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Die Chemnitzer Trainerin Gabi Frehse mit ihren Olympiakandidatinnen Sophie Scheder (links) und Pauline Schäfer.

Foto: Kristin Schmidt

In der Turn-Weltspitze angekommen

Trainerin Gabi Frehse vom TuS-Chemnitz Altendorf ist seit vier Jahrzehnten im Metier tätig - Meisterschülerinnen mit besten Olympiachancen

erschienen am 13.01.2016

Chemnitz. Mit Pauline Schäfer und Sophie Scheder besitzt der TuS Chemnitz-Altendorf, der sich bundesweit zu einem der leistungsstärksten Vereine entwickelt hat, zwei der besten deutschen Turnerinnen. Unter Anleitung von Trainerin Gabi Frehse bereitet sich das Duo auf das Topereignis in Rio vor. Mit der 55-Jährigen sprach Martina Martin.

Freie Presse: Wie würden Sie die aktuelle Phase skizzieren?

Gabi Frehse: Nach einer zwölftägigen Pause im Dezember, die die Mädchen unbedingt gebraucht haben, sind wir mittendrin im Grundlagentraining. Auch ein Auswahllehrgang mit Belastungstests stand bereits auf dem Programm.

Bei der Wahl der sächsischen Sportler für 2015 belegten Sophie Scheder und Ihre Mannschaft Rang drei. Was empfanden Sie während der Ehrungen?

Das waren schöne und bewegende Momente für mich, denn bisher gehörten wir noch nie zu den besten drei. Es ist einfach toll, wenn man in Chemnitz und im Land Anerkennung für das spürt, was man geschafft hat. Gleichzeitig kamen aber auch Gedanken auf, dass es nun so weiter- oder noch besser gehen muss. Auf dem Niveau sind jetzt die Erwartungen viel höher.

Welchen Stellenwert besitzt für Sie das vergangene Jahr?

Es war ein ganz besonderes mit den bisher größten Erfolgen für unseren Verein. Pauline als WM-Dritte am Schwebebalken und Sophie als zweifache Zweite bei den Europaspielen gewannen die ersten internationalen Medaillen im Damenbereich überhaupt. Dazu kamen noch weitere Finalplätze bei den Höhepunkten. Dass wir in der Spitze angekommen sind - einfach ein geniales Gefühl und der allerbeste Lohn für die jahrelange harte Arbeit des gesamten Trainerteams.

Was war aus Ihrer Sicht vor allem ausschlaggebend, dass diese Entwicklung gelang?

Wir haben uns nie unterkriegen lassen. Ich selbst bin ein Typ, der immer gestärkt aus Niederlagen hervorgeht. Nach dem Motto, jetzt beweisen wir es erst recht, haben wir immer fleißig und leidenschaftlich weitergemacht. Vor allem Pia Nikolai, die wie ich seit über 30 Jahren als Trainerin dabei ist, hat daran ebenso großen Anteil. Alles mussten wir uns hart erkämpfen. Wir konnten viele gute Mädels herausbringen, haben auch jetzt wieder hoffnungsvolle Talente. Daniela Axthelm war 1999 unsere erste WM-Starterin, Joeline Möbius hatte 2006 im Nachwuchs die ersten internationalen Medaillen erkämpft und 2008 für die Olympiapremiere gesorgt. Es ging immer Schritt für Schritt vorwärts. Erst 2009 erhielten wir den Status eines Bundesstützpunktes und damit über die Stadt hinaus eine bessere Unterstützung.

Pauline Schäfer und Sophie Scheder profitieren demnach auch von ihren Vorgängerinnen?

Das kann man so sagen. Auch wir Trainer haben ja erst unsere Erfahrungen gesammelt, uns in all den Jahren weiterentwickelt. Ich nutze dabei jede Gelegenheit - ob bei Wettkämpfen, Lehrgängen oder im Internet - für neue Impulse. Pauline und Sophie sind aber schon die zwei größten Talente, die wir je hatten. Beide turnen sehr elegant und technisch fast perfekt. Sie setzen ihre Programme mit viel Ehrgeiz um, bringen sich selbst kreativ ein.

Was bewog beide, die in Saarbrücken beziehungsweise Wolfsburg zu Hause sind, sowie auch andere Turnerinnen, nach Chemnitz zu wechseln?

Es ist bekannt, dass wir in Chemnitz für das Turnen vergleichsweise zu anderen Städten das beste funktionierende System in Deutschland haben. Das Zusammenwirken mit den Eliteschulen, dem Internat, dem Olympiastützpunkt und der Stadt funktioniert bestens. Die Schulzeitstreckung läuft sehr professionell ab, alle Einrichtungen befinden sich in einem Komplex. Und die Erfolge sprechen für sich. Uns ist aber wichtig, dass Mädchen aus Sachsen zu uns kommen. Vom Verein in Riesa, wo der ehemalige Chemnitzer Turner Steffen Korzin Trainer ist, haben wir den stärksten Zulauf.

Sie sagten schon mehrfach, dass Sie es eigentlich nie erwartet hätten, dass es Schützlinge von Ihnen bis in die Weltspitze schaffen. Welche Gründe gibt es da?

Weil in den Topnationen wie den USA, Russland oder China unter ganz anderen Bedingungen gearbeitet wird. In diesen Ländern trainieren die Spitzenturnerinnen bis zu 40 Stunden pro Woche, wir kommen auf maximal 28. Auch sind die schulischen Anforderungen geringer. Bei uns in Deutschland ist die Gesamtbelastung bedeutend höher, alle Prüfungen stehen trotz Streckung an. Die Mädchen haben von 6 bis 20 Uhr ein straffes Programm, müssen auch am Wochenende für die Schule arbeiten. Deshalb ziehe ich vor jeder Turnerin, die über Jahre dieses Pensum bewältigt, den Hut.

Ihre beiden Meisterschülerinnen waren 2015 international die Stützen der deutschen Auswahl. Erhalten Sie deshalb einen Bonus, wenn es um die Olympianominierung geht?

Den gibt es nicht. Es ist etwas kompliziert: Pauline hat sich zwar mit der WM-Medaille ein Einzelstartrecht für Rio erkämpft. Aber wenn der Mannschaft beim Qualifikationsturnier im April die Nominierung gelingt, muss auch sie sich innerhalb des Teams erneut dem Prozedere um die fünf Plätze stellen. Ich bin sehr optimistisch, dass beide diesen Druck meistern und es schaffen.

Ist schon entschieden, ob Sie bei erfolgreicher Qualifikation das Team mitbetreuen dürfen?

Ich habe leider wenig Hoffnung. Es scheint so, dass ich - wie schon für die WM - als Heimtrainerin nicht berücksichtigt werde. Das ist bitter, für die Mädchen eine schwierige Situation. Aber ich werde sie bestmöglich darauf vorbereiten, dass sie so stark sind, sich ihre Ziele zu erfüllen.

Gehören Medaillen dazu?

Na klar, beide haben diesen Traum. Die WM-Ergebnisse zeigten, dass es nicht unmöglich ist. Aber da muss alles auf den Punkt stimmen. Es wäre natürlich phantastisch, schon ein Finaleinzug eine Riesensache.

Sie bezeichnen Eiskunstlauf- Erfolgstrainerin Jutta Müller als Ihr Vorbild. Warum?

Ich liebe von jeher das Eiskunstlaufen, da verfolgte ich schon früher immer alles. Ich habe dabei Frau Müller stets bewundert, wie sie gearbeitet hat, mit welcher Konsequenz sie alles umsetzte. Einige Jahre war ja auch meine Tochter Patricia als Eiskunstläuferin aktiv. Da lernte ich sie persönlich kennen. Die Kontakte bestehen bis heute. Und es ehrt mich sehr, wenn ich von Frau Müller ein positives Feedback erhalte.

Gabi Frehse

Die Chemnitzerin ist seit fast vier Jahrzehnten im Metier tätig. Da sie wegen eines angeborenen Hüftfehlers als Kind nicht selbst intensiv turnen durfte, war sie im Schwimmen aktiv. Doch schon mit 15 Lenzen fing sie als Übungsleiterin beim Turnen an, bereits mit 18 Jahren begann sie ihre Laufbahn als Trainerin.

Ihre Tochter Patricia Krenz (33) arbeitet gleichfalls inzwischen erfolgreich als Trainerin. Sie betreut den Eiskunstlauf-Nachwuchs bei der USG Chemnitz. Beim Zusammensein mit Enkel Matteo (13 Monate) tankt Gabi Frehse derzeit am besten auf, ansonsten schaltet sie beim Lesen und mit Gartenarbeit ab.

 
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