Bundesliga. "Die Leverkusener spielen bis dato eine ordentliche Runde. Als sie Michael Ballack zurückgeholt haben, mussten sie wissen, dass sie nicht den Spieler zurückholen, der Leverkusen damals verlassen hat. Er hat unglaublich großen Anteil daran, dass die Leverkusener in der Liga gut dastehen und in der Champions League weitergekommen sind. Daher kann ich die Aufregung nicht verstehen", sagte Hamann. Ballack habe nach seinen Verdiensten für Bayer und auch die Nationalmannschaft "einen besseren Abgang verdient".