Kretzschmar kritisiert Hanning für seine AussagenFoto: (Mika Volkmann)
Kretzschmar widerspricht Hanning
Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar hat Bob Hanning widersprochen und den Manager des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin kritisiert. "Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis. Der deutsche Handball kann es sich nicht erlauben, solche Turniere einfach abzuschenken", sagte Kretzschmar im Gespräch mit der Bild-Zeitung mit Blick auf die am Sonntag beginnende EM in Serbien.
Hanning hatte nach der missglückten EM-Generalprobe gegen Ungarn (21:22) für Wirbel gesorgt. Er hätte nichts dagegen, wenn man bei der EM scheitere. Je eher man ausscheide, desto eher könne man einen Umbruch einleiten, hatte Hanning erklärt. Kretzschmar hält dagegen: "Bob muss mir mal erklären, mit wem er den Neuaufbau will, falls wir früh ausscheiden. Wer soll die Kohlen aus dem Feuer holen und für uns spielen? Da fallen mir nicht viele ein, die den Gegner zum Erstarren bringen."
Nach Platz zehn bei der EM 2010 in Österreich und Rang elf bei der WM 2011 in Schweden stehen die deutschen Handballer in Serbien gewaltig unter Druck. Neben einem guten Abschneiden bei der EM muss sich die Mannschaft von Bundestrainer Martin Heuberger einen von noch zwei zu vergebenen Plätzen für ein Olympia-Qualifikationsturnier sichern.
Ansonsten befürchtet Kretzschmar schlimme Konsequenzen für die gesamte Sportart. "Wir können keine zwei Jahre Auszeit nehmen. Wir müssen bei jedem Turnier erfolgreich sein. Wir haben eine Leistungsgesellschaft. Langfristige Konzepte gehen mir auf den Sender, das können wir unserer Sportart nicht zumuten. Wir brauchen die öffentliche Präsenz. ARD und ZDF übertragen die EM, aber wie lange noch? Das ist wahnsinning bedrohlich", sagte der 38-Jährige, der 2004 in Athen olympisches Silber gewonnen hatte.
Auch Martin Schwalb befürchtet negative Folgen für den deutschen Handball, wenn in Serbien ein weiterer Rückschlag folgt. "Olympia ohne deutsche Nationalmannschaft wäre für die Sportart überhaupt nicht gut. Als stärkster Handball-Verband der Welt müssen wir alles daran setzen, uns zu qualifizieren", sagte der Präsident des deutschen Meisters HSV Hamburg.
In Serbien trifft die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) in der wohl leichtesten Vorrundengruppe auf Tschechien, Mazedonien und den WM-Vierten Schweden. Die ersten drei Mannschaften ziehen in die Hauptrunde ein.