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Nico Clemens spricht sich vor dem nächsten Start beim Schwimmfest in der Halle am Südring mit seiner Trainerin Claudia Barth ab. Es war der erste Wettkampf des 15-Jährigen nach fünfwöchiger Zwangspause.

Foto: Toni Söll

Probleme eines Sportlers mit Handicap

Beim 18. Schwimmfest des BFV Ascota ist auch das größte Chemnitzer Talent an den Start gegangen. Nico Clemens will nach oben, stößt aber an Grenzen.

Von Mario Schmidt
erschienen am 20.03.2017

Zeiten und Platzierungen waren für ihn am Samstag zweitrangig. "Ich muss erst mal testen, was ich kann. Wegen einer OP konnte ich fünf Wochen lang nicht trainieren", berichtete Nico Clemens in einer Wettkampfpause des 18. Schwimmfestes seines Vereins. 116 Aktive aus dem gesamten Bundesgebiet waren der Einladung des Behinderten- und Freizeitsportvereins (BFV) Ascota in die Schwimmhalle am Südring gefolgt. Die weiteste Anreise hatten die gehandicapten Sportler der BSG Espelkamp. Ihr Heimatort liegt in der Nähe von Lübbecke im tiefsten Nordrhein-Westfalen.

Für Nico Clemens kommt es darauf an, möglichst schnell wieder sein altes Leistungsvermögen zu erreichen. Im April stehen die Sachsenmeisterschaften an, der Saisonhöhepunkt steigt Anfang Juli bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften der Behindertenschwimmer in Berlin. "Dort will ich mich wie im Vorjahr für einige Finals qualifizieren", sagt der Schüler, dem die rechte Hand fehlt. Sein großes Ziel ist es, in die Fußstapfen der international einst so erfolg- reichen Chemnitzer Schwimmer Maria Götze, Daniel Clausner und Swen Michaelis zu treten. Doch der Weg dorthin ist lang - und mit reichlich Problemen gepflastert.

Beispielsweise kann Nico Clemens nicht verstehen, warum er die Sportoberschule in Chemnitz nicht besuchen darf. "Er wurde leider abgelehnt, wofür ich kein Verständnis habe. Man hat es auf den Mangel an Wasserflächen in der Stadt geschoben", bemerkt Claudia Barth, Trainerin der Leistungs- gruppe beim BFV Ascota. Mehr will sie zu diesem Thema lieber nicht sagen. Auch die Trainingsbedingungen seien für einen aufstrebenden Schwimmer wie Nico Clemens nicht optimal. "Eigentlich soll ich viermal die Woche trainieren, dreimal im Wasser und einmal im Kraftraum. Samstags fällt das Training in der Halle im Sportforum aber oftmals aus, weil dort Wettkämpfe stattfinden", berichtet der 15-Jährige, der die Untere Luisenschule besucht.

Er ist gegenwärtig der einzige Hoffnungsträger der Ascota-Behindertenschwimmer. "Es fehlt an Nachwuchs", erklärt Claudia Barth. Und Besserung sei nicht in Sicht. "Die Gesellschaft und damit auch die Interessen haben sich durch Smartphones und Computer verändert", sagt die Trainerin. Was erschwerend hinzukomme: Viele Kinder und Jugendliche, die wie Nico Clemens nur kleinere Behinderungen haben, besuchen normale Schulen. "Wir bekommen keine Informationen über sie. Da wir ausnahmslos ehrenamtlich beim BFV arbeiten, sind wir nicht in der Lage, alle Schulen zu besuchen", so Barth, die im Rollstuhl sitzt. Zudem würden Eltern die Möglichkeiten des Vereins überschätzen. "Sie wollen zwar, dass ihre behinderten Kinder Sport treiben. Doch wird die Frage gestellt, wer sie zum Training und wieder zurück nach Hause fährt", berichtet die junge Frau. Dies könne der BFV nicht leisten. Der Transport der Sportler sei Job der Eltern.

Dem Verein gehören nach Angaben des Vorstandes gegenwärtig rund 400 Mitglieder an. Sie betreiben hauptsächlich Rehabilitations- und Versehrtensport. Aber auch nicht behinderte Aktive seien beim BFV Ascota willkommen.

 
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