Lucas Leihkauf verschaffte sich beim D-Junioren-Endspiel in Jößnitz gehörigen Respekt. Foto: Ellen Liebner

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Lucas will sich nach oben pfeifen

Es ist nicht immer gut, wenn ein Schiedsrichter auffällt. Beim Fußball-Endspiel der D-Junioren in Jößnitz aber erhielt der zwölfjährige Lucas Leihkauf Lob von allen Seiten.

PlauenMan kann nicht zeitig genug anfangen, sagte sich Lucas Leihkauf und bildete sich selbst zum Fußballschiedsrichter aus. Vor wenigen Tagen pfiff der Sechstklässler aus dem Plauener Lessing-Gymnasium in Jößnitz das Kreismeisterschafts-Endspiel der D-Junioren zwischen dem FSV Bau Weischlitz und der SG Jößnitz. Ganz souverän habe er seine Sache gemacht, bestätigte Jens Bienert, Verantwortlicher für den Nachwuchs im Vogtländischen Fußball-Verband.

Der Junge ist zwar Mitglied des VFC Plauen, aber kein aktiver Fußballer. Er kickt höchstens mal auf der Straße mit Freunden. "Angefangen hat alles bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Da habe ich die Schiedsrichter beobachtet. Was sie so auf dem Feld getan haben, hat mir imponiert. Das wollte ich auch machen", erinnerte er sich. Er will natürlich die Schiedsrichter-Karriere weiter vorantreiben und eines Tages vielleicht auch mal eine Europa- oder gar Weltmeisterschaft als Schiedsrichter erleben. Gründe für dieses ernsthaft formulierte Ziel nennt er auch: "Erstens ist man ganz nah an den berühmten Fußballern, zweitens kommt man umsonst ins Stadion und drittens kriegt man auch noch Geld dafür."

"Es hat nie Streit gegeben, im

Gegenteil, ich habe

Respekt verspürt."

Lucas Leihkauf Jung-Schiedsrichter

Nach der WM 2010 begann der damals Zehnjährige, sich auf sein Schiedsrichter-Leben vorzubereiten. Er holte sich allein, ohne fremde Anleitung, aus dem Internet alles, was ein Referee an Regeln und Bestimmungen im Fußball wissen muss. Jeden letzten Freitag im Monat besucht er einen Lehrgang, den Schiedsrichter-Ausbilder Torsten Künzel, Schiedsrichter-Ansetzer Holger Korschelt oder Schiedsrichter-Obmann Lutz Rosenkranz leiten.

Bevor er als Mann in Schwarz zum ersten Mal auf das Fußballfeld durfte, musste Lucas eine Prüfung ablegen. Die hat er auf Anhieb bestanden. Der Blondschopf war danach in der Saison 2011/2012 bei 30 Spielen der D-, E- und F-Junioren im Einsatz. Auch ein Landespokalspiel der B-Juniorinnen durfte er pfeifen. "Ich denke schon, dass die jeweiligen Trainer und Turnierleiter mit mir zufrieden waren und mich vielleicht ein bisschen bewundert haben", sagte er. "Es hat jedenfalls nie Streit gegeben, im Gegenteil, ich habe Respekt verspürt."

Auf die Frage, ob er ein Mensch ist, der sich mit aller Gewalt durchsetzt oder stets mit dem Kopf durch die Wand will, antwortete Mutter Annett Leihkauf: "Er hat sich eigentlich gut erziehen lassen. Wir hatten mit ihm bisher keine Probleme." Und Lucas ergänzte: "Nur beim Mensch-Ärgere-Dich-Nicht raste ich aus, wenn ich verliere. Ich bin überhaupt ein schlechter Verlierer." Die Herrschaft über seinen zehnjährigen Bruder Vincent hat er allerdings schon erkämpft. "Der macht, was ich sage", fügte der große Bruder lachend hinzu.

Die Eltern unterstützen den jüngsten Schiedsrichter Plauens, denn sie finden es toll, was er macht. In der Schule läuft es für den Gymnasiasten ebenfalls gut. Er gehört der Handball-Arbeitsgemeinschaft an und liebt auch Eishockey. Physik ist sein Lieblingsfach. In der Freizeit spielt er unter dem Dach des Christlichen Vereins Junger Menschen Hockey, und er nimmt Klavierunterricht.

 
erschienen am 04.07.2012 ( Von renate Günther )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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