Werbung/Ads
Menü
Die Niners-Spieler Malte Ziegenhagen (links) und Martin Seiferth (rechts) im lockeren Plausch mit ihrem Mentalcoach René Edelmann. Das Training für den Kopf soll unter anderem bewirken, dass Fehler im Spiel schneller abgehakt werden.

Foto: Andreas Seidel

Niners-Spieler und ihr Training für den Kopf

Am Sonntag startet der Basketball-Zweitligist in der Hartmannhalle in die Playoff-Halbfinalserie gegen die Gotha Rockets. Bei zwei Chemnitzer Korbjägern spielt sich die Vorbereitung nicht nur auf dem Parkett ab.

Von Mario Schmidt
erschienen am 21.04.2017

Die Luft brennt, das Spiel geht in seine entscheidende Phase. Jetzt gibt es Freiwürfe. Mehr als 2500 Augenpaare und Dutzende Kameras sind auf den Schützen gerichtet. Die Fans des Gegners machen so viel Lärm wie möglich, um ihn zu verunsichern. Dennoch sollten möglichst beide Würfe sitzen, denn der Vorsprung der eigenen Mannschaft ist hauchdünn.

In solch einer Situation könnte sich am Sonntag ein Basketballer der Chemnitzer Niners befinden, die ab 17 Uhr in der Hartmannhalle zum Auftakt des Playoff-Halbfinals auf die Gotha Rockets treffen. Dann würde es heißen: Bloß die Ruhe bewahren, den Fokus auf die im Training vielleicht schon tausendfach geübten Würfe lenken. Leichter gesagt als getan. Das wissen auch die Niners-Spieler Malte Ziegen- hagen und Martin Seiferth nur zu gut. Als bisher einzige Profis ihres Teams trainieren sie nicht nur regelmäßig unter Chefcoach Rodrigo Pastore auf dem Parkett, sondern arbeiten auch auf mehr psychische Stabilität hin. Die beiden leisten sich einen Mentaltrainer, wie sie im Gespräch mit der "Freien Presse" berichteten.

Den Anfang machte Malte Ziegenhagen. "Es gab in dieser Saison während der Hauptrunde eine Phase, in der ich und auch die Mannschaft nicht gut spielten. Wir haben gegen den Mitteldeutschen BC, Crailsheim und Kirchheim drei Niederlagen in Folge kassiert", sagt Ziegenhagen. Er habe sich überlegt, wie er aus diesem Loch heraus- kommen kann. Während einer Veranstaltung in Mittweida, wo der 26-Jährige Event-Management und Marketing studiert, lernte er den Mentaltrainer René Edelmann kennen. Seit vier Monaten arbeite er inzwischen mit ihm zusammen. "Das Training für den Kopf hat mir auch schon etwas gebracht, das man aber nicht an Punkten in den Spielen messen kann", so Ziegenhagen. Er gehe jetzt entspannter mit schwierigen Situationen um, könne Fehler schneller abhaken.

Auch Martin Seiferth spürt, dass ihm das Mentaltraining gut tut, wie er betont. "Vor jedem Spiel ist eine Grundnervosität vorhanden, die auch sein muss. Manchmal steigere ich mich aber hinein, vor allem gegen Spitzenmannschaften", berichtet Seiferth. Das Kopftraining helfe ihm, sich besser auf das eigene Spiel zu konzentrieren - und weniger darauf, was der Gegner macht. Ähnlich wie Teamkollege Ziegen- hagen könne er Missgeschicke schneller abhaken. "Ich gräme mich nicht mehr so lange, wenn ich zum Beispiel einen Korbleger versaut habe", erklärt der 2,08-Meter-Mann. Denn das führe nur dazu, dass man bei der nächsten Aktion gleich noch einen Fehler begeht.

Für Mentaltrainer René Edelmann, der unter anderen auch Eisschnellläufer Nico Ihle und Radsprinter Joachim Eilers betreut, steht fest: "Ein Sportler ist in Drucksituationen nur dann gut, wenn er in einen ,Tunnel' kommt, möglichst an nichts denkt." Dies könne man trainieren. Was Athleten abhält, ihr Bestes zu geben, ist laut Edelmann hauptsächlich die Angst vor dem Versagen. "Ein Basketballer denkt vielleicht: Wenn ich jetzt nicht treffe, verlieren wir", fügt der 43-Jährige hinzu.

Das Wichtigste sei, sich seiner Ängste bewusst zu werden - und die Situation einzuordnen. "Man sollte sich Fragen stellen wie: Beeinflusst es mein Leben, wenn ich nicht treffe? Wird mich meine Familie deswegen nicht mehr lieben?", so Edelmann. Er lege großen Wert auf die Feststellung, dass Mental- training nichts mit dem Heilen psychischer Erkrankungen zu tun hat. Es gebe auch kein rotes Sofa, auf das sich die Gesprächspartner legen. "Anspruch bei unserer Arbeit ist es, dass ein Sportler sein Potenzial zum richtigen Zeitpunkt abrufen kann", betont Edelmann.

Durch die Zusammenarbeit mit Malte Ziegenhagen und Martin Seiferth sei er ein richtiger Basketball-Fan geworden. Edelmann gehört inzwischen zu den Stammgästen in der Hartmannhalle und fiebert den Halbfinal-Duellen mit den Gotha Rockets entgegen. "Was mir bei dieser Sportart besonders gefällt, ist der faire Umgang der Spieler untereinander und mit den Schiedsrichtern. Meiner Ansicht nach werden die Werte des Sports beim Basketball besser gelebt als beim Fußball", sagt der Mental- trainer, der auch den früheren CFC-Spieler Chris Löwe (jetzt Profi in der 2. englischen Liga) mehrere Jahre lang betreut hat.

Zusatztribünen Für das erste Playoff-Halbfinale zwischen Chemnitz und Gotha am Sonntag in der Hartmannhalle sind nahezu alle 2000 Sitzplatztickets verkauft. Das teilte Niners-Sprecher Matthias Pattloch mit. "Deshalb lassen wir hinter beiden Körben Zusatztribünen aufbauen, um somit 600 weiteren Zuschauern Platz zu bieten", erklärt Pattloch. Das Spiel beginnt um 17 Uhr.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
0
Lesen Sie auch:
 
Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)

 
 
 
 
 
 
 
am meisten ...
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm