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Als 19-Jähriger muss man in einem Bundesliga-Profiteam ab und zu den Wasserträger spielen. Jordan Torunarigha will in seiner Karriere aber noch hoch hinaus. Sein Lieblingsverein ist Manchester United.

Foto: Imago/Metodi Popow Bild 1 / 2

Gebürtiger Chemnitzer will sich als Hertha-Profi durchbeißen

Jordan Torunarigha, Sohn des früheren CFC-Publikumslieblings Otscho, hat den Sprung ins Bundesliga-Aufgebot der Berliner geschafft. In einer bestimmten Situation bekam der 19-Jährige weiche Knie.

Von Mario Schmidt
erschienen am 21.03.2017

Es war Fußball-Wolke sieben, auf der er schwebte. "Ein Traum ist wahr geworden. Seit ich denken kann, wollte ich Profi werden", sagt Jordan Torunarigha. Und nun ist es tatsächlich geschehen: Der gebürtige Chemnitzer hat seinen ersten Profivertrag in der Tasche, gehörte seit Beginn der Rückrunde schon mehrfach zum Bundesliga-Kader von Hertha BSC. "Dafür habe ich immer hart gearbeitet", betont der 19-jährige Sohn des früheren CFC-Publikumslieblings Otscho Torunarigha im Gespräch mit der "Freien Presse".

Seine ersten neun Lebensjahre hat Jordan in Chemnitz verbracht. "Gut kann ich mich noch an meine Schule erinnern. Es war die Annenschule, in der es relativ streng zuging", berichtet der Hertha-Profi. Bleibende Eindrücke hat bei ihm der Nischel hinterlassen. "Am Karl-Marx-Kopf bin ich damals ziemlich oft gewesen", sagt der junge Mann, dessen Eltern aus Nigeria stammen. Und natürlich hat er damals schon Fußball gespielt - bei den F-Junioren des Chemnitzer FC. "2006 sind wir nach Berlin gezogen. Das war eine große Umstellung, die mir sehr schwer fiel", erinnert sich Jordan. Er sei traurig gewesen, seine Freunde in Chemnitz verlassen zu müssen.

Doch er habe schnell neue gefunden, vor allem bei Hertha BSC. "Ich wollte gleich zum besten Verein in Berlin. Nach einer Woche Probetraining bin ich genommen worden", erzählt der 19-Jährige. Bis zur Altersklasse U 14 sei er noch Stürmer gewesen, wie sein Vater Otscho früher. Doch dann hatte ein Hertha-Nachwuchstrainer, den Jordan Torunarigha als großen Glücksfall für sich bezeichnet, eine andere Idee: Ante Covic, früher selbst Bundesliga-Spieler, schulte den groß- gewachsenen Jungen kurzerhand zum Innenverteidiger um. "Er hat mein Talent für diese Position erkannt. Seitdem motiviert er mich und baut mich immer wieder auf, wenn es mal nicht so gut läuft", sagt Jordan. Ohne die Unterstützung von Covic, bei dem er auch in den höheren Nachwuchsklassen trainierte, wäre er nicht so schnell Profi geworden, ist der gebürtige Chemnitzer überzeugt.

Er wisse, dass er sich weiter verbessern muss, um einen Stammplatz im Hertha-Team zu ergattern. "Cheftrainer Pál Dárdai sagt, dass ich Geduld haben muss. Die Konkurrenz auf meiner Position ist sehr groß", erklärt Jordan Torunarigha hinsichtlich seiner Vereinsgefährten John Anthony Brooks, Niklas Stark und Sebastian Langkamp. Einen Kurzeinsatz durfte er aber schon bestreiten: Im Heimspiel gegen Ingolstadt (1:0) wurde er in der letzten Minute der regulären Spielzeit für Hertha-Torjäger Vedad Ibisevic aufs Feld geschickt. "Als ich gehört habe, dass ich gleich eingewechselt werden soll, sind mir erst mal die Knie weich geworden. Es war dann ein unbeschreibliches Gefühl, auf dem Platz im Olympia-Stadion zu stehen", beschreibt der 19-Jährige den großen Moment. Nach dem Abpfiff sei er "noch völlig sprachlos" gewesen.

Auch als Profi-Fußballer wohnt Jordan Torunarigha weiterhin bei seinen Eltern. "Zu Hause ist es am schönsten. Wenn ich eine eigene Wohnung hätte, müsste ich ja selbst Wäsche waschen oder Staub wischen", bemerkt der 1,89-Meter-Mann. Von Vater Otscho erhalte er viele wertvolle Tipps. Da spiele es auch keine Rolle, dass der Papa Stürmer war und er jetzt Verteidiger ist. "Mein Vater ist ein Alleskönner. Er kennt sich auch in der Defensive aus", sagt der 19-Jährige.

Otscho Torunarigha, der nach dem Mauerfall der erste afrikanische Fußball-Profi in Ostdeutschland war, ist indes stolz wie Bolle auf seinen Sprössling. "Ich habe gehofft, dass er bald einen Profi- vertrag erhält. Als es dann so weit war, bin ich trotzdem überrascht gewesen", berichtet der frühere CFC-Kicker. Er habe das zunächst gar nicht mitbekommen, weil er mit seiner Frau zu dem Zeitpunkt gerade zu Besuch in Nigeria war. "Wir beten für Jordan, dass er eine stabile Karriere hinlegen kann und vor allem verletzungsfrei bleibt", sagt Otscho, dessen älterer Sohn Junior nicht ganz so erfolgreich als Fußballer ist. Der 26-Jährige spielt zurzeit bei Fortuna Sittard in der Zweiten Liga Hollands. "Ich finde es gut, dass er nicht neidisch auf seinen jüngeren Bruder ist. Er freut sich sogar sehr für ihn", erzählt der Vater. Jordan bestätigt dies. "Mein Bruder gönnt mir das. Wir haben einen engen Draht zueinander, schreiben uns täglich über die sozialen Netzwerke", berichtet er.

Jordan Torunarigha hat in seiner Karriere noch viel vor. "Ich will so viele Trophäen wie möglich gewinnen", sagt der Jung-Profi. Zunächst heißt es, sich bei Hertha BSC durchzubeißen. Der deutsche Hauptstadt-Verein soll aber nicht das Ende der Fahnenstange sein. Jordan Torunarigha macht keinen Hehl daraus, dass er eines Tages bei seinem Lieblings-Club spielen will. Und der heißt Manchester United. "Man muss sich hohe Ziele setzen, sonst kommt man im Leben nicht voran", sagt der 19-Jährige. Er mag das Team und das Stadion in Manchester - und ganz besonders einen Profi bei ManU: den französischen Nationalspieler Paul Pogba. "Mit ihm zusammenzuspielen, wäre das Größte", betont Jordan Torunarigha.

 
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