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Olympiasieger und Weltmeister Yuzuru Hanyu aus Japan begeistert weltweit die Fans. Er hält alle Weltrekorde.

Foto: Getty Images

Mission des Superstars bleibt unerfüllt

Bei der vorolympischen Eiskunstlauf-Generalprobe in Gangneung (Südkorea) stand der Japaner Yuzuru Hanyu besonders im Mittelpunkt. Auch wenn er am Ende nicht ganz oben landen sollte.

Von Thomas Croy
erschienen am 21.02.2017

Gangneung. Er ist der vergötterte Superstar, das Pop-Idol der weiblichen Eiskunstlauffans. "Let's go crazy" - der 80er-Jahre-Hit von Prince, zu dem Yuzuru Hanyu sein Kurzprogramm läuft, umschreibt treffend die überschäumende Begeisterung, die dem Japaner nicht nur in seiner Heimat entgegengebracht wird. Zu den Vier-Kontinente-Meisterschaften - für Läufer aus Amerika, Asien, Australien und Afrika - sind viele Zuschauer nur seinetwegen nach Südkorea gekommen. Schon bei der Ankunft auf dem Flughafen Seoul-Incheon wurde er von zahlreichen Fans empfangen. Vor der Eishalle in Gangneung standen seine Verehrerinnen seit dem frühen Morgen Schlange, um ein Ticket zu ergattern, nur um ihm beim Training zuschauen zu können. Sie schwenkten enthusiastisch Plüschfiguren von Winnie Pooh (Pu der Bär), der als seine Lieblingsfigur gilt.

Der 22-Jährige aus Sendai, dem auf Schritt und Tritt eine riesige Schar Fotografen und Kameraleute folgt, hat in seiner Laufbahn fast alles erreicht: Hanyu hält sämtliche Weltrekorde bei den Herren, im Kurzprogramm, der Kür und in der Gesamtwertung (330,43 Punkte). Beim Autumn Classic International 2016 in Pierrefonds (Kanada) landete er als erster Eiskunstläufer einen vierfachen Rittberger erfolgreich in einem internationalen Wettbewerb. Nach Korea war er mit einer besonderen Mission gereist. Der Olympiasieger und Weltmeister von 2014 hat zwar zuletzt viermal in Folge das Grand-Prix-Finale gewonnen, aber noch nie die Four-Continents. Diesen letzten, noch fehlenden Titel zu ergattern und damit den Eiskunstlauf-Grand-Slam zu komplettieren, ist sein Ziel. Auf dem Japaner, der seit April 2012 bei Brian Orser in Toronto trainiert, lastete die Favoritenbürde. Zumal sein schärfster Rivale, Trainingskollege Javier Fernandez (Spanien), als Europäer nicht antrat.

Austragungsstätte war die 12.000 Zuschauer fassende Gangneung Ice Arena. Der Wettkampf galt als Test für die Olympischen Winterspiele 2018. Als Yuzuru Hanyu das erste Mal durch den Vorhang die Halle betrat, kreischten seine Fans verzückt auf. Nach seinem Kurzprogramm war das Eis übersät von Stofftieren und Geschenken. 20 Blumenkinder hatten mächtig zu tun, um alles einzusammeln. Punkte bekommt Hanyu allerdings nicht hinterhergeworfen. Der Superstar musste vorerst mit Rang drei vorliebnehmen. Er nagelte zum Auftakt einen sauberen vierfachen Rittberger aufs Eis, patzte aber bei der folgenden Kombination - der Salchow kam nur doppelt statt vierfach. Das kostete ihn Abzüge. "Es war keine perfekte Vorstellung. Das bedaure ich. Aber ich habe alles getan, was ich zurzeit kann", gestand der 22-Jährige. "Mir sind Fehler unterlaufen, und ich will noch härter trainieren, um besser zu werden." Vielleicht war er noch nicht wieder ganz fit. Wegen einer Grippe hatte Hanyu im Dezember auf eine Teilnahme an den japanischen Titelkämpfen verzichtet. Neuer Meister wurde Shoma Uno, der in Gangneung als Zweiter des Kurzprogramms die 100-Punkte-Marke übertraf. Die Führung übernahm zunächst US-Meister Nathan Chen, der beim Grand-Prix-Finale in Marseille auf dem Silberrang gelandet war.

Doch Yuzuru Hanyu ist ein Kämpfertyp. In der Kür schwang er sich zu einer grandiosen Leistung auf, die vom Publikum frenetisch bejubelt wurde. Begeistert schwenkten Hunderte japanische Besucher ihre mitgebrachten Fahnen und Transparente. Als nach der Kür die Noten bekanntgegeben wurden, riss er die Arme hoch. 206,67 Punkte - Saisonbestleistung! Minuten später ließ er im grünen Samtsessel der Leader's Box jedoch enttäuscht den Kopf sinken. "Ich wollte gewinnen. Das ist jetzt meine dritte Silbermedaille bei den Four-Continents", ärgerte sich der aktuelle Vizeweltmeister. "Es war ein ähnlicher Fehler wie im Kurzprogramm." Erneut brachte er den Salchow nur doppelt statt vierfach. Aus der Traum vom Grand Slam! Hanyu hatte zwar die beste Kür hingelegt, aber im Gesamtklassement reichte es nur zu Rang zwei. Den Titel schnappte ihm Nathan Chen weg. Bei der Siegerehrung schaute der Japaner auf dem Podium rüber zum US-Amerikaner. "Ich war ein bisschen neidisch", gestand er. "Aber er hat ein wunderbares Programm gezeigt, mit fünf Vierfachen und zwei Dreifach-Axeln, auch wenn einige nicht ganz sauber waren. Dennoch möchte ich ihm von ganzem Herzen gratulieren." Als er auf dem Abschlussbankett im Hotel mit den anderen Athleten für Selfies posierte, war der Ärger längst verflogen. Yuzuru Hanyu freut sich schon auf die Winterspiele im kommenden Jahr an gleicher Stelle in Gangneung. Dann muss er sich nichts beweisen. Diesen Titel hat er schon 2014 in Sotschi geholt.

Imago

Foto: Anett Pötzsch

Chemnitzer Olympiasiegerin im Team der Spezialisten

Anett Pötzsch (Foto), Eiskunstlauf-Olympiasiegerin aus Chemnitz, war bei den Vier-Kontinente-Meisterschaften in Südkorea als Technische Spezialistin in der Herrenkonkurrenz im Einsatz. Die einst zweifache Welt- und vierfache Europameisterin feierte ihren wertvollsten Erfolg bei den Winterspielen 1980 in Lake Placid. Als Jurorin ist sie pro Saison bei mindestens einem wichtigen internationalen Event dabei. So erlebte sie in Turin 2006 und Sotschi 2014 erneut Olympia, war bei WM und EM mehrfach im Einsatz. Die inzwischen 56-Jährige lebt in Dresden und arbeitet als Trainerin. Zu ihren Schützlingen gehört die aktuelle deutsche Vizemeisterin Lea Johanna Dastich, die im März bei der Junioren-WM startet.

 
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