War seit August 2009 Cheftrainer in Hannover: Andreas Bergmann

Foto: Bongarts/Getty Images

Hannover trennt sich von Bergmann

Nach der sportlichen Negativserie seit dem Selbstmord von Torhüter Robert Enke hat sich Bundesligist Hannover 96 am Dienstag von Trainer Andreas Bergmann getrennt. "Die Leistungen der Mannschaft in den vergangenen drei Spielen waren unisono schlecht und wurden von Mal zu Mal sogar noch schlechter", sagte 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke dem SID: "Nach inzwischen sieben Spielen ohne Sieg hatten wir nicht mehr das Gefühl, dass Andreas Bergmann der Mannschaft die nötigen Impulse für den Verbleib in der Bundesliga geben kann."

Slomka und Koller offenbar heiße Kandidaten

Als Retter soll nun offenbar entweder Mirko Slomka oder Marcel Koller fungieren. Nach Angaben der Bild-Zeitung sowie von Sport Bild online wollte sich Schmadtke noch am Dienstag mit beiden Kandidaten zu Verhandlungen treffen. "Wir werden Namen nicht kommentieren. Es gibt zwei, drei Kandidaten. Wir suchen jemanden, der uns weiterhilft und haben intern ein Anforderungsprofil erstellt. Ich denke, dass wir in den nächsten zwei bis drei Tagen Vollzug vermelden können", meinte der 96-Manager, der den neuen Coach noch vor dem nächsten Spiel am Samstag beim FSV Mainz 05 präsentieren will.

Slomka war bis April 2008 Trainer bei Schalke 04, Koller wurde erst im vergangenen September beim VfL Bochum von Heiko Herrlich abgelöst. Unabhängig davon, wer am Ende den Zuschlag erhält, wird der neue Mann bereits der dritte 96-Coach in der laufenden Saison. Bergmann hatte die Niedersachsen im vergangenen August vom heutigen Nürnberger Trainer Dieter Hecking übernommen. In 16 Spielen unter der Regie des 50-Jährigen holte Hannover aber nur vier Siege. Am vergangenen Samstag hatte es eine peinliche 0:3-Heimniederlage gegen den Tabellenletzten Hertha BSC Berlin gegeben.

Bergmann "kann Entscheidung nicht nachvollziehen"

Trotzt dieser durchwachsenen Bilanz und des Abrutschens auf den Relegationsplatz zeigte sich Bergmann nach seiner Beurlaubung überrascht. "Ich habe am Dienstag um 8 Uhr auf dem Weg zum Training davon erfahren", sagte der geschasste Coach dem SID: "Ich war davon ausgegangen, dass ich am Samstag gegen Mainz auf der Bank sitze und die Chance bekomme, mit dem Team die Kurve zu kriegen. Ich kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. Schade, dass ich nicht den Kredit hatte, die Krise zu meistern."

Bis zum 30. Juni ist Bergmann nun von seinem Vertrag als Cheftrainer freigestellt. Anschließend besitzt er weiterhin einen bis 2014 datierten Kontrakt als U23-Coach bei den Niedersachsen. Ob er auf diesen Posten zurückkehren werde, ließ der Fußballlehrer aber zunächst offen. "Ich muss das alles erst einmal sacken lassen. Aber ich habe immer gesagt, dass ich leidenschaftlich gern Trainer bin und habe bewiesen, dass ich auch eine Bundesliga-Mannschaft führen kann."

Schmadtke lobt Bergmanns Arbeit

Schmadtke lobte Bergmann trotz der Entlassung: "Er hat gute Arbeit geleistet, die Mannschaft gerade auch in der Phase nach der furchtbaren Tragödie um Robert Enke gefühlvoll geleitet. Aber die notwendigen Siege, die uns die Punkte für den Klassenerhalt bringen müssen, sind leider in den vergangenen Wochen nicht gelungen." Dabei sind es gerade die tragischen Umstände um den Tod von Enke, die Bergmann mit zum Verhängnis geworden sein könnten.

"Die Mannschaft hat unter mir in den ersten zehn Spielen 15 Punkte geholt. Wir hatten immer große personelle Probleme, aber ich habe nie gejammert. Dann ist etwas passiert, dass ich keinem Trainer wünsche. Wir waren bis dahin auf einem sehr, sehr guten Weg und mussten anschließend schwierige Umstände bewältigen", meinte Bergmann.

Mannschaft ist enttäuscht

Die Mannschaft zeigte sich derweil von der Beurlaubung ihres Coaches getroffen. "Wir sind sehr enttäuscht. Wir haben uns unter Andreas Bergmann fußballerisch weiterentwickelt, aber in den letzten drei Spielen hat unsere Leistung einfach nicht gereicht. Jetzt muss die Angst aus den Köpfen. Wir brauchen ein Erfolgserlebnis", sagte Kapitän Arnold Bruggink nach der morgendlichen Laufeinheit.

Christian Schulz ergänzte: "Wir waren die Elf, die auf dem Platz standen und haben zuletzt versagt. Aber jeder Trainerwechsel ist auch ein Neuanfang." Die Trainingseinheit am Nachmittag wurde abgesagt.

 
erschienen am 19.01.2010
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