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Jan Hoffmann gemeinsam mit seiner Trainerin Jutta Müller und seiner Tochter Marie Sophie als Ehrengast bei der Sächsischen Sportgala.

Foto: Kristin Schmidt

Jubilar weiter mittendrin im Metier

Jan Hoffmann, der bislang erfolgreichste deutsche Eiskunstläufer, wird am Montag 60 Jahre alt. Der gebürtige Dresdner gehörte zu den Meisterschülern der Chemnitzer Weltklassetrainerin Jutta Müller.

Von Martina Martin
erschienen am 24.10.2015

Dresden. Wo er sich zu seinem Ehrentag aufhält, wollte Jan Hoffmann nicht verraten. "Wir verreisen ganz in Familie. Als ich 50 wurde, habe ich groß gefeiert. Aber bei 60 Jahren sehe ich dafür keinen Grund", meint der Jubilar, der derzeit Trubel eher aus dem Weg geht. Denn es ist noch nicht lange her, als ihn gesundheitliche Probleme kurzzeitig aus der Bahn warfen. "Da habe ich gespürt, dass sich alles schnell verändern kann, man wird schon nachdenklicher", erzählt der Dresdner, der als Orthopäde selbst medizinischer Fachmann ist. Derzeit muss er sich noch etwas schonen, genoss deshalb in dieser Woche die freien Tage mit Ehefrau Aline und Tochter Marie Sophie besonders. Und die Gedanken, wieder selbst etwas mehr aktiv zu sein, kamen unwillkürlich hoch.

"Der Sport ist bei mir wirklich etwas ins Hintertreffen geraten. Mal ab und zu Rad fahren, mehr war nicht", gibt der einstige Kufenkönner zu. Deshalb ist nicht auszuschließen, dass Jan Hoffmann im kommenden Winter auch wieder einmal die Schlittschuhe schnürt, um wie in vergangenen Jahren mehrfach auf den Bahnen in Jonsdorf oder Geising ein paar Runden zu drehen. Vielleicht ist bei seinen Überlegungen auch das traditionelle Treffen der ehemaligen Chemnitzer Läufer am zweiten Weihnachtsfeiertag, bei dem er schon mehrfach dabei war, wieder ein Thema. Aber auch so bestehen nach wie vor gute Kontakte zu seinen früheren Wegbegleitern. Mit Jutta Müller telefoniert er ab und an. Anett Pötzsch, die zur gleichen Zeit wie er ihre größten Erfolge feierte und heute als Trainerin in Dresden arbeitet, trifft er manches Mal, wenn er seine Tochter zu den Übungseinheiten des Synchronteams bringt oder abholt.

Unabhängig davon, seine ehemalige Wirkungsstätte am Küchwald steuert er mehrfach pro Jahr an. Denn als Preisrichter ist der einstige Weltklasseläufer bis heute seinem sportlichen Metier treu geblieben, vergibt auch Noten bei den Wettkämpfen auf Landesebene. Pro Saison erhält er zudem zwei Einsätze bei internationalen Höhepunkten, durfte so nach seinen eigenen vier Starts (1968 bis 1980) beispielsweise drei weitere Olympische Spiele - zuletzt in Sotschi - miterleben. Wohin es ihn im kommenden Winter diesbezüglich führt, weiß er bis jetzt nicht, da die Auslosung erst folgt. "Solange ich das mit meinem Beruf vereinbaren kann, bleibe ich dabei. Es ist eine schöne Abwechslung, macht mir viel Spaß", sagt Jan Hoffmann. Da sich die Fernsehübertragungen von Großereignissen inzwischen sehr in Grenzen halten, ist er zudem froh, dass er auf diese Weise die Entwicklung seiner Disziplin weiter intensiv verfolgen kann. "Schon extrem, was seit meinem Rücktritt 1980 passiert ist. Von einer Kombination Vierfach-Dreifach-Sprung habe ich nicht einmal geträumt. Und heute werden diese Höchstschwierigkeiten zudem von den Besten in tolle Programme eingebettet", gerät er ins Schwärmen.

Jan Hoffmann als 16-Jähriger bei den DDR-Meisterschaften in Aktion. Damals gewann er den ersten seiner insgesamt sieben nationalen Titel.
 

Dabei zeigte der Sachse in seiner aktiven Zeit hinsichtlich der Schwierigkeiten mit die anspruchsvollsten Darbietungen. So sorgte er bei der WM 1974, bei der er wie zuvor bei der EM als 18-Jähriger erst- mals Gold gewann, für einen Meilenstein. Als zweitem Läufer nach dem legendären Donald Jackson gelang ihm im Wettkampf der dreifache Lutz - damals der hochkarätigste Sprung - in Perfektion. Der Kanadier hatte diesen bereits 1961 präsentiert, bis dahin kein anderer Akteur mehr. Heute gehört dieses Element im Juniorenbereich zum Standard, inzwischen steht der Axel ganz oben in der Skala. "Den probierte ich damals auch mal dreifach im Training, aber wegen der Verletzungsgefahr nur kurze Zeit", erinnert sich Jan Hoffmann.

Übrigens, Donald Jackson war es auch, der ihn einst animierte. "Ich habe ihn als Kind am Fernseher bewundert. Danach wollte ich unbedingt auch eislaufen", erinnert sich der Ausnahmeathlet. Er begann bei einem Dresdner Verein, zeigte Talent, sodass er bereits mit gerade mal elf Lenzen in die Gruppe von Erfolgstrainerin Jutta Müller zum damaligen SC Karl-Marx-Stadt wechselte. Er entwickelte sich rasant, durfte 1968 in Grenoble als Zwölfjähriger erstmals bei Olympia starten. Damit ist er bis heute der jüngste deutsche Teilnehmer bei Winterspielen überhaupt. Bis zu seinen ersten internationalen Titeln 1974 ging es für ihn stetig nach oben. In jenem Herbst folgten jedoch auch bittere Momente. Unmittelbar vor seinem Start beim Pokal der Blauen Schwerter vor heimischer Kulisse zog er sich eine schwere Knieverletzung zu. "Im Hotelzimmer erwärmte ich mich schon ein bisschen. Beim Überspringen des Koffers bin ich weggeknickt", berichtet er von seinem Missgeschick, nach dem er die gesamte Saison ausfiel. Er musste sich einer Meniskusoperation unterziehen und sah deshalb das Karriereende schon vor sich. Denn zu jener Zeit gab es kein Beispiel, dass es nach einem Eingriff dieser Art leistungssportlich weiterging. Doch mit viel Ehrgeiz kehrte er in die Erfolgsspur zurück. Ab 1976 erkämpfte er allein elf seiner insgesamt 15 internationalen Medaillen - die wertvollste bei Olympia 1980. "Ich lief die Kür meines Lebens, brachte alles super auf den Punkt. Über die Silbermedaille habe ich mich riesig gefreut", empfand er in Lake Placid nur glückliche Momente. Die offensichtliche Benachteiligung gegenüber dem Sieger Robin Cousins aus England, der patzte, erregte mehr die Gemüter der Fans und vor allem von Jutta Müller. Sie bezeichnet diese Entscheidung rückblickend als eine der größten Enttäuschungen ihrer Trainerlaufbahn.

Jan Hoffmann ist bis heute der erfolgreichste deutsche Eiskunstläufer. Von Patienten der "älteren Generation", die in seine Praxis kommen, wird er noch immer angesprochen, zu verschiedenen Veranstaltungen erhält er als prominenter Ehrengast weiterhin Einladungen. Im Sommer taufte er beispielsweise auf der Landesgartenschau in Oelsnitz eine Rose auf den passenden Namen "Eisprinzessin".

Buchtipp: "Chemnitzer Eissterne", erschienen im Chemnitzer Verlag, erhältlich in allen Presse-Shops der "Freien Presse".

Jan Hoffmann auf der Ehrenrunde nach seinem Silberrang bei den Olympischen Spielen 1980 in Lake Placid.

Foto: Archiv

Jan Hoffmann

Der gebürtige Dresdner gewann international 15 Medaillen, nahm an vier Olympischen Spielen (1968, 1972, 1976, 1980) teil. Mit Olympiasilber 1980, zweimal Gold bei WM (1974; 1980) sowie vier EM-Siegen ( (1974, 1977; 1978; 1979) feierte er seine wertvollsten Erfolge.

Erfolgstrainerin Jutta Müller betreute ihn von 1966 bis 1980 beim SC Karl-Marx-Stadt. Seinem Sport blieb er als Preisrichter treu, kam dabei auf bislang drei Olympiaeinsätze.

Jan Hoffmann ist in zweiter Ehe mit Aline verheiratet, arbeitet als Orthopäde und lebt wieder in Dresden.

 
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