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Tim Kopp (Mitte) bei der Siegerehrung am Dienstag in Lillehammer, links der Zweitplatzierte Ben Loomis aus den USA, rechts der Bronzemedaillengewinner Ondrej Pazout aus Tschechien.

Foto: Deutscher Olympischer Sportbund

Und im Sommer lockt jetzt Rio

Zweite Olympische Jugend-Winterspiele, zweites Olympiagold für einen Klingenthaler Kombinierer. Nach dem Einzelsieg am Dienstag kam für Tim Kopp gestern Silber im Mannschaftswettbewerb der Spezialspringer dazu.

Von Peter Janka
erschienen am 19.02.2016

Lillehammer/Klingenthal. Was Tim Kopp derzeit im norwegischen Lillehammer erlebt, wird ihn als einzigartige Erfahrung begleiten und immer wieder motivieren. Wer wüsste das besser als Tom Lubitz, der bei der Premiere der Olympischen Jugend-Winterspiele 2012 in Seefeld (Österreich) die deutschen Farben als Kombinierer vertrat. Natürlich verfolgt er - so gut es der Trainingsalltag zulässt - in diesen Tagen, wie sich sein Vereinskamerad vom VSC Klingenthal in Lillehammer schlägt.

"Es ist cool, dass bei den zweiten Olympischen Jugendspielen wieder ein Klingenthaler dabei ist. Tim soll das jetzt einfach genießen, so einen Wettkampf mit so einer Atmosphäre und den Startern aus der ganzen Welt erlebt man nicht so schnell wieder. Ich werde das jedenfalls nie im Leben vergessen", sagte er der "Freien Presse". Vom Erfolg her hat Tim Kopp seinen Vorgänger schon übertrumpft. Tom Lubitz war 2012 im Einzelwettbewerb Vierter geworden und hatte im Mannschaftswettbewerb Gold geholt. "Ich habe damals nach dem Springen auch geführt, so wie Tim am Dienstag. Allerdings war die Laufstrecke damals zehn Kilometer lang, diesmal ja nur fünf. Nach fünf Kilometern lag ich damals auch noch vorn..."

Die Anteilnahme am fantastischen Auftreten des gerade 17 Jahre alt gewordenen Vogtländers in der Heimat ist enorm. "Mein Handy steht seit Dienstag fast nicht mehr still, auch über die sozialen Medien kommen jede Menge Glückwünsche. Das ist unglaublich, fühlt sich richtig gut an und motiviert natürlich", sagte er gestern noch unter dem Eindruck der gerade gewonnenen Silbermedaille im Mannschaftswettbewerb der Skispringer. "Da weiß man, warum man sich gerade im Sommer beim schweißtreibenden Training so quält."

"Tim hat in dieser Saison einen Riesensprung gemacht, nicht nur in seinen sportlichen Leistungen, auch als Persönlichkeit", lobt Uwe Schuricht, der Cheftrainer am Bundesstützpunkt Klingenthal. "Über seine Erfolge freuen wir uns wahnsinnig. Sie sind das Ergebnis kontinuierlicher Arbeit angefangen von der SG Medizin Bad Elster, wo er mit dem Sport begonnen hat, über Bernd Glaß und Bernd Zimmermann bis hin zu Kerst Dietel, die ihn beim VSC Klingenthal betreuten."

Imponiert hat Schuricht, wie der 17-jährige Breitenfelder am Dienstag den Langlauf gestaltete. Tim Kopp hatte nach dem Springen geführt, die ersten Drei lagen knapp 20 Sekunden auseinander. Der Vogtländer ließ die beiden Folgenden aufschließen und lief mit ihnen gemeinsam dem Ziel entgegen. "Mir war klar, dass ich es nicht geschafft hätte, allein vorneweg zu laufen. Deshalb bin ich es ruhig angegangen. Vor dem Ziel habe ich gemerkt, dass ich noch alles übrig habe und bin am letzten Berg losgezogen. Dass das so gut geklappt hat, ist natürlich super", schildert Tim Kopp die Laufdramaturgie. "Er ist zurzeit einfach in einer Superform. Er hat ja schon bei den OPA-Skispielen in Tarvisio den Sieg im Zielspurt herausgerissen", so Schuricht anerkennend.

Schwächen leistete er sich bislang weder in der Loipe noch auf der Schanze. Gestern beim Mannschaftsspringen zum Beispiel brachte Tim Kopp es auf das drittbeste Einzelergebnis - und das bei einem Feld, das zu zwei Dritteln aus Spezialisten bestand. Das überraschte selbst ihn ein bisschen. "Die Schanze gefällt mir einfach richtig gut, das waren bisher schon ziemlich gute Sprünge." Natürlich hofft er, dass ihm heute mindestens noch einmal ein möglichst perfekter Satz gelingt und vielleicht auch noch eine dritte Medaille herausspringt. Zu absolvieren ist ein nordischer Mannschaftswettbewerb, bei dem zunächst zwei Spezialspringer und der vogtländische Kombinierer bei einem Wertungssprung über den Bakken gehen. Anschließend folgt eine Langlauf-Staffel über dreimal drei Kilometer. Die bestreiten zwei Langlaufspezialisten und eben wieder der Kombinierer aus Klingenthal.

Aber egal, wie der Wettkampf auch ausgeht, von Wolke 7 bringt den 17-Jährigen jetzt so schnell eh nichts. Und der teilt seine Freude gerne. "Das alles wäre nicht möglich ohne meine Familie, die mich immer unterstützt hat, ohne meine Trainer und vor allem auch ohne meine Schule. Am Gymnasium Klingenthal wird wirklich viel getan, damit ich Schule und Sport gut miteinander verbinden kann."

Bis er die Glückwünsche seiner Lehrer und Klassenkameraden persönlich entgegennehmen kann, wird es allerdings noch ein paar Tage dauern. Am Sonntag fliegt Kopp direkt von Norwegen nach Rumänien, wo nächste Woche die Juniorenweltmeisterschaften stattfinden. Die Konkurrenz dort wird sportlich noch härter, deswegen ist er mit Prognosen vorsichtig. "Ich denke, ein Platz unter den Top 15 wäre schon super." Uwe Schuricht sieht Kopps Chancen vor allem im Mannschaftswettbewerb. "Da ist mit etwas Glück eine Medaille drin."

Gut möglich, dass der Jugend-Olympiasieger im Sommer sogar einigen "richtigen" Olympiasiegern begegnet. Alle deutschen Goldmedaillengewinner von Lillehammer sind von einem Sponsor des Deutschen Olympischen Sportbundes zu den Sommerspielen nach Rio de Janeiro eingeladen. "Das wäre schon toll, in Rio dabei zu sein. Ich weiß aber noch nicht, ob das bei mir auch wirklich klappt", sagt Tim Kopp.

 
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