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Chris Löwe am vergangenen Samstag während des Punktspiels der zweiten englischen Liga bei den Queens Park Rangers in London. Mit seiner Mannschaft von Huddersfield Town gewann der Ex-Chemnitzer 2:1.

Foto: Imago

"Noch mal für den CFC zu spielen, ist eine Option für mich"

Fußball: Chris Löwe über sein Leben in England, einen Pokalknüller und die eventuelle Rückkehr zum Ex-Club

erschienen am 17.02.2017

Seit dieser Saison spielt der ehemalige Chemnitzer Profi Chris Löwe beim englischen Zweitligisten Huddersfield Town. Das Team des deutschen Trainers David Wagner steht überraschend auf dem dritten Platz und hat Chancen, die Premiere League zu erreichen. Morgen geht es im Pokalwettbewerb (FA-Cup) gegen Manchester City mit Trainer Pep Guardiola. Über seine Situation auf der Insel und das Leben dort führte Mario Schmidt mit Chris Löwe das folgende Gespräch.

Freie Presse: Glückwunsch zur bisher erfolgreichen Saison und Tabellenplatz drei. Sind Sie mit Ihrem Club Huddersfield Town auf dem besten Weg in die Premiere League?

Chris Löwe: Danke für den Glückwunsch. Premiere League ist zu viel gesagt. Es sind noch 15 Spiele zu bestreiten, da kann eine Menge passieren. Wir werden alles probieren, um da oben zu bleiben, müssen uns aber alles hart erkämpfen. Viele Begegnungen haben wir bisher mit einem Tor Differenz gewonnen.

Welcher Platz wäre für den Aufstieg notwendig?

Der Modus ist hier anders als beispielsweise in Deutschland. Die ersten beiden Mannschaften steigen direkt auf, die Dritt- bis Sechstplatzierten spielen dann in einer Extrarunde den dritten Aufsteiger aus.

Kann man sagen, dass Huddersfield an der Obergrenze seines Leistungsvermögens spielt?

Es läuft auf jeden Fall weitaus besser, als es sich alle hier vor der Saison vorgestellt hatten. Unser wichtigstes Ziel war, eine solide Runde zu spielen und nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Stattdessen stehen wir weit oben - das ist die auf- regendste Phase für den Verein seit mehreren Jahrzehnten.

Wie reagieren die Fans, auch was den Umgang mit Ihnen persönlich betrifft?

Die Stimmung hier ist angenehmer als in Deutschland. Es gibt im Stadion, das mit etwa 20.000 Leuten immer gut gefüllt ist, keine großen Fan-Gesänge oder Choreografien. Aber es reichen schon kleinere Aktionen auf dem Feld, zum Beispiel eine gelungene Grätsche, und die Kulisse ist sofort da.

Wird Ihnen öfter auf die Schulter geklopft, wenn Sie durch die Stadt gehen?

Nein, man wird in Ruhe gelassen. Das empfinde ich als sehr angenehm. In meiner Freizeit schalte ich gern mal vom Fußball ab. Vorher, als ich in Kaiserslautern spielte, war das ganz anders. Dort wurde ich sehr oft angesprochen. Das beeinflusst die Lebensqualität negativ.

Sie wirken rundum glücklich. Heimweh haben Sie auch nicht?

Nein, das ist kein Thema. Ich bin es inzwischen gewöhnt, weit weg von zu Hause Fußball zu spielen. Hätte meine Frau Monique, die mit nach England gezogen ist, ihr Veto eingelegt, wäre ich nicht nach Huddersfield gewechselt. Meine derzeitige Situation ist märchenhaft schön, auch weil ich in fast jedem Spiel eingesetzt werde.

Mit David Wagner, dem besten Kumpel von Liverpool-Coach Jürgen Klopp, hat Ihr Club einen deutschen Trainer. Für Sie ein Vorteil?

Es ist schon einfacher, wenn man mit dem Trainer in seiner Muttersprache kommunizieren kann. Mittlerweile ist aber auch mein Englisch so gut, dass ich mich mit jedem in der Mannschaft und im Verein gut unterhalten kann.

Am Samstag treffen Sie mit Ihrem Team im FA-Cup auf Manchester City mit Trainer Pep Guardiola. Steht Huddersfield schon kopf?

Ehrlich gesagt ist das für mich längst nicht das wichtigste Spiel des Jahres, vor dem ich vielleicht nicht schlafen könnte. Auch in Deutschland habe ich schon gegen große Clubs gespielt. Natürlich ist es für den Verein hier und die Region etwas Besonderes, gegen Manchester City anzutreten. Unsere Chancen aufs Weiterkommen sind jedoch überschaubar. Der Fokus liegt ganz klar auf der Meisterschaft. Dabei haben wir ein hartes Programm vor uns, müssen in den nächsten vier Wochen jeweils drei Spiele absolvieren.

Ist es denkbar, dass Sie Ihre Karriere in England beenden, weil es Ihnen dort so gut gefällt?

Mein Vertrag in Huddersfield läuft bis 2019. Dann werde ich 30 Jahre alt sein. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es schwer zu sagen, wo ich meine Laufbahn beende. Zweieinhalb Jahre bis zum Vertragsende sind im Fußball eine kleine Ewigkeit.

Wie wär's, die Karriere beim Chemnitzer FC abzuschließen?

Noch mal für den CFC zu spielen, ist eine Option für mich. Daraus habe ich nie ein Geheimnis gemacht. Der Chemnitzer Verein hat den größten Anteil daran, dass ich dort bin, wo ich heute bin. Am besten wäre, dass der CFC im Falle einer Rückkehr in der 2. Bundesliga spielt.

Glauben Sie, dass die Himmelblauen den Aufstieg schon in diesem Jahr schaffen?

Ich drücke die Daumen. Von den einzelnen Spielern her gesehen, ist Qualität vorhanden. Ab und zu erreicht die Mannschaft trotz Überlegenheit nur ein Unentschieden, was man nicht braucht. Der Aufstiegskampf wird wohl spannend bis zum letzten Spieltag bleiben.

Haben Sie die Finanzkrise des CFC verfolgt?

Ja, ich habe das mitgekriegt. Vor allem hinsichtlich des neuen Stadions wäre die Insolvenz eine Katastrophe gewesen. Ich war froh, als der Chemnitzer Stadtrat das Hilfspaket für den Verein beschlossen hat.

 
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