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Bislang hat Bruno Wächtler in der Klasse E 2 um Medaillen der Deutschen Meisterschaft gekämpft. Nun sieht es so aus, als ob es für den Fahrer des Zschopauer KTM-Teams Sturm nur noch um den DMSB-Titel geht.

Foto: Thomas Fritzsch Bild 1 / 2

Neue Namensgebung sorgt im Enduro-Lager für Aufruhr

Statt weiterhin in vier Klassen Deutsche Enduro- Meister zu küren, sollen künftig DMSB-Titel vergeben werden. Gegen den lange im Stillen gehaltenen Beschluss gehen die Fahrer nun lautstark vor.

Von Andreas Bauer
erschienen am 19.12.2015

Zschopau. Kurz vor Weihnachten ist in der deutschen Enduro-Szene wenig von Liebe und Besinnlichkeit zu spüren. Das Wort Heimlichkeit lässt sich schon eher mit dem verbinden, was vor sich geht. Ohne es publik zu machen, hat der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) für die Saison 2016 eine neue Bezeichnung der Klassen eingeführt, die bei den Sportlern für Kopfschütteln und für eine Gegenreaktion sorgt.

"Zwar wird die Deutsche Enduro-Meisterschaft weiterhin in drei Klassen ausgetragen, doch die am Ende auf Platz 1 liegenden Fahrer sollen sich nicht Deutsche Meister nennen dürfen. Stattdessen sind sie sogenannte DMSB-Meister", erläutert der Gornauer Derrick Görner die Neuerung. Als "Internationale Deutsche Enduro-Meisterschaft" werde nur noch das Championat bezeichnet, also die Wertung aller Klassen zusammen.

Genaue Angaben kann Görner machen, weil er als Fahrersprecher Kontakt zum DMSB-Fachausschuss Enduro hat. "Während einer Sitzung nach ,Rund um Zschopau' klang die Änderung an", berichtet der 29-Jährige. Zu lesen war davon nichts, sodass sie für die meisten eine vorzeitige Weihnachtsüberraschung in negativer Art darstellt. Viele Sportler reagierten, indem sie sich mit der Bitte an den DMSB wandten, die Entscheidung zu überdenken. Ihrer Meinung nach könnte der Schritt fatale Folgen haben.

"Diese Namensänderung dürfte dem deutschen Endurosport nur schaden", sagt Görner. Damit vertritt er die Meinung der Sportler. Nicht nur, weil er von ihnen offiziell zum Fahrersprecher gewählt wurde, sondern auch, weil er in unzähligen Gesprächen die gleichen Befürchtungen hörte. "Unser Sport lässt sich dadurch viel schlechter verkaufen. Ein Deutscher Meister ist sofort ein Begriff, aber mit einem DMSB-Titel kann kaum jemand etwas anfangen", erklärt der Gornauer. Werden alle Motoren- und Hubraumklassen vereinigt, ist das so, als ob ein 50- gegen einen 100-Kilo-Mann kämpft. Vor allem die Suche nach Sponsoren werde den Fahrern erschwert. Finanzielle Engpässe und rückläufige Starterzahlen sieht Görner speziell für die A-Lizenz als Folge.

Nach Görners Einschätzung leidet auch die Jugendarbeit, wenn es künftig nur noch einen Deutschen Meister gibt: "Der Sprung an die Spitze wird für viele zu groß, was vor allem den Nachwuchs abschreckt." Noch negativer wirke sich die Streichung des B-Lizenz-Championats auf die Talentförderung aus: "Der Beste aller Nachwuchs-Klassen zu sein, war ein großer Ansporn und galt als Sprungbrett in die Deutsche Meisterschaft." Diese Motivation werde den jungen Fahrern genommen, sodass wohl immer mehr auf lizenzfreie Serien ausweichen.

Der Verband begründet das Vorgehen damit, eine einheitliche Bezeichnung und Wertigkeit für die DMSB-Prädikate zu schaffen. Vier Deutsche Enduro-Meisterschaften, ein Internationales Deutsches Championat, ein Pokal-Championat und eine Klassik-Trophäe hätten laut Pressesprecher Michael Kramp für Verwirrung gesorgt: "Nicht nur für Fans und Interessenten waren Wertigkeit oder Zuordnung dieser Bezeichnungen schwer nachzuvollziehen. Sponsoren, Medien und anderen wird es schwer gemacht, Zugang zu dieser Sportart zu finden." Deshalb hätten das DMSB-Exekutivkomitee sowie das Präsidium bereits im November 2014 eine auf vier Ebenen eingestufte Hierarchie der Prädikate beschlossen - und zwar für den gesamten Motorsport. Deutsche Meisterschaft (Level 1), DMSB-Meisterschaft (2), DMSB-Cup (3) und DMSB-Pokal (4) wird es beispielsweise auch im Motocross und im Trial heißen. Worin die Vereinfachung liegen soll, erschließt sich den Piloten allerdings nicht.

In den Fachausschüssen sei nach dem Beschluss an der Neustrukturierung gearbeitet worden. Was offenbar fehlte, war die Kommunikation nach außen - und mit den Fahrern. Diese wollen angesichts all der Heimlichkeit nun noch mehr Weihnachtsgeschenke an den DMSB adressieren - und zwar in Form weiterer Protestschreiben.

 
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